Joris Roelofs Trio bei LoisachJazz in Wolfratshausen
Überirdisches Klang-Destillat
Von Thekla Kraußeneck
Wolfratshausen, 10.3.2015 - Der Holländer Joris Roelofs muss nur einen einzigen Titel spielen und schon schweben die Zuhörer im Loisachhallen-Foyer in einer dichten Klangatmosphäre. Detailverliebt bis zum letzten zärtlich verhallenden Ton hat er sich am Freitag mit seinen Partnern Matt Penman (Bass) und Ted Poor (Schlagzeug) präsentiert. Roelofs ist ein Meister der hohen und der tiefen Töne: Im einen Moment lässt er Donner rollen und krachen, im nächsten rieselt leiser Regen – und wenn er gerade nicht auf seiner selbst für den Jazz ungewöhnlichen Bassklarinette spielt, erzählt er spannende und amüsante Geschichten, die das Programm abrunden.
Selbstbewusst und lebendig
Da wäre einmal die des russischen Komponisten Alexander Nikolajewitsch Skrjabin. „Der war nur ungefähr so klein“, sagt der Holländer auf Deutsch, „aber er dachte, er wäre Gott.“ Weil Skrjabin passend zu seiner Körpergröße nur sehr kleine Hände hatte, habe er nicht alle Instrumente spielen können. Das habe ihn nicht davon abgehalten, gegen Ende seines Lebens mit der Komposition des Stücks „Das Mysterium“ zu beginnen, das eine Symbiose aller Künste werden und sämtliche Sinne zur gleichen Zeit ansprechen sollte. Mit dem „Mysterium“ wollte Skrjabin die Menschheit auf eine neue Bewusstseinsebene heben, indem er die Welt durch wiederholtes Spielen des Stücks zusammenbrechen und neu erstehen lassen wollte. Zu einem Versuch kam es nie, Skrjabin starb vorher. Seine Musik ist erhalten geblieben, und der zurückhaltende, angenehm selbstbewusste Roelofs spielt sie lebendig und imposant: Mit einem lauten Knall weckt das Stück das Publikum aus der Feierabend-Benommenheit, grollende, zuckende Drums, begleitet von einer melancholischen Bassklarinette, lassen Skrjabin auferstehen.
In der Welt herumgekommen
Schon mit acht Jahren begann der in Amsterdam aufgewachsene Roelofs, die Klarinette zu spielen, mit elf wandte er sich dem Altsaxophon zu, die auch im Jazz eher ungewöhnliche Bassklarinette kam erst vor einigen Jahren zu seinem Repertoire dazu. Seit seinem Studium am Conservatorium van Amsterdam ist Roelofs in der Welt herumgekommen: Er war Mitglied im Vienna Art Orchestra, trat beim Noth Sea Jazz Festival auf, spielte in der WDR Big Band Köln. Vier Jahre lang lebte er in New York. Zahlreiche Welten sind das, die Roelofs im Laufe seines Lebens kennengelernt hat – Erfahrungen, die der Musiker auf der Bühne zu überirdisch schönen Darbietungen destilliert.
„Wenn Sie lachen müssen, sehr gerne“
Die Bassklarinette, so sagte Roelofs jüngst in einem Interview, habe ihm neue Welten eröffnet. Und Neues mag auch der Jazz-Kenner noch entdecken, wenn er dem ungewöhnlichen Musiker lauscht – etwa wenn Roelofs mit den Worten: „Wenn Sie lachen müssen, sehr gerne“, das Stück „Amateur-Zahnarzt“ anstimmt, eine Miniatur, die ganz absichtlich mehr Geräuschkulisse denn Musik ist und bei der dem Zuhörer beklommen zumute wird angesichts der heraufbeschworenen Vision, er hörte das Schrubben und Schrammen, Quietschen und Hämmern auf der Liege eines Zahnarztes. Seine Vielseitigkeit stellt Roelofs unter Beweis, indem er von so schrägen Stücken wie diesem nahtlos in andere wechselt, die mal eingängig, mal individuell, mal romantisch, mal klassisch sind und die immer getragen werden von einer ansteckenden Spielfreunde.







