Das Magazin für das Bayerische Oberland

Theater auf der Hausterrasse

von Andrea Weber

Irschenhausen – Vor vier Jahren kam bei Barbara Reimold der Wunsch auf, in ihrem herrschaftlichen Anwesen in Irschenhausen, mit dem wilden Blumengarten und den knorrigen alten Obstbäumen, ein Schauspiel im Freien zu initiieren. „Weil ich das Theater liebe“, sagt sie. Reimold lernte Intendant Emmanuel Bohn vom Kammertheater München kennen und die beiden erarbeiteten ein Konzept.

Mit nur einer Vorstellung von „Warten auf Godot“ ging es 2008 an den Start. Inzwischen hat Reimold den Verein „Gesellschaft unterm Apfelbaum“ gegründet und bekommt Unterstützung von der Gemeinde Icking und der Kreissparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen für ihr jährliches Freilufttheater. Das hat sich längst zu einem Kulturereignis mit zwölf Veranstaltungen unter dem Titel „Theatersommer Isartal“ etabliert. Mit der Premiere von Hendrik Ibsens „Baumeister Solneß“ startete am Donnerstagabend die diesjährige Saison.

Heimelige Theater-Atmosphäre – wie zu Besuch bei Freunden

Es ist ein Theater ohne Vorhang, wo die Sitzreihen auf der Wiese stehen und die Bühnenszenen auf einer Hausterrasse spielen. Schöner hätte dieser Abend nicht sein können, mit einer heimeligen Atmosphäre wie zu Besuch bei Freunden, wo man durch die Gartentür ums Haus herum geht und in einen wildromantischen Garten blickt, in dem Schafe grasen, Gänse schnattern und Katzen streunen – die übrigens später ungeniert auf der Bühne im Rampenlicht posten. Endlich war der laue Sommerabend da.

Feine Küche und gepflegter Wein an liebevoll gedeckten Gartenplätzen

Man genoss vor Spielbeginn feinen Lachs oder Mors Kjoettkoeker, die norwegischen Fleischbällchen, die Rafael Radhuber am heimischen Herd der Gastgeberin vorbereitet hatte. Es war ein kulinarischer Bezug auf des Autors skandinavische Heimat. Man plauderte an liebevoll gedeckten Gartenplätzen, ehe man hinüber ging zu den Stuhlreihen vor der Terrassenbühne und erst dann bemerkte, dass sich eine einstündige Verspätung aus technischen Problemen ergeben hatte.

Drama – frisch und natürlich inszeniert

Ein Handlungsort und fünf Charaktere reichten Henrik Ibsen, um in seinem Bühnenstück „Baumeister Solneß“ die Konflikte und sozialen Beziehungen der bürgerlichen Gesellschaft, verpackt in eine alltägliche Bürosituation, aufzuzeigen. Das Münchner Ensemble von Emmanuel Bohn spielte dieses ernste Drama frisch und natürlich, verpackte die Aussagen, die tiefgründig zwischen den Zeilen stehen, klar und unmissverständlich in Ausdruck, Gestik und Dialektik, dass trotz wenig Handlungsbrimborium sich zu keiner Zeit Langatmigkeit einschlich. Es war ein Theaterspiel, wie die Selbstverständlichkeit des Lebens – vielleicht oder gerade deshalb, weil es auf einer echten Haus-Terrasse spielte.

Die Handlung in Kürze

Baumeister Solneß (Ulf Lehner) ist in die Jahre gekommen und hat Angst vor der Jugend, weil er sich einbildet, sie will, dass er abtritt. Für die Karriere und den Erfolg reißt er Altes ein und baut Neues auf. Er unterdrückt seine Mitmenschen: den talentierten aber unsicheren Mitarbeiter Ragnar (Mark Hinkel), dessen heuchelnde Verlobte Kaja (Yasmin Ott), die um die Liebe des Baumeisters buhlt, sein Berater, dessen Meinung er ignoriert, Dr. Herdal (Frank Barber) und die junge Verführerin Hilda (Sarah Mathier), die plötzlich aus der Vergangenheit auftaucht. Ihr hatte er einst ein Luftschloss versprochen, das sie nun einfordern will. Schließlich ist die junge Frau diejenige, die ihn ins Verderben treibt.

Mehr zum Programm „Theatersommer Isartal“: www.theatersommer-isartal.org

Fotos: Fenny Rosemann


Bilderserie

„Baumeister Solneß" von Henrik Ibsen, Aufführung am 26.7.2012 beim Theatersommer im Isartal