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„Zam zwicken und locker lassen.“

von Andrea Weber

Dietramszell, 9.4.2013 – Um das nagelneue Programm auf Publikumstauglichkeit zu testen, kamen Herbert und Schnipsi am Freitagabend nach Dietramszell ins Gasthaus Peiss, weil ihrer Meinung nach „am Land d’Leit noch robust und widerstandsfähig sind“. Und wie die Vorpremiere des noch namenlosen Programms zeigte, schöpfen Herbert und Schnipsi wieder aus der Komik-Kiste ihres typischen Ehealltags, weil sie wissen, dass jeder über das am schönsten lachen kann, was er selbst am besten kennt. 

Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist der beste Beweis dafür, dass das Leben an sich schon Komödie genug ist. Die große Kunst von Herbert (Hanns Meilhammer) und Schnipsi (Claudia Schwenger) ist es, diese Alltagsironie so unverstellt zum Bühnenstück zu machen. Nebenbei sind sie schrille Verwandlungskünstler. Schnipsi wechselte das Outfit  so schnell wie die Pointen. Sie erschien im schwarzen Abendkleid mit höhenverstellbarem Rock. „Damit das Bein optisch länger wird“, erklärt sie Herbert und der kontert valentinsreif: „Nur eines?“ Freilich gibt Schnipsi zu, dass sie „in dem Sinn keine Modelfigur habe“. Dazu nickt der Gatte. Ist es ihr nicht recht, und macht er Komplimente, dann weiß sie, dass er lügt.

Schnipsi wechselte ihr Outfit so rasch wie die Pointen

Die beiden – die auch im richtigen Leben seit über 25 Jahre verheiratet sind und von sich behaupten, dass „sie sich immer noch gern haben“ – bringen die typischen Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mann und Frau mit vollem Körpereinsatz auf den Punkt. So etwa macht Schnipsi vor, wie Beckenbodentraining gegen das „Nachtröpfeln“ hilft. „Zam zwicken, locker lassen, zam zwicken …“ und Herbert regt sich über die Bewegungsmelder in fensterlosen Kellerklos auf, die seiner Erfahrung nach immer zu früh das Licht abschalten, und er dann im Stockfinsteren nach der Toilettenrolle tasten muss. Dazwischen gab es viel Musik. Auch wenn Schnipsi nicht zu den begnadeten Musikerinnen zählt, bläst sie ungeniert und pausbackig in die Trompete oder begleitet Herbert auf der Mandoline. „Der hat mir nur zwei Seiten gespannt, damit ich nicht daneben greife.“

Und schließlich kam beim Lied vom „ewigen Kreislauf des Grases“ auch das Publikum zum Einsatz. „Stellt Euch jetzt vor Ihr seid Kühe“ – und schon schallte ein langes „Muuhh“ durch den Saal. Mit nur zwei Kostproben von Herberts 400 Nasenbärliedern als Zugabe ging dieser wunderbare Komödienabend zu Ende. Dann war die Zeit gekommen um mal kräftig durchzuschnäuzen, nach den vielen gelachten Tränen.


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