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Mit Konstantin Wecker plaudern

von Andrea Weber

Geretsried, 18.9.2012 - Der bekannte Münchner Musiker, Liedermacher und Autor Konstantin Wecker war am 18.9.2012 zu Gast in der Geretsrieder Musikschule. Er warb für sein Eröffnungskonzert auf dem Geretsrieder Kulturherbst im Oktober sowie für das Theaterstück „Aufstand!“, für das er die Musik schrieb.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass im Konzertsaal der Geretsrieder Musikschule soviele Sponsoren, Kulturschaffende und Medienvertreter regionaler Zeitungen warten, auch der Bayerische Rundfunk war da. Besser gesagt, noch nie, weiß Schulleiterin Vera Kraus: „Wir hatten schon viele hervorragende Musiker zu Gast, aber einen wie Konstantin Wecker natürlich noch nicht.“ Als sie im August erfuhr, dass Wecker ein kleines Konzert mit Fragestunde geben wird, war bei ihr die Aufregung groß. „Mein Gott, will der auf dem Schimmel oder auf dem Bösendorfer spielen“, und Vera Kraus ließ sicherheitshalber gleich beide Flügel stimmen.

Doch dann kam alles anders. Konstantin Wecker war erkältet und entschuldigte sich schon im Türrahmen: „Mir hat‘s die Stimme zerbröselt“, ehe ihn Bürgermeisterin Cornelia Irmer empfangen konnte. Also gab es erst einmal kein musikalisches Live-Häppchen vom Meister persönlich zu hören, als Vorgeschmack auf seine Musik zum Theaterstück „„Aufstand“ – Die wahre Geschichte der Sendlinger Mordweihnacht von 1705“, die Wecker auf Anfrage von Bühnenautor Günter Wagner geschrieben hat. Dafür plauderte Konstantin Wecker gerne über sich, wie er seine Musik macht und natürlich auch ein bisschen über Politik. „Vor 40 Jahren wollte ich die Welt verbessern. Schau ich sie mir heute an – ich war’s nicht“, sagte er mit seiner so typischen Ironie, wie man den Künstler eben kennt – diesen musikalischen Rebell von einst, der mit seiner bissigen und ehrlichen Gesellschaftskritik und seinen politischen Meinung gegen Rechts auf sich aufmerksam machte, dessen Lied vom „Willy“, der für die Freiheit kämpfte und starb, in den Siebzigern zum Kult wurde.

Heute mit 65 Jahren ist er ruhiger geworden. Man saß keinem Star gegenüber, sondern einfach einem sympathischen Münchner Musiker, der entspannt plauderte, als wäre er hier daheim, als würde man sich schon lange kennen. Derweil kannte Wecker zuvor weder den Bühnenautor Wagner noch die Schauspieler (In den Hauptrollen spielen: Winfried Frey, Andreas Borcherding und Isabella Leicht. Regie: Harald Helfrich) die bald auf dem Geretsrieder Kulturherbst auf seine Musik den Bauernaufstand in der Sendlinger Mordweihnacht singen und spielen werden. Als Günter Wagner bei ihm anfragte, war für Wecker klar: „Das mache ich.“ Der Inhalt hätte ihm sofort gefallen, diese Revolution einmal nicht als großen Real-Epos darzustellen, sondern aus der Sicht des kleinen Mannes – für den es im Krieg immer nur ums nackte Überleben geht.“

„Dieses musikalische Theaterstück macht Mut aufzustehen, auch wenn man scheitern könnte.“

Die Musik zum Theaterstück ist nun viel rockiger geworden, als sich Konstantin Wecker vorgestellt hatte. Sie ist auf kleiner musikalischer Besetzung gehalten und enthält alte und ländliche Musikelemente. Eine Hörprobe vom iPhone des Titelstücks „Bauer steh auf“ konnte allerdings dann nur erahnen lassen, wie gut der Liedermacher in seiner Musik den historischen Ton getroffen hatte. Bürgermeisterin Cornelia Irmer war von Weckers Musik berührt: „Wie viele Menschen leben heutzutage fremdgesteuert und sind unzufrieden. Dieses musikalische Theaterstück macht Mut aufzustehen, auch wenn man scheitern könnte. Denn es geht doch immer weiter“. Nach der Fragestunde spielte Konstantin Wecker dann vor beigeisterten Zuhörern doch einige Takte aus seinem aktuellen Programm „Wut und Zärtlichkeit“ vor, mit dem er und seine Band am 5. Oktober den Kulturherbst eröffnen.

Programminformationen: www.kulturherbst-geretsried.de

Fotos: Andrea Weber, Fenny Rosemann


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