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Das Wolfratshauser Fluss-Festival sorgt weiter für Furore: Christian Springer alias "Fonsi" gab nun den Jedermann an der alten Floßlände - und entlarvte dabei so manchen Abgrund in den Oberflächen des Überflusses.

„Komische Zeiten, in denen wir leben“

Von Claudia Koestler
 
Wolfratshausen, 12.7.2013 - Man kennt sie, diese Typen, die reden ohne Punkt und Komma. Meist ist das ohne jeden Inhalt und einfach nur, weil sie sich selbst gern zuhören. Manchmal aber steckt auch was Wahres hinter dem, was Volkes Stimme an Stammtischen und hinter vorbehaltender Hand so raunt und redet. Und aus vielen solcher Körnchen Wahrheit schnitzte Christian Springer alias „Fonsi“ am vergangenen Donnerstag sein fulminantes Programm „Jetzt reicht´s - leider nicht für alle“.

Auch wenn das Programm auf den ersten Blick den Spaß bot, herzhaft über den Prototyp des Jedermanns zu lachen, der von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung hat: Darunter lauerte durchaus Tiefe. Zunächst sogar mit brandaktuellem Bezug: Denn Fonsi eröffnete seinen Abend auf der Loisach-Bühne auf Englisch. Seine Erklärung hinterher: „Da hören jahrelang die Amerikaner mit und man begrüßt sie nicht einmal, das wäre doch unhöflich!“

Doch schnell schäumte er förmlich über, ruderte, rannte und schnaubte er in bester Empörungsattitüde über die „komischen Zeiten“, in denen wir leben. Da flattern uns die Horrormeldungen nur so um die Ohren, „aber eine Pressekonferenz wird von der Kanzlerin nur zum Fall Hoeneß einberufen“. Brüderle hingegen stürzte, „aber leider nicht auf den Rösler“. Und dann wird auch noch ein „Armen-Papst“ gewählt: „Der ist imstande und verkauft den Vatikan und regiert stattdessen vom Campingplatz aus!“ Was machen überhaupt zwei Päpste, wenn sie sich treffen? „Sie spielen Dame“, gluckste Fonsi. Ihm wäre ja ein russischer Papst lieber gewesen: „Da hätt´s nicht immer so ein Gschiß mit dem Messwein, da gäb´s einen anständigen Wodka und die Ministrantinnen würden Rock bis zum Bauchnabel tragen“.

Aber ach, diese Zeiten: Für alles solle man sich interessieren und um alles müsse man sich kümmern: „Den Euro retten, in Arabien die Demokratie einführen und Griechenland helfen. Das Mutterland der Mathematik, aber rechnen können´s nicht“, wunderte er sich. Nur für uns selbst bleibe der Beistand aus, und sei´s nur der Moralische: „Nicht mal unser bayerischer Ex-Papst kommt noch zu Besuch“. Dabei wär´s doch so schön, wenn er vielleicht auf die Wiesn käme: „Sogar ein neues Fahrgeschäft wäre drin: Das Papamobil, gezogen von 800 Ministranten“. Und in einem Bierzelt würde sich das ehemalige Oberhaupt der Katholiken bestimmt wohlfühlen, „weil da doch erzkatholische Musik gespielt wird“, „Die Hände zum Himmel“ beispielsweise oder „Hölle, Hölle, Hölle“.

Sehnsucht nach der „guaden, oiden Zeit“

Doch nix ist´s mit solch fröhlichen Nachrichten. Stattdessen ist das Maß an Problemen, Baustellen und Sorgen voll, Politiker wechselten Meinungen und Positionen wie Hemden und das Volk resigniere: „Oder wollen sie uns regieren?“, fragte er ins Publikum. Nein, das wollte keiner. Und außerdem. „Wir sind doch selber schuld“. Denn wer von uns ist vor Jahren in eine Bank marschiert und hat konkret nachgefragt, was dort mit unserem Geld gemacht wird? Eben. So fatal ins Aus manövriert bleibe nur noch die Sehnsucht nach der „guaden, oiden Zeit“, als jedes Problem „von den Politikern einfach aufgefressen“ wurde. Das verstrahlte Milchpulver von Tschernobyl etwa, das habe der damalige Verbraucherminister demonstrativ gegessen: „Auch eine Form der Problemlösung, zumal man nachher nie wieder was von dem Politiker gehört hat“. Ilse Aigner habe das immerhin noch mal mit Eiern während des Dioxin-Skandals zu wiederholen versucht: „Seither wissen wir, Dioxin ist nicht schädlich, aber es trägt auf.“

Manches Lachen blieb auch im Halse stecken

Fonsis Ton aber änderte sich in der zweiten Hälfte: Da erzählte er ruhiger, aber auch galliger und bitterer von den Seil- und Machenschaften der Politik und von Kriegen, die wir irgendwo außerhalb des Jedermann´schen Sichtfelds führen. Auch wenn sich das Publikum teilweise bog vor Vergnügen, manches Lachen blieb auch im Halse stecken. Es sind nicht allein komische, es sind erschreckende Zeiten, in denen wir leben. So gelang Fonsi mit erstaunlichen Bögen am Ende eine scharfe, entlarvende Darstellung der Situationen aus der Mitte heraus.



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