Verein "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald"
Überregionale Unterstützung für künftige Gedenkstätte
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen/Waldram, 2.7.2014 – Rund 60 von insgesamt 262 Mitgliedern trafen sich Dienstagabend im Gasthaus zur Post zur zweiten Jahreshauptversammlung des 2012 gegründeten Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“. Die Vorsitzenden Dr. Sybille Krafft und Wolfgang Saal blickten auf arbeitsintensive Monate zurück, ließen aber auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Kindheits-Anekdoten von Martin Walter und Boris Gerczikow erinnerten an das Leben im einstigen DP-Lager Föhrenwald
Unermüdliches Engagement für Gedenkstätte
„Ich kenne keinen Verein, in dem es so viel Arbeit gibt“, gestand Wolfgang Saal. Der stellvertretende Vorsitzende des Badehaus-Vereins muss es wissen, engagiert er sich doch auch noch in zahlreichen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Diskussionen über ein Konzept für die künftige Nutzung des Badehauses am Waldram könnten so schon einmal bis Mitternacht dauern. Und dennoch steigt die Mitgliederzahl des 2012 gegründeten Badehaus-Vereins stetig. Derzeit liegt sie bei 262 – mehr als ein Drittel von ihnen kommt nicht aus Wolfratshausen oder Waldram. Zudem ist vor kurzem mit der Stadt Penzberg eine Kommune aus dem Landkreis Weilheim-Schongau beigetreten. „Das ist ein Zeichen für interkommunale Solidarität und überregionales Interesse.
Ende des Jahres wollen wir 300 Mitglieder sein“, wünscht sich Vorsitzende Sybille Krafft. Mit zahlreichen Informationsveranstaltungen wie zum Beispiel einer Besichtigung am Tag des offenen Denkmals oder Zeitzeugengesprächen an Schulen klärt der Badehaus-Verein seit zwei Jahren über die Geschichte des Wolfratshauser Stadtteils Waldram auf. „Wir werden in Zukunft noch offensiver auf Schulen zugehen“, verspricht Krafft. Zudem sorgte die Wanderausstellung „Wir Kinder vom Lager Föhrenwald“, die im Februar und März im Stadtmuseum München zu sehen war, für positive Resonanz. Die Fotografien und Dokumente vermittelt ein authentisches Bild vom Leben im einstmals größten DP-Lager Deutschlands.
Größtes DP-Lager in Deutschland
Rund 10.000 Überlebende des Holocaust fanden nach dem Zweiten Weltkrieg für kurze oder längere Zeit in Föhrenwald – dem heutigen Waldram – eine neue Heimat. Der Ort gilt damit als größtes und am längsten bestehendes Lager für jüdische Flüchtlinge – sogenannte Displaced Persons (DPs) – in Deutschland. Als das Katholische Siedlungswerk 1956 die Häuser übernahm, wurde Föhrenwald in Waldram umbenannt. Das einst vom Abriss bedrohte ehemalige jüdische Badehaus am Kolpingplatz soll nun zu einem Erinnerungs- und Begegnungsort umgestaltet werden, der auch Platz für Projektarbeiten und Wechselausstellungen bietet. Der Verein will damit auch einen Beitrag zur internationalen Völkerverständigung leisten. Ein wichtiger Baustein in den Ausstellungen werden die sieben Zeichnungen des österreichischen Malers und Schauspielers Karl Maldek sein, die der Geretsrieder Kunstbunker-Inhaber im Juni dem Badehaus-Verein stiftete. Zudem überreichte Widmann dem Verein bei der Jahreshauptversammlung den „Kreuzweg“-Zyklus des 2004 verstorben Österreichers.
Bewegende Zeitzeugenberichte
In Zusammenarbeit mit dem Ickinger Regisseur Rüdiger Lorenz haben Schüler der Q11 des Gymnasiums Geretsried einen achtminütigen Dokumentarfilm mit Zeitzeugeninterviews gedreht. Die Besucher der Jahreshauptversammlung durften sich diesen Beitrag ansehen und zudem ein interessantes Gespräch mit den Zeitzeugen Boris Gerczikow und Martin Walter erleben. Beide verbrachten ihre Kindheit in Föhrenwald und wurden trotz verschiedener kultureller Wurzeln und Religionszugehörigkeiten Freunde. „Er ging halt in die Synagoge und ich in meinen Konfirmationsunterreicht. Religion war uns als Kindern aber nie wichtig. Da ging’s eher ums Flaschensammeln oder eine Idee, wie man kostenlos ins Kino kommt“, berichtete Walter.
Obwohl Gerczikow später mit seiner Familie nach Frankfurt umzog, pflegt er die Freundschaft mit Walter bis heute. Für derartige Geschichten interessiert sich auch die Studentin Simone Steuer, die im Rahmen der Jahreshauptversammlung über den Entstehungsprozess ihrer Bachelorarbeit berichtete. „Meine Großmutter war eine dieser Heimatvertriebenen. Jetzt suche ich noch weitere Interviewpartner“, erklärte Steuer.
Wer der Studentin helfen will oder Fotos aus den 1950er- und 1960er Jahren besitzt, kann sich an folgende Adresse wenden:
Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald e.V., Kolpingplatz 8, 82515 Wolfratshausen-Waldram
E-Mail: info@badehauswaldram.de
Tel.: 08171/2 57 25 02
Weitere Informationen: www.badehauswaldram.de










