Geltinger Kulturtage PiPaPo - Pinsel, Pauke, Poesie im Hinterhalt
Witzige Cartoons und experimentelle Klänge
Von Peter Herrmann
Geretsried/Gelting, 23.11.2014 – Die Cartoon-Ausstellung mit Bildern von Tommy Weiss und Erik Liebermann in der Kulturbühne Hinterhalt wurde am Freitagabend von der Hollerhaus-Galeristin Lia Schneider-Stöckl. Nach der Vernissage brillierten Ralph Kiefer Sängerin Anaj und Visual-Artist Charles S. Kuzmanovic mit einem experimentellen Soul-Jazz-Konzert.
„Musen küssen unzuverlässig“
„Humor als Beruf darf man sich nicht als Spaß vorstellen. Das ist harte Arbeit“, betonte Lia Schneider-Stöckl in ihrer Laudatio. Die Galeristin des Ickinger Hollerhauses würdigte damit die im Nebenraum der Kulturbühne ausgestellten Zeichnungen von Erik Liebermann und Tommy Weiss. Zu sehen sind unter anderem komische Alltagssituationen mit Liebermanns wohl berühmtester Figur „ Anton Glubsch“ sowie die Meerschweinchen und der „Vogelwurm“ des Boogie-Pianisten und Zeichners Tommy Weiss. Schneider-Stöckl erinnerte vor rund 60 Besuchern zunächst noch einmal an den künstlerischen Werdegang von Liebermann, der 1965 in Ulm mit dem Studium von Industriedesign begann und bis heute rund 10.000 Cartoons gezeichnet hat. Zu seinen Auftraggebern zählten neben der Süddeutschen Zeitung und zahlreichen andere Publikationen auch renommierte Unternehmen wie Daimler, der Pharmakonzern Boehringer oder Bosch. Der künstlerische Durchbruch gelang ihm mit riesigen Sport-Cartoons für die Olympischen Spiele 1972 in München. Dass ihm seine Zeichnungen nicht immer leicht von der Hand gingen, räumte Liebermann am Freitagabend ein: „Musen küssen unzuverlässig. Und leider nicht immer nach dem Terminplan der Kunden“.
In satirischen Cartoon-Büchern veröffentlicht der Musiker Tommy Weiss seine Bilder und Illustrationen. So entstand unter dem Titel „Weissels Wilde Warenwelt“ eine bunte Revue mit verrückten Erfindungen im Stile schriller Werbeanzeigen. Dagegen wirkt seine Cartoonserie „VogelWurm“ eher minimalistisch, aber nicht minder ansprechend. In seiner künstlerischen Laufbahn entwickelte der Raistinger eine eigene Technik, in der er illustrative Zeichnungen sowie konstruierte CAD-Elemente in Fotomaterial einbettet. Bestes Beispiel sind die sogenannten „Meerigrafien“ – fotorealistischen Illustrationen von Meerschweinchen in absurd-witzigen Situationen. Beim Genuss der kulinarischen Köstlichkeiten der Geretsrieder Bäckerei SchmidBäck und Glühweins aus Grong-Tassen ließen die Besucher die Werke der beiden Künstler lange auf sich wirken, ehe um kurz vor 21 Uhr auf der Hauptbühne der nächste Höhepunkt des Abends wartete.
Gelungene Premiere von „Strange Fruits“
Der Name des neuen Projekts des Ickinger Pianisten Ralph Kiefer, der Sängerin Anaj und des Visual-Artisten Charles S. Kuzmanovic ist eine Verbeugung vor dem wohl berühmtesten Song der Soulsängerin Billie Holiday. Der Refrain „Strange Fruit“ gilt als Metapher für den an einem Baum hängenden Körper eines gelynchten Schwarzen, und wird damit bis heute als eindrucksvolles Plädoyer gegen Rassismus verstanden. Doch Anaj überzeugte nicht nur beim Singen dieses Holiday-Klassikers, sondern zeigte auch beim Otis-Redding-Evergreen „Sitting on the dock of a bay“ und Bertolt Brechts „Mackie Messer“ ihre stimmliche Bandbreite. Dazu passte Ralph Kiefers virtuoses Klavierspiel. Doch nicht nur akustisch bekam das Publikum an diesem Abend viel geboten: So wurden auf einer Leinwand Filme und Bilder projiziert, die mit eingespielten Loops des Visual-Artisten Charles S. Kuzmanovic kombiniert wurden. Zudem stieg Sängerin Anaj bei einem Song in eine mit Wasser gefüllte Zinkwanne, während Ralph Kiefer einem Waschbrett seltsame Töne entlockte. Am Ende des Konzerts appellierte Anaj an das Publikum, sich am Projekt „Strange Fruits“ in poetischer, malerischer oder musikalischer Form zu beteiligen. „Wir wollen Themen aufzugreifen, die bewegen, erschüttern, verzücken, anrühren, wütend und nachdenklich machen. Sie sollen Fragen aufwerfen und Antworten fordern“, so Anaj abschließend.














