Das Magazin für das Bayerische Oberland

Flussfestival Wolfratshausen

Wolfratshausen feierte auf kubanisch

Wolfratshausen, 6.7.2013 (red) – Da soll noch einmal einer sagen, das Wolfratshauser Publikum habe kein Temperament im Blut. Spätestens nach dem berühmten „Guantanamera“ haben die CubaBoarischen ihre Zuschauer singend und tanzend quasi mit an „Board“ genommen, auf eine grandiose Musikreise vom Oberland in die Karibik. Am Loisachufer an der alten Floßlände eröffnete Bürgermeister Helmut Forster am Freitagabend stolz das erste Flussfestival. „Das hier ist der schönste Ort in unserer Stadt, den werden wir künftig kulturell intensiver nutzen.“

Seit Wochen war das Eröffnungskonzert am Freitagabend mit den CubaBoarischen aus der Chiemgauer Gegend ausverkauft. Schon zwei Stunden vor Beginn saßen die ersten Publikumsgäste gemütlich an den Biertischen und Bänken direkt am Ufer und genossen das kulinarische Angebot.

Stimmungsvoller, rhythmischer und lebensfroher hätte das Flussfestival nicht starten können

Architektonisch hat das Tribünendach bereits den Beinamen „Die Opera von Wolfratshausen“ bekommen. Von dort aus ist der Blick auf Bühne und Bergwald in der Tat romantisch. Ruhig fließt die Loisach vorbei und kurioserweise, je stimmungsvoller der Abend, desto mehr Entenfamilien formierten sich um die schwimmende Flussbühne, als hätte das bayerische Federvieh südamerikanisches Blut in den Adern. Der Wettergott hatte ein Einsehen und ließ die schwarzen Wolken schnell weiterziehen. Alles in allem gesagt: stimmungsvoller, rhythmischer und lebensfroher hätte das Flussfestival nicht starten können.

„Heute ist kuscheln angesagt.“

Das Konzert der CubaBoarischen war ausverkauft, deshalb forderte Wiggerl Gollwitzer bei seiner Begrüßungsrede das Publikum auf, näher zu rücken, damit rund 400 Gäste Platz fanden. „Heute ist kuscheln angesagt.“ Zusammen mit Günter Wagner wird der Wolfratshauser Kulturreferent in den kommenden zwei Wochen durchs Festival-Programm führen.

Welle um Welle wurde der Abend heißer, karibischer

Was macht eigentlich den Musikstil der bayerischen Kubaner aus? Es ist das Selbstverständliche, wie sie übergangslos von der traditionellen Musik ihrer Heimat ins karibische Feeling wechseln, wie sie es beherrschen, die Stimmung anzufachen, immer rhythmischer, immer lebendiger zu werden und dabei jeder Tradition ihre Wertschätzung zu geben. Welle um Welle wurde der Abend heißer, karibischer. Sie wandelten die Polka zur Rumba, den Marsch zum Merengue.

Die Stimmung brodelte unterm Opera-Zeltdach

Hubert Meixner und seine Dorfmusikanten (Andreas und Leonhard Meixner, Michael Mayer, Hans Förg, Sepp Rottmayr, Markus Wallner) ahnten nicht, dass sie Land, Leute und vor allem deren Musik nie mehr loslassen würde, als sie 2000 das erste Mal nach Kuba reisten. Seither geht es jährlich einmal dort hin, seither verinnerlichen die sieben Bayern das lateinamerikanische Feeling und bauen den lebensbejahenden Rhythmus in die traditionelle Musik ihrer Heimat ein. Sie machen aus dem Cha Cha Cha einen Zwiefachen, aus der Polka wird eine Salsa und der Musiker in der Ledernen schwingt die Hüften wie ein echter Son-Tänzer. Begeistert war das Publikum vom „Rehragout auf Lateinamerikanisch“ und beim berühmten „Guantanamera“ hielt es niemanden mehr in den Besucherrängen. Bis zum Ende des Konzerts brodelte die Stimmung unterm Opera-Zeltdach und es wurde getanzt, geklatscht und gesungen. Da soll nochmal einer sagen, die Wolfratshausen könnten nicht feiern!