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Exkursionen aus der Konvention hinein ins Außergewöhnliche durch vielschichtige Improvisationen: Lajos Dudas zum Auftakt der Reihe "Loisach Jazz".

Ausnahmekönner mit Spielwitz und Improvisationsfreude

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 27.10.2013 - Sie hat harte Konkurrenz, durch Pianos, durch Saxophone und auch durch Vokalisten. Doch die Klarinette passt perfekt zum Jazz: Sie ist geschmeidig wie eine Stimme, ebenso flexibel in der Tongebung und jubilierend, sie ist schnell, edel im Ton und variabel. Wie sehr ein Musiker an diesem Instrument auch heute noch begeistern kann, selbst wenn er kein großes Orchester im Rücken hat, bewies der Jazz-Klarinettist Lajos Dudas beim Auftakt der Reihe "Loisach Jazz" in der Wolfratshauser Loisachhalle.

Auch wenn man dem Künstler und seinen beiden Mitstreitern mehr als die zwei Dutzend Zuhörer gewünscht hätte: "Der Applaus hört sich an wie von 200", schmunzelte der Bandleader und Klarinettist ob des Zuspruchs der Anwesenden. Und damit das Auditorium merke, dass es dem Trio durchaus musikalisch ernst war, "beginnen wir mit einer Komposition von Bela Bartók", kündigte Dudas an. Auch und gerade weil seine Musik die Klassiker zwar kennt, aber ihren eigenen Weg sucht und findet, bot das Trio eine faszinierende Melange. Dudas an der Klarinette, Philipp van Endert an der Gitarre und Leonard Jones am Bass präsentierten eine Mischung aus Eigenkompositionen, so manchen Standards und eben auch einigen Überraschungen.

Nicht nur Bartók, sondern beispielsweise auch eine vollkommen entstaubte Version von Franz Léhars Operette "Dein ist mein ganzes Herz" neben einem atonalen Werk wie "Triplets". Mal filigran, mal rhythmisch packend und kraftvoll, mal mit folkloristischen Momenten und dann wieder avantgardistisch loteten sie die Möglichkeiten aus zwischen Tradition und Innovation. Ideenreich und spielfreudig nahmen sich Dudas, van Endert und Jones eigener und Fremdkompositionen an, sprühten vor Spielwitz und Improvisationsfreude, ohne sich vor den großen Vorbildern jedoch allzutief zu verbeugen. Keine Kopien, sondern stete Reverenz gegenüber dem Inspirator also.

Vielschichtige Klangbilder

Auch das muss gesagt sein: Dudas ist ein Ausnahmekönner an seinem Instrument. Der Klarinettist gewann dem luftig-porösen Ton seines Instruments eine erstaunlich komplexe Farbigkeit ab, vom klangvollen Forte bis zum verhauchenden Pianissimo. Und im innigen Dialog mit dem souveränen Gitarristen, der wesentlich zum Glanz des Abends beitrug, und dem präzisen Tiefton-Spezialisten, entstanden vielschichtige Klangbilder. Allerdings dauerte es etwas, bis man wirklich warm wurde mit dem Konzert. Denn die erste Hälfte erwies sich noch als etwas kühl, ja regelrecht verkopft, was zum einen an den Werken, aber auch an der sparsam dosierten Kommunikation lag. Das aber änderte sich nach der Pause, was dem zweiten Teil des Abends einen ganz anderen Charakter verlieh: Dudas kam fast ins Plaudern über die Stücke, die er ankündigte. Und die Werke wurden gefälliger.

Feuriger und mitreißender Abend

Die Lust und die Leidenschaft, die Spielfreude und der Spaß, mit dem Dudas und seine Kollegen die Kompositionen lebendig werden ließen und durch findige Improvisationen anreicherten mit einer angemessenen Portion solistischem Witz, verschaffte dem Publikum einen feurigen, mitreißenden, vielschichtigen Abend. Rhythmuswechsel als natürliche Brüche, süße Melodien, gefühlvoll gezupft, gewischt und geblasen, mit leichten Verrückungen gespielt und in neue Sphären erhoben. Das sorgte für hypnotische Momente und die Unberechenbarkeit, die den Impros zugrunde lag, war schlichtweg faszinierend. Das erzeugte die für den Abend notwendige Spannung. Ein atmosphärisch dichtes Konzert also, mit subtilem Swing und überraschenden Improvisationen. Klar, dass Dudas und seine Musiker nicht ohne Zugaben und viel Applaus entlassen wurden.