Kulturbühne Hinterhalt, Geretsried-Gelting
Wenn der Blues durch den Hinterhalt stampft
Von Andrea Weber
Gelting, 21.12.2024 – Mit neuem Album „Almost there“ kamen Peter Schneider (Gitarrist der Stimulators) und „Sir“ Oliver Mally (Leadsänger und Gitarrist) kürzlich in die Kulturbühne Hinterhalt. Zwei Blues-Profis, die diese Musik mit großer Leidenschaft präsentieren können. Eines war klar: Das wird ein Hochgenuss. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Publikum, allesamt Blues-Fans, war am Ende außer Rand und Band.
Mit je einer Gitarre nahmen die beiden Spitzenmusiker ganz unprätentiös auf zwei Stühlen Platz. Schneider hatte seinen Stetson tief ins Gesicht gezogen. Mally ein Halstuch umgebunden, so wie die Cowboys aus den Westernstreifen. Das Licht ging aus. Es brauchte nur den ersten Ton und der unverkennbare Blues-Rhythmus fuhr dem Publikum tief in die Bauchgrube und setzte sich dort über zwei Stunden bis zum Ende des Konzerts fest. Dieser stampfende 12er Takt, den die farbigen Sklaven in den Südstaaten einst bei der harten Arbeit auf den Baumwollplantagen erfanden. Schneider und Mally nennen ihre Version „21st Century Blues“. Jeder einzelne Ton ein Sinnesreiz. Das Titelstück „Almost there“ vom neuen Album hat es bereits auf die Blues-Playlisten internationaler Radios geschafft. „Everybody knows“, angelehnt an die Musik von Tom Waits, „könnte ein Renner werden“, hoffen sie. Es ist so ein morbid-schöner Song, der „schreckliche Geschichten erzählt“, erklärte Mally dem Publikum augenzwinkernd.
Jeder einzelne Ton geht ins Gefühl
In seinen englischsprachigen Liedern legt der Österreicher freche Ironie. Es sind Geschichten aus dem hier und jetzt. Mally hat eine wunderbare Bluesstimme. Mally liebt diesen Rhythmus. Mally lebt ihn. Man hört die Freude mit seinen „Yeahs“ „Jeps“, die ihm immer wieder entkommen. Das steckt an. Da haben sich zwei Freunde gefunden. Peter Schneider streichelt seine Akustik- und Steelgitarren mit viel Leidenschaft. Jeder einzelne Ton geht ins Gefühl. Während Mally den Blues-Rhythmus fest im Griff hat, damit der Klang-Train nicht zu schnell vorwärts stampft, legt Schneider seine subtilen Improvisationen darüber, wie eine musikalische Landschaft, die vorbeizieht. Schneider spielt seine Gitarre in der Liga von Carlos Santana und David Gilmour. Es gibt Konzerte, die nicht enden sollen. Das war wieder so eines.
Fotos: Andrea Weber







