Johannisfloß-Prozession in Wolfratshausen
Die Nacht der Lichter
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 20.5.2014 – Tradition und Brauchtum lebt – ganz besonders in Wolfratshausen, wenn alle drei Jahre bei Einbruch der Dämmerung die Loisach zu leuchten beginnt. Am Namenstag des Brückenheiligen und Schutzpatrons der Flößer, Johannes Nepomuk, feiert die Stadt die traditionelle Johannisfloßprozession auf der Loisach. Auch heuer waren wieder viele hunderte Besucher gekommen. Sie säumten die Johannisbrücke, den Uferweg und die Alte Floßlände und wollten miterleben wie die Flöße zu Saisonbeginn gesegnet werden. Mit einem Feuerwerk über dem Bergwald endete die Nacht der Lichterprozession.
Nachdem die donnernden Böllerschüsse der Schützen verstummt waren, näherten sich langsam treibend, zwei mit Fackeln beleuchtete Flöße und legten an der Alten Floßlände an, wo ein Altar aufgebaut war. Gleichzeitig marschierten die Traditionsvereine im Fackelzug auf das Gelände und beleuchteten das Arial. Dabei spielte die Stadtkapelle die traditionelle Nepomukmusik.
„So bewahren wir bei unseren Kindern Tradition und Brauchtum.“
Auf dem ersten Floß mutete ehrwürdig im Schein eines Lichtkegels die Statue des Schutzpatrons Johannes Nepomuk an, umgeben von den Angehörigen der Flößerfamilien. Das zweite Floß beförderte die Ehrengäste, darunter Bürgermeister Klaus Heilinglechner, die Stadträte und der ehemalige Bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Nach einem Gottesdienst und den Segen durch die Stadtpfarrer legten die Flöße wieder ab. Danach durften die Kinder ihre selbstgebastelten und mit Teelichtern beleuchtete Floßmodelle zu Wasser lassen – ein ganz besonderer Moment auf den alle Zuschauer gewartet hatten. Für ihre Sicherheit sorgten am Ufer Mitglieder der DLRG. Mit viel Liebe zum Detail hatten die Kinder ihre kleinen Flöße gebaut. Die einen sahen aus wie Segelschiffchen, andere wie Miniaturflöße aus Ästen gebunden, manche waren mit bunten Lampions bestückt. Eines kam wie ein Fliegenpilz daher, ein anderes hätte eher in einen Piratenfilm gepasst – das ist die wunderbare Phantasie der Kinder. Immer mehr kleine Schiffchen leuchteten auf dem Flussabschnitt. Für Gabriele Rüth, der Vorsitzenden des Vereins „Flößerstraße“ ist das ein sehr wichtiger Teil dieser Prozession. „So bewahren wir bei unseren Kindern Tradition und Brauchtum.“
Ab dem 12. Jh. fuhren Flöße mit Handelsgütern von Wolfratshausen nach München
Gabi Rüth und der Verein „Flößerstraße“ bemühen sich um die Flößergeschichte von Wolfratshausen und haben eine Chronik dazu herausgegeben. Ein Auszug daraus verrät, welche Bedeutung dieser Wirtschaftszweig für die Kleinstadt im Oberland seit jeher hatte: „1280 wurde Wolfratshausen erstmals als Markt bezeichnet. Durch das Brauereigewerbe und die Flößerei erhielt der Ort Bedeutung und Wohlstand. Geschichtlich belegt ist, dass ab dem 12. Jh. Flöße von Wolfratshausen nach München fuhren und Handelsgüter transportierten (…) Im 15. Jh. legten täglich zehn Flöße ab, der Höhepunkt mit 5840 Flößen in einem Jahr war 1864. (…) Die Isartalbahn (1891 in Betrieb genommen) und Lastkraftwagen ersetzten das Floß als Transportmittel. Mit dem Bau des Walchenseekraftwerks (1920) wurde den Flößern das erforderliche Wasser entzogen. 1922 fuhr das letzte Floß von Wallgau nach München.
Die Floßfahrt entlang des wunderschönen Isartals ist die einzige Personenbeförderung dieser Art in Mitteleuropa
Bis 1910 wurde die Prozession der Flöße auf der Loisach durchgeführt. Erst 1994 griff man diese einzigartige Tradition am Namenstag des Brückenheiligen und Schutzpatrons der Flößer wieder auf. Alle drei Jahre findet diese besondere Nacht der Lichter in Wolfratshausen statt. „Es ist die Weihung der Flöße zum Saisonbeginn, um sie vor Gefahren zu schützen“, erklärt Rüth. Denn auch heute noch lauern Gefahren auf dem 25 Kilometer langen Flußweg nach München. Anspruchsvolle Passagen sind zum Beispiel der Georgenstein bei Baierbrunn oder die Floßrutsche in der Pupplinger Au. „Da kann ein Floß schon mal leicht anwandeln“, sagt Rüth. Die Floßfahrt ist heute eine Vergnügungsfahrt entlang des wunderschönen Isartals, überregional bekannt und sehr begehrt. Es ist die einzige Personenbeförderung dieser Art in Mitteleuropa.










