
Oberland.de im Gespräch mit Bürgermeister Moritz Sappl
Kloster 2.0 – neues Konzept für das Kloster Beuerberg
von Andrea Weber
Eurasburg, 1.3.2016 – Welche Projekte laufen derzeit, was steht an in der Gemeinde Eurasburg im Jahr 2016? Im Gespräch mit Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl ging es um aktuelle Themen und im Schwerpunkt um die Neukonzeptionierung des Klosters Beuerberg, das seit dem Auszug der letzten verbliebenen 14 Salesianer-Ordensschwestern in ihre Altersruhesitze nach Schönbrunn und Adelsholzen, räumlich leer steht.
2016 sei das Jahr der Entscheidungen, so Eurasburgs erster Bürgermeister Moritz Sappl. Projekte werden gerade abgeschlossen, die Vorbereitungen für Neues laufe an. Sappls Vision für die Zukunft der Gemeinde Eurasburg: „Wir wollen ein moderner und attraktiver Ort sein, in dem man Arbeit findet, sich wohl fühlt und die Lebensqualität nicht verloren geht.“ Dabei wolle man auch den ländlichen Charakter wahren, so der Rathaus-Chef. Auch an Eurasburg geht die aktuelle Zeit nicht vorüber. Auch in Eurasburg steht deshalb das Thema Flüchtlingsunterkünfte an wichtiger Stelle.
Oberland.de: Herr Sappl, wie viele Flüchtlinge beherbergt die Gemeinde heute, wie viele werden noch kommen?
Bürgermeister Moritz Sappl: Die Unterbringungszahl auf Grund der Gemeindequote haben wir erreicht. Bis auf 20 Plätze in Containern, konnten wir die Asylsuchenden in Privathäusern unterbringen. Bis Ende 2016 muss die Gemeinde insgesamt 177 Personen versorgen. Das Ziel werden wir erreichen. Im Klostertrakt des Kloster Beuerbergs, in dem sich früher das Müttergenesungsheim und die Spätaussiedlerunterkunft befanden, werden wir bis Ende des Jahres 2016 weitere 75 Aufnahmeplätze für Flüchtlinge bereitstellen.
Seit wann steht das Beuerberger Kloster leer?
Die letzen 14 verbliebenen Salesianerinnen, im hohen Alter von durchschnittlich 90 Jahren, zogen auf ihren eigenen Wunsch 2014 in ihre Altersruhesitze in Schönbrunn und Adelsholzen um. Sie haben sich ihren Ruhestand wahrlich verdient. Seit 168 Jahren bewirtschafteten die Ordensschwestern das Kloster erfolgreich. Heute ist es im Besitz des Erzbistums München-Freising, das sich auch um die Altersversorgung der Schwestern kümmert.
Zurzeit wird gerade an einem Konzept „Kloster 2.0“ gearbeitet. Was beinhaltet dieses?
Es geht darum, wie man mit den zunehmend leerstehenden Liegenschaften in der Zukunft umgehen wird. Denn die Ordenslandschaft in Deutschland geht zurück. Dazu muss man wissen, dass von derzeit 25.000 Ordensmitgliedern bundesweit (19.000 Frauen und 6.000 Männer) es in zirka 20 Jahren nur noch 15.000 Ordensangehörige geben wird. Klöster sind Landmarken für unsere Region, die man erhalten muss. Deshalb wird nach möglichen Nutzungsvorschlägen frei werdender Klosteranlagen gesucht. Sicher gäbe es die Möglichkeit aus Klöstern hochpreisige Wohnungen zu machen, aber der spirituelle Raum ginge dann verloren. Klöster sind für mich Orte, die innere Kraft geben und Ruhe ausstrahlen.
Gibt es schon konkrete Pläne, die sich verwirklichen lassen?
Gerade wird der Umbau des Josephs-Trakts zur Asylunterkunft durchgeführt. Desweiteren soll im Kloster eine Verwaltung der Diözese mit Büroarbeitsplätzen eingerichtet werden. In der ehemaligen Klausur ist eine Ausstellung unter dem Titel “Klausur - Leben im Kloster“ geplant, um das klösterliche Leben der Öffentlichkeit näherzubringen. Dazu muss vorher die Brandschutzsituation geprüft werden. Angedacht sind auch Tagungsräume mit Unterbringung und Bewirtung, aber auch Übernachtungsplätze für Pilger des Jakobswegs, der unmittelbar an Beuerberg vorbeiführt. Es gibt auch Überlegungen, das Standesamt zu integrieren. All diese Planungen werden sich voraussichtlich bis 2017 hinziehen und danach werden wir noch mit einer zweijährigen Umbauzeit rechnen müssen. Das ist der richtige Weg, denn unser Kloster darf nicht zur Ruine verfallen.
Wer wird sich um die kulturelle Belebung kümmern?
Wir haben doch alles da: Musik-, Trachten-, Burschen, Schützenvereine und Chöre. Seit 1. Februar steht zudem unser neu gegründeter Förderverein für Tourismus in Beuerberg-Eurasburg in den Startlöchern. Die 14 Gründungsmitglieder um Manuela Urban sind überwiegend junge Leute aus den beruflichen Bereichen Banken, Handel, Gastronomie, was mich besonders freut. Tourismus heißt für uns nicht explizit Fremdenverkehr, sondern es geht uns auch um die Tagesausflügler. Wir sind keine Urlaubsregion, aber quasi mittendrin, zwischen Tegernsee, Garmisch-Partenkirchen und Starnberger See. Der Förderverein will sich zum Beispiel um den Internetauftritt mit Gästeangebot kümmern, um die Ausschilderung von Spazierwegen und „besondere Orte“ besser bekannt machen.
Ein solcher „besonderer Ort“ ist die Kastler-Kunstmeile?
Richtig. Wir bereiten gerade einen aktuellen Flyer über die Skulpturenausstellung dieses großartigen Künstlers Hans Kastler vor. Zudem wurden zwei Nachbildungen der im letzten Spätsommer gestohlenen Metallskulpturen „Wachstum rund“ und „Wachstum quadratisch“ erstellt, die wieder an Ort und Stelle gebracht werden.
Ein anderer „besonderer Ort“ ist auch die Kelleranlage unter der Schlosskirche Eurasburg?
Wir haben den Stollen mit dem ehemaligen Bierkeller freigelegt, stabilisiert und mit einer Eisentür verriegelt, um diesen wertvollen Bestand zu sichern. Aus kultureller Sicht wäre es meiner Meinung nach ein Frevel gewesen, diesen historischen Brauereistollen einfach zuzuschütten.
Vielen Dank Herr Sappl für das Gespräch.
In Kürze lesen Sie hier auf Oberland.de einen ausführlichen Beitrag über die Historie der Eurasburger Brauerei und seine Stollenanlage.
Fotos: Andrea Weber und Gemeinde Eurasburg www.eurasburg.de


