Fern der verkitschten Weihnachtzeit – Gerd Anthoff
von Andrea Weber
Wolfratshausen, 21.12.2012 – Erst ganz zum Schluss seiner Lesung kam doch noch das Christkind ins Spiel, zuvor wollte Gerd Anthoff nicht einmal einen geschmückten Weihnachtsbaum neben sich auf der Bühne stehen haben, denn die Geschichten und Gedichte zur Adventszeit, die der bekannte Schauspieler vorlas, hatten eher wenig Besinnliches an sich. In „Damals an Weihnachten“ geht es vielmehr zu, wie im richtigen Leben – oft nachdenklich, gelegentlich traurig, manchmal einsam, oft auch skurril und amüsant. Es sind die Geschichten der berühmten Autoren wie Erich Kästner, Oskar Maria Graf, Bert Brecht und anderen, die so unverstellt das Leben beschreiben. Die gut besuchte Lesung von Gerd Anthoff in der Loisachhalle am Freitagabend wurde mit Variationen berühmter Weihnachtslieder vom achtköpfigen Ensemble „Da Blechhauf’n“ umrahmt.
Was war das doch für eine Erholung, einmal nicht diese verkitschte Weihnachtszeit über sich ergehen lassen zu müssen, diese schöngefärbte Gedankenwelt, die die Medien heutzutage in Dauerbeschallung unter die Bevölkerung bringt. Es waren Gedichte und Geschichten, wie das Leben sie schreibt, so wie sie die Autoren selbst erlebten, in einer entbehrungsreichen Nachkriegszeit, wo Werte zählten, wo die einfachen Dinge die Leute erfreuten, wo aber auch die menschlichen Unzulänglichkeiten von Neid, Hass und Gier ihren festen Platz einnehmen.
Weihnachtsgeschichten und verjazzte Weihnachtslieder
Gerd Anthoff las Weihnachtsgeschichten von Oskar Maria Graf aus seinem Buch „Die Weihnachtsgans“ vor. Es geht darin um Kindheitserinnerungen am Starnberger See. Graf beschreibt seine Gefühle während eines verpfuschten Theaterspielens und von den Bubenstreichen auf dem nächtlichen Weg zur altbayerischen Christmette. Anthoff, den man aus Serien wie „Den Bullen von Tölz“ kennt, konnte diesen Geschichten in bayerischer Mundart Leben einhauchen. Als würde man den kleinen Graf im dicken Janker und der langen Bundhose durch den Schnee laufen sehen, so versetzte sich Gerd Anthoff in die Erzählungen des Autors hinein. Das tat er genauso bei Erich Kästners Gedicht „Dezember“ und der Geschichte vom „Felix, der Senf holen ging“.
Zu jeder Geschichte, darunter auch der ominöse „Koffer“ von Peter Härtling spielte das Bläser-Ensemble „Da Blechhauf’n“ ein passendes Weihnachtslied dazu. Die acht jungen Bläser machten aus berühmte Liedern verjazzte Variationen zum Beispiel von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ oder „Still, still, still“. Es war eine kurzweilige Weihnachtslesung, die die Zuschauer zumindest an diesem Abend wieder einmal eintauchen ließ in eine ganz andere Weihnachtswelt, fern dem verkitschten Glanz und Glimmer von heute.
Fotos: Andrea Weber, Fenny Rosemann

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