
von Claudia Mohrherr
Icking-Dorfen, 01. Oktober 2010 – Kabarett mit scharfer Zunge. Dieter Hildebrandt, Garant für ein ausverkauftes Haus, war zu Gast im Dorfener Vereinsheim. Mit seinem neusten Soloprogramm „Ich kann doch auch nichts dafür“ knüpft der 83-Jährige an seine Erfolge unter anderem in der Lach- und Schießgesellschaft an.
In über 50 Jahren politischem Kabarett läßt er sein Publikum an seinen Beobachtungen der politischen und kirchlichen Elite in unserem Lande teilhaben. Auch wenn die Buchstaben mit dem Alter immer kleiner werden, da liest man schon mal „Waschlappen“ anstatt „Wahlschlappen“ oder „Brennesselsteuer“ statt „Brennelementesteuer“, entgeht ihm nie der Blick für das Wesentliche.
„Wenn ein Mann zu einer Frau sagt, wenn Du schöner wärst, dann würde ich Dich heiraten“ ist dies laut Hildebrandt die Definition für eine „privilegierte Partnerschaft“. Eine unschätzbare Kenntnis Merkelscher Gedankengänge, die Außenminister Westerwelle bei seinem Türkei Besuch gut hätte gebrauchen können.
Das Publikum ist begeistert von dem anspruchsvollen Monolog des brillanten Satirikers. Politische Schärfe verbindet Hildebrandt mit hilfreichen Hinweisen für die Neulinge auf dem politischen Parkett. So hätte Rössler, bei seinem Besuch im bayerischen Bierzelt wissen müssen, „in Bayern geht es in einem Bierzelt um die Wurst, da darf man kein Würstchen sein“.
Mit seinen scharfzüngigen Kommentaren zielt er wie so oft in die rechte Ecke der politischen Arena. Der Vergleich des bayerischen Parlamentes mit einem Lotteriespiel „Schauen sie sich das bayerische Parlament an: Sehen Sie dort mehr als 3 Richtige?“ gehört noch zum harmloseren Wortwitz, den Hildebrandt zum Besten gibt.
Mit ungebremstem Tempo rast er mit uns – dem Publikum – durch die Zeitgeschichte. Von „resozialisierten Bänkern“ spricht er, die laut Schawan als „Quereinsteiger für das Lehramt geeignet seien“. Oder den Sorgen des FC Bayern, dessen niederländischer Torgarant Robben „ausgeliehen wurde und nun demoliert zurückgegeben worden ist“. Unterbrochen wird die rasante Fahrt nur vom Beifall des Publikums. Fast schon ein lausbübisches Gesicht macht der Wachrüttler Hildebrandt, als er über seinen früheren Arbeitgeber spricht: „Die ARD macht sich in jede Hose, die man ihr hinhält. Und die Privaten senden das, was drin ist.“
Nach fast drei Stunden, mit Pause, hält es Hildebrandt nicht mehr auf seinem Stuhl und er reißt seine Beine im „ukermärkischen Furchengang“ in die Höhe. Referiert noch etwas über das Alter und denkt über die Vorteile des Lachyoga nach.
Über Google Street View macht er sich im übrigen keine Sorgen „wenn ich mein Haus schwärzen lasse, sagen sie alle da ist was drin und dann kommen die Diebe, wenn ich es lasse, dann kommen die Fans“. Seinen Fans hat Hildebrandt am Freitagabend im Dorfener Vereinsheim einen anspruchsvollen und kurzweiligen Abend beschert – und dafür kann er wohl was.
(Foto: Christoph Vohler)

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