Fotografien der kleinen Kostbarkeiten im Oberland
Von Andrea Weber
Fotograf Florian Werner und Autor Robert Hauke waren für zwei Jahre im Fünfseenland vom Starnberger See bis zum Ammersee auf der Pirsch nach Bildmotiven und Geschichten unterwegs. Ihre Bildbände „Magische Plätze und starke Typen“ sind keine Reiseführer für Fremde, sondern sind für die Menschen in der Region gemacht. Im Oktober erschien nun das dritte Buch „Fünfseenland“ auf dem Markt, und wie bei Band 1 „Alpenblick und Seenland“ und Band 2 „Werdenfels und Blaues Land“ zeigt sich wieder: auch für die Hiesigen gibt es in der Heimat noch Unbekanntes zu entdecken.
Mit ihrer Idee, an den üblichen Reiseführern vorbei, ein Buchprojekt für die Menschen der Region zu machen, stießen Werner und Hauke bei den Verlegern zunächst auf wenig Verständnis. Wer sollte sowas kaufen, wenn nicht die Touristen? – und die interessiert in der Regel nun mal mehr das Hofbräuhaus und Schloss Neuschwanstein.
Aber genau diese Motive sucht der Fotograf Florian Werner nicht. Ihn interessiert vielmehr wie das Oberland wirklich ist – ursprünglich und traditionsbewusst. Er will die Menschen fotografieren und ihre Geschichten wissen. „Menschen, die ihre Visionen haben und sie auch leben“ erklärt Werner – so wie er selbst.
„Wir haben doch das Paradies vor der Haustüre.“
Florian Werners Vision ist es, ein Fotograf für kleine Kostbarkeiten in Natur und Kultur zu sein. Der Künstler wuchs in Münsing auf und lebt heute in Uffing am Staffelsee. Er ist Landschaftsfotograf, viel herum gekommen, kennt die Schönheiten anderer Länder und weiß daher die eigenen zu schätzen: „Wir haben doch das Paradies vor der Haustüre.“ Seine Bilder zeigen die Ursprünglichkeit der Voralpenlandregion und sind wie ein Appell: „Seht, was es bei uns noch gibt.“ Ein Beispiel ist Geretsried: Wer, der in der größten Stadt des Landkreises lebt, denkt darüber nach, dass die Isardamm-Straße wie mit dem Lineal die Wildnis von der Zivilisation trennt. Werners Bilder haben Aussagekraft. So wirkt das intensive Rot des Ickinger Mohnfeldes ganz anders auf seinem Bild, als man es beim Vorbeifahren wahrnehmen kann und das Zwielicht vor dem Unwetter in Aufkirchen lässt einem das Donnergrollen schon hören.
Die Isar-Loisach-Region haben die beiden Autoren kurzerhand ins Fünfseenland-Buch integriert. „Das gehört für mich zusammen. Als Kind bin ich in der Pupplinger Aus spazieren gegangen und im Starnberger See geschwommen.“ So wie Werner seine Arbeit als Fotograf liebt, liebt ein anderer sein Handwerk: Michael Angermeier aus Ascholding ist einer der „starken Typen“ im Buch. Er ist der „wilde“ Isarflößer, weil er nicht wie die anderen im ruhigen Loisach-Kanal sein Floß zu Wasser lässt, sondern an der Isar bei Puppling.
Auch Werner und Hauke sind Individualisten – heute mehr noch als früher. Ihr neuestes Buch „Fünfseenland“ ist handgemacht. „Wir haben alles unter die eigene Regie genommen, von der Produktion bis zur Veröffentlichung, weil die Verlage heute so zahlen, dass wir Autoren im Ansatz nicht mehr auf unsere Kosten kommen, geschweige denn auf einen gerechtfertigten Verdienst.“ Sie haben sich den Buchdrucker Peter Wiesendanger dazu geholt und aus 60.000 Bildern die 230 schönsten ausgewählt – das „Fünfseenland“ auf 176 Seiten. „Auf das Buch sind wir richtig stolz“, betont Werner. „Fünfseenland“ ist in jedem Buchhandel zwischen Starnberger See und Ammersee erhältlich.
Fotografien mit freundlicher Genehmigung von Florian Werner.
Fünfseenland – Magische Plätze und starke Typen zwischen Starnberger See und Ammersee
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Edition Alpenblick (Oktober 2009)
ISBN-10: 3980915158
ISBN-13: 978-3980915151





