Interview mit Dokumentarfilmer Walter Steffen über sein neues Kino-Projekt „Happy Welcome“
"Ich wünsche mir ein gastfreundliches Land"
Von Andrea Weber
Seeshaupt, 1.6.2015 – Der bekannte Dokumentarfilmer Walter Steffen stellt den Mensch in den Mittelpunkt seiner Filme. Im seinem neuen Kinofilm-Projekt „Happy Welcome“ sind es die Asylbewerber, die nach der Flucht aus ihrer Heimat, in einem fremden Land wieder Fuß fassen müssen. Steffen ist auf die Initiative der „Clowns ohne Grenzen“ aufmerksam geworden, die auf ihrer Deutschlandtour acht Erstaufnahmeeinrichtungen besuchen, um dort vor Flüchtlingen ihr pantomimisches Bühnenstück zu spielen und damit den Menschen auf ihre Art zu sagen "Ihr seid willkommen!". Walter Steffen und sein Team begleiten die Tour mit der Kamera. Wir haben mit Walter Steffen über sein neues Filmprojekt gesprochen, das, wenn alles klappt, ab 19. November 2015 bundesweit in den Kinos laufen wird.
Die Situation der Asylbewerber in Deutschland ist schwierig und die steigende Zahl an Flüchtlingen führt gegenwärtig zu zunehmenden Spannungen in unserer Gesellschaft. Wie beurteilen Sie die Lage?
Ich glaube, dass wir vor einer großen Entwicklung stehen. Wir haben die Situation der weltweit größten Völkerwanderung der Geschichte der Menschheit. 50 Millionen Menschen sind auf der Flucht und es werden noch viel, viel mehr, wenn sich die wirtschaftliche Situation in den Drittländern nicht bald verbessert. Was wir gerade erleben, ist meiner Meinung nach erst der Beginn.
Sie haben von der Initiative der „Clowns ohne Grenzen“ gehört. Was tun diese Bühnenkünstler konkret?
Sie gehen in die Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber, um mit ihrem pantomimischen Theaterstück ein stückweit die Grenzen zu öffnen. Es ist ein Bühnenstück für Kinder, indem sie exemplarische Situationen nachstellen, was Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland erleben, wie sie denken und fühlen, zum Beispiel: Angst vor der Fremde, Suche nach Vertrauen, Vorsicht und Zurückhaltung, es geht aber auch um Hunger und Not. Musik spielt in dem Stück ebenfalls eine wichtige Rolle. Was diese großartigen Künstler tun, finde ich ganz wunderbar.
Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, dass wir ehrlich sagen können „Welcome to Germany“?
Grundsätzliche Veränderung im Denken. Ich reise viel. Meine Erfahrungen in Ländern wie beispielsweise Indien, die nicht im Wohlstand leben wie wir, zeigen mir immer wieder, wie Menschlichkeit funktioniert. Du wirst als Fremder erkannt. Die Leute sind neugierig und wollen dich kennenlernen. Sie bitten dich in ihr Haus und bieten dir eine Tasse Tee an. Ich finde, bei uns dagegen sind die Türen verschlossen. Ich wünsche mir, dass wir ein gastfreundschaftliches Land werden. Zum Glück gibt es viele gute Initiativen in unseren Städten und Gemeinden. Das soll der neue Film aufzeigen und andere inspirieren.
Verraten Sie uns, was wir in dem Film zu sehen bekommen?
Wir haben die „Clowns ohne Grenzen“ mit der Kamera begleitet. Wir bekommen Einblick in die Asylbewerber-Einrichtungen und in den Alltag. Wir lassen die Menschen im Film erzählen und binden immer wieder Ausschnitte aus dem Theaterstück mit ein. Der Film ist berührend, bewegend und zugleich auch heiter und fröhlich.
Wie finanziert sich das Filmprojekt?
Wir versuchen private Sponsoren über die Internetseite zu finden. Dort gibt es die Möglichkeit per Crowdfunding Geld zu spenden oder einfach per Einzahlung auf unserem Produktionskonto. Wer das Projekt unterstützt bekommt natürlich schöne Prämien, zum Beispiel eine DVD oder signierte Filmplakate. Es geht ja vor allem darum, dass man ein Projekt unterstützt, dass öffentlich zeigt, was Gutes in Deutschland geschieht.
Bisher haben Sie die Filmproduktion aus eigener Tasche bezahlt. Es ist Ihr Beitrag, um den Weg zu einer neuen Willkommenskultur zu ebnen. Warum tun Sie das?
Es ist mein größter Wunsch, dass wir begreifen, dass die Menschheit nur profitieren kann, wenn Kulturen miteinander leben.
Möchten Sie „Happy Welcome“ unterstützen? Hier finden Sie weitere Informationen: www.happywelcome.de/unterstuetzen/
Walter Steffen ist ein bekannter Dokumentarfilmer aus Seeshaupt am Starnberger See. Die Geschichten seiner Filme spielen nah am Menschen. Tradition, Brauchtum, Geschichte und Kultur stellt er in den Mittelpunkt. Seine Low-Budget-Produktion „Bavaria Vista Club“, indem es um die Tradition und Moderne der bayerischen Musiker geht, wurde im vergangenen Jahr bayerweit erfolgreich in den Kinos gezeigt.
Die CLOWNS OHNE GRENZEN gehen, ähnlich wie die „Ärzte Ohne Grenzen“, in die Krisengebiete der Welt, um dort den Menschen zu helfen – ihre Medizin sind Humor, Mitmenschlichkeit, Lebensfreude, Liebe. Damit zeigen sie den Kindern aber auch den Erwachsenen oft ein Licht am Ende des Tunnels und bringen Heilung für die Seele.In den vergangenen Jahren kommen die Krisengebiete der Welt zunehmend zu uns, durch die Menschen, die millionenfach aus ihren Heimatländern flüchten müssen. Zu diesen Menschen machen sich “Duda”, “Kuki”, “Mädmoisel” und “Waschli” auf den Weg. Als Clowns überwinden sie die unsichtbaren Grenzen, indem sie den Menschen mit ihrer Show ihr Mitgefühl zeigen und ihnen Lachen und lebensbejahende, von Herzen kommende Freude bringen.
www.clownsohnegrenzen.org
Fotos: Manfred Lehner









