Das Magazin für das Bayerische Oberland

Nachhilfe in „Zeugisch“ und beim Bau sinnvoller Eselsbrücken

von Sabrina Postellesch

Wolfratshausen, 2.2.2013 - Wenn Han's Klaffl, selbsternannter Staatskabarettist auf Lebenszeit, unter dem Titel „Restlaufzeit – Unterrichten bis der Denkmalschutz kommt“ zum Infoabend fürs Lukas-Podolski-Gymnasium (LPG) in die Loisachhalle lädt, dann ist diese bis auf den letzten Platz besetzt von Lehrern, Eltern und Schülern verschiedener Jahrgangsstufen. Und sie werden nicht enttäuscht, alle kriegen ihr Fett ab, wenn Hans Klaffl sein Publikum in seiner Satire durch den Schulalltag am LPG peitscht.

Freilich tat er dies didaktisch geschickt und pädagogisch höchst wertvoll, als er zu Beginn die bekannten Protagonisten, die ja alle mehr oder weniger kurz vor der Begnadigung stehen, noch einmal vorstellte: Sedlmaier, den Spezialisten für „Schwellendidaktik“, den Sallustmolch Gregorius, der Cicero (bitte KiKero sprechen!) noch persönlich kannte, Gmeinwieser, intellektuell stark am Namensgeber der Schule orientiert, sowie den Kollegen Gütlich, der an zweistimmigem Tinnitus, emotionaler Inkontinenz und seinem „neuen Hobby Bandscheibenvorfall“ leidet. Klaffl gelang dies gänzlich ohne Power-Point-Präsentation, die ja nur die Fortsetzung des Frontalunterrichts mit verschärften Mitteln sei, was ihn aber nicht davon abhielt, ebendieser Power-Point-Präsentation („Wirkt in den Händen eines Fanatikers wie LSD – wenn’s funktioniert…“) einen eigenen Song zu widmen: „Am besten mach‘ ich über meine Pension eine kleine Power-Point-Präsentation!“

Personalausflug und Wandertag enden beide, meist nach mehrwöchiger Diskussion, im Andechser Biergarten

Bestens verstand es Klaffl – von Beruf Musiklehrer und ein alter Hase was das Schulleben angeht –, das „grundierte Fundwissen“ musikalisch aufzulockern, das Publikum kollektiv zum Mitsingen zu animieren und einen Zuhörer in der ersten Reihe („Wer setzt sich im Kabarett freiwillig nach vorn?“) zum rhythmischen Mitklingeln zu verdonnern. Angespornt durch solcherlei Interaktivität blieb das Gelernte bei den Zuhörern natürlich viel besser hängen, so dass schließlich doch alle die regelmäßigen kulturellen Veranstaltungen am LPG in alphabetischer Reihenfolge abspulen konnten: Bücherausgabe – Bundesjugendspiele – Feueralarm – Personalausflug und Wandertag. Letztere enden beide, meist nach mehrwöchiger Diskussion, im Andechser Biergarten, wo sich die Kollegen wie jedes Jahr, in derselben Sitzordnung wie im Lehrerzimmer mit denselben Gesprächspartnern über dieselben Themen, mal so richtig austauschen können: über die totale intellektuelle Insolvenz einer ganzen Klasse oder über Einzelne, bei denen der IQ mit der Schuhgröße übereinstimme, sowie über die intellektuellen Messies, bei denen zwar (prinzipiell im Gehirn) alles da sei, aber wo? Wie zum Beispiel bei dem Schüler, der letztens wegen Stromausfalls eine Stunde auf der Rolltreppe festhing…

Exquisite Nachhilfestunde in „Zeugisch“

Da wünscht sich manch ein Lehrer, dass das Betreuungsgeld bis zum Abitur gezahlt werde, ja, Klaffl selbst fallen Schüler ein, denen er aus eigener Tasche gern die 150 Euro zahlen würde, blieben sie nur daheim… Da mögen so manche Eltern kurz geschluckt haben, sie wurden jedoch gleich entschädigt, weil ihnen endlich der Unterschied zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrern (die einen laminieren, die anderen lamentieren) klar wurde und sie eine exquisite Nachhilfestunde in „Zeugisch“ bekamen: Sei zum Beispiel im Zeugnis von „außerunterrichtlichen Interessen“ die Rede, bedeute dies, der Schüler sei faul, stünde im Zeugnis eines Oberstufenschülers, er zeige „altersgemäßes Betragen“, heiße dies schlicht, dass er gar nicht anwesend war…

Überall präsent, vor allem in den Pausen, war der neue Hausmeister Grantiger, ein Ex-Panzerfahrer bei der Bundeswehr, für den stets „Alles machbar, Herr Nachbar!“ ist. Er grantelte über die Schüler und ihre mit Ketchup an die Fenster gepappten Essensreste, findet aber doch, dass „die Lehrer die Schlimmsten sind, angesichts all der Spuren von Altersweisheit, die sie auf den Toiletten so hinterlassen…“.

Hans Klaffl, der absolute Meister aller Eselsbrücken

Spuren wird dieser vergnüglich-geistreiche Abend zweifelsohne bei allen Anwesenden hinterlassen haben. Falls nicht, bietet sich noch der Bau einer Eselsbrücke an, für die Hans Klaffl, der „absolute Meister aller Eselsbrücken“, noch ein besonders plastisches Beispiel parat hat, bei dem man nicht nur weiß, dass man was weiß, sondern auch, warum man es sich auf ewig merken wird: „Ist das Mädchen brav, bleibt der Bauch konkav, hat es aber Sex, wird er bald konvex.“