Das Magazin für das Bayerische Oberland

Flussfestival Wolfratshausen

Ein Meister der Mimik und Gestik

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 16.7.2013 – Andreas Giebel gehört mit Sicherheit zu den besten Kabarettisten Bayerns. Zumindest ist Andreas Giebel einer derjenigen, dessen Programm „Das Rauschen in den Bäumen“ man durchaus öfters sehen kann. Er ist ein Meister der Mimik und Gestik und bringt die Pointen so realitätsnah und trocken daher wie kein anderer. Giebel versteht es brillant die Unzulänglichkeiten und Macken der Menschen auf eine lustige, aber respektvolle Weise darzustellen.

Ein Tisch, ein Stuhl und Andreas Giebel, mehr war da nicht auf der schwimmenden Bühne am Flussfestival. Selten in dem zweistündigen Programm saß er an diesem Tisch, aber permanent kroch er darauf herum, stützte sich ab, hievte sich hoch oder lag wie ein nacktes Modell längs oben auf, um sich vom Maler Max im Stil des Pointillismus tüpfelnd auf der Leinwand abbilden zu lassen. Max ist einer der imaginären Protagonisten und da gab es noch eine ganze Menge mehr Rollen, in die Andreas Giebel schlüpfte und das Publikum begeisterte.

Seine Geschichten beschreiben das wahre Leben

Giebel will einen Roman schreiben. Den Stoff holt er sich aus dem Alltagsgeschehen seiner Nachbarschaft am Karl-Dingshammer-Platz. Er hat bereits einen Schreibtisch voller Mittelsätze. Was ihm fehlt ist der Anfang und das Ende der Geschichte und ein passender Titel dazu. Wie wäre es denn mit „Schattenblume der Sehnsucht“? Nein, so schwülstig ist der Giebel nicht, seine Geschichten beschreiben das wahre Leben, so grotesk es ist und so wunderlich die Menschen manchmal sind. Immer wieder trifft er sie: Dr. Müller zum Beispiel, der ganzheitlich untersucht und beim Abtasten „Organe findet, die vorher nicht da waren“. Giebel liebäugelt mit Lydia vom Blumenladen, einer „bunten Persönlichkeit mit roten Haaren“. Er lässt sich von Drogist Schönegger eine Lesebrille mit Etui aufschwatzen, weil ihm dieser von seinem verkorksten Leben vorjammert. Und am Stammtisch im  Weser-Eck trifft er immer auf Antonio Graziani mit seinen unergründlichen Weisheiten über die Frauenwelt.

Giebel redet unaufhörlich und ist in ständiger Bewegung. Man könnte sich die Ohren zuhalten, dann würde man die verschiedenen Themen immer noch verstehen. Er mimt die elitäre Kunstgesellschaft auf einer Vernissage. Er schreitet die Bühne ab, und teilt die Fläche in ein imaginäres Einkaufszentrum ein. Dann schiebt er seinen hypothetischen Einkaufswagen vorbei an unsichtbaren Regalen mit Hundefutter, Haushaltswaren und Gemüseständen und kommt dabei immer wieder an einer „netten Probier-Damen“ vorbei. „Möchte der Herr Kieler Sprotten kosten und ein Schlückchen Küstennebel nehmen?“, säuselt Giebel in heller Damenstimme. Mit dem weggestreckten Finger spült er das Zeug hinab und schiebt geistig vernebelt den Wagen zur Kasse. Giebels aktuelles Programm ist ein Einkaufsbummel bunter Gedanken aus denen sich am Ende doch noch ein Titel für sein Buch ergibt:„Das Rauschen in den Bäumen“ soll es einmal heißen.