Das Magazin für das Bayerische Oberland

Loisachhalle Wolfratshausen

Spritzig-witziger Abend mit Hannes Ringlstetter

Von Thekla Kraußeneck

Wolfratshausen, 26.11.2014 - Hannes Ringlstetter nimmt kein Blatt vor den Mund. Dafür lieben ihn die Leute: Fast bis auf den letzten Platz besetzt ist die Loisachhalle, als der Münchner Kabarettist, Musiker, Schauspieler und Autor am Freitagabend die Bühne betritt. Schon sein Einstiegssatz lässt schallendes Gelächter durch den Saal laufen: „Eine ganze Woche freu ich mich scho auf euch. Ganz ehrlich … wir waren in Österreich …“ Eine Kunstpause für ein Seufzen, dann: „Grüßt euch. Hier ist alles wieder normal.“

Mit Ringlstetter ist es der Stadt Wolfratshausen erneut gelungen, ihren Besuchern Unterhaltung auf höchstem Niveau zu bieten. Die Programme des Bayern sind ebenso komplex wie kurzweilig, und so gibt es am Freitag nicht einmal den Anflug eines Durchhängers, liefert Ringlstetter nicht einen einzigen Grund, auf die Uhr zu schauen. Die Bühne integriert er gekonnt ins Programm: „Zum Ringlstetter“ steht auf einer mittig aufgestellten Leinwand geschrieben, hinter der ein schwerer, Falten werfender Vorhang in noblem Königsblau leuchtet. Links davon: drei Gitarren; rechts: eine elfenbeinweiß schimmernde Büste Ringlstetters vor einer Kerze. Natürlich befänden sie sich hier nicht wirklich in einem Hotel, frotzelt Ringlstetter fröhlich-frech, das sei alles nur wegen der Steuer. Er habe die Bühne beim Finanzamt als Hotel angegeben und müsse damit nur sieben Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Da auf die Tickets jedoch 19 Prozent erhoben würden, blieben zwölf Prozent „für Papa“, sagt Ringlstetter und zeigt dabei auf sich. „Darf man aber niemandem erzählen!“ Das Publikum kriegt sich kaum ein vor Lachen.

Sternzeichen Zwilling, Aszendent Zwilling: „Wir sind also zu viert“

In den folgenden zwei Stunden lernen die Zuschauer Ringlstetters vier Persönlichkeiten kennen, die daraus resultierten, dass er Zwilling sei, sagt Ringlstetter, und zwar obendrein mit dem Aszendenten Zwilling, „wir sind also zu viert“. Persönlichkeit Nummer eins sei ein niederbayerischer Landwirt - prompt beginnt Ringlstetter im tiefsten Niederbairisch gewollt-unverständlich vor sich hinzugrummeln. Persönlichkeit Nummer zwei sei, „geschuldet der Tante Ruth, bei der ich früher oft sein musste“, ein paranoider, spießiger, fränkischer Lehrer. Persönlichkeit Nummer drei: der Redner, und Nummer vier: der Kabarettist als kritischer Beobachter.

Songs mit pointiert-witzigen Texten

Die vier Persönlichkeiten flechten sich fortan durch Ringlstetters Anekdoten und Lieder. Im geschickten Wechsel tauscht der Landwirt mit dem sparsamen Franken, der so geizig ist, dass er bei einem Ausflug nach Frankreich auf ein Navigationsgerät im Wohnmobil verzichtet – und damit die anderen drei ins Chaos stürzt. Ringlstetter: „Das passiert, wenn wir vier in den Urlaub fahren.“In sein kabarettistisches Programm streut der Liedermacher Ringlstetter die passenden Songs mit pointiert-witzigen Texten: „Ich freu mir jeden Tag ein zweites Loch in den Ar…, ich hab Solar, ich hab Solar“, singt er über seinen Nachbarn, den Landwirt Sepp Reisinger, der sich auf seine Felder Solarmodule stellt („Auch eine Form der Landwirtschaft!“).

Ringlstetters Berufswunsch

Lachtränen sind dem Publikum garantiert, als Ringlstetter davon erzählt, wie er als Kind über seine spätere Berufswahl nachdachte. Bauer sei ihm recht attraktiv erschienen, denn der Reisinger hätte schon am Mittag drei Leberkassemmeln und ein paar Bier gehabt. Doch da er schon als Kind festgestellt hatte, dass er „ein Gscheidhaferl“ war, entschied er sich dann doch für den Beruf des Lehrers. „Vormittags hast recht, nachmittags hast frei“, sinniert Ringlstetter. Aber auch daraus sei nichts geworden: „Sozialer Brennpunkt Lehrerzimmer“, nennt er den Grund, „da bekommst du Dinge zu sehen, die du morgens um acht noch net sehen willst.“

Zu kaufen gibt es CDs – und Hotel-Shampoo

Gegen halb elf in der Nacht endete die Veranstaltung. Viele nutzten die Gelegenheit, vorher noch ein paar Weihnachtsgeschenke zu kaufen – Anregungen dazu gab es am CD-Stand vor dem Saal mehr als genug. Darunter war auch ein klassisches Hotel-Shampoo zu kaufen, bedruckt mit vier Sternen und dem Schriftzug: „Zum Ringlstetter“.