Lesung auf dem Floß in der Flößerstadt Wolfratshausen
Georg Unterholzner: „Flößer, Leichen, Wolfratshausen“
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen, 23.8.2014 – Auf einem vollbesetzten Floß las der Ascholdinger Krimiautor Georg Unterholzner am Freitagabend an der Weidacher Floßlände aus seinem Roman „Der Schnitter“ und der Kurzgeschichte „Der verschwundene Flößer“. Musikalisch begleitet wurde er von Landrat Josef Niedermaier und der Landratsamt-Band. Flößer Josef Seitner und Veranstaltungsmanagerin Marion Klement von der Stadt Wolfratshausen sprachen von einer gelungenen Premiere, der weitere ähnliche Abende folgen könnten.
Bereits eine Stunde vor dem Beginn der Lesung gab es für die 120 Besucher oberhalb der Loisach ein reich gedecktes Buffet. Während die Geretsrieder Metzgerei Knöbl mit Wurst und Käse belegte Häppchen stiftete, boten Kräuterpädagoginnen bestrichene Brote an. Dazu gab es Bier und alkoholfreie Getränke. Das Ganze mundete den Gästen offenbar so gut, dass sich die bereitgestellten Spendenkrüge rasch füllten. Das Geld sowie der Eintrittspreis von jeweils 20 Euro kommen dem Bayerischen Palliativ- und Hospizverband zugute.
Malerische Kulisse in der Flößerstadt
In seiner Grußansprache zeigte sich Wolfratshausens Zweiter Bürgermeister Fritz Schnaller von der malerischen Kulisse begeistert. „Das wird ein sagenhafter Abend mit einem sagenhaften Publikum“, versprach er. Danach stellte Landrat Josef Niedermaier die siebenköpfige Landratsamt-Band vor, in der neben ihm unter anderem der Münsinger Bürgermeister Michael Grasl und seiner Greilinger Amtskollege Anton Margreiter musizieren.
Einnahmen gehen an den Bayerischen Palliativ- und Hospizverband
Der Geschäftsführer des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands Erich Rösch machte auf die Bedeutung der fachkundigen Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen aufmerksam. Der achtungsvolle Umgang müsse die Respektierung von Selbstverantwortung und Mündigkeit der Betroffenen miteinbeziehen. Er verglich die Loisach mit dem sagenumwobenen Fluss Styx, der in der griechischen Mythologie die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades darstellt. „Stellen Sie sich vor, dies wäre ihre letzte Floßfahrt.“, meinte Rösch. Da passte es gut, dass danach die Hauptperson des Abends ganz in Schwarz gekleidet die Floßbühne betrat, während die Band den Trauermarsch von Frédéric Chopin spielte.
Lesung aus „Der verschwundene Flößer“ und „Der Schnitter“
Georg Unterholzner las die Kurzgeschichte „Der verschwundene Flößer“, die in dem Band „Finsterböses Bayern“ erschienen ist. Mit tiefer Stimme trug der Autor die Geschichte eines jungen Flößers vor, der in einem Bierhäusl bei Straßlach nach einem spurlos verschwundenen Kollegen fahndet. Vor allem in den genau beschriebenen Wirtshausszenen entwirft Unterholzner authentische Bilder, die sich so teilweise auch heute noch in einigen abgelegenen Regionen abspielen könnten. „Eine Wirtschaft ohne Gäste ist wie ein Wald ohne Baum“, sagt der verzweifelte Wirt des Bierhäusls.
Im zweiten Teil der Lesung las der 53-jährige Tierarzt Auszüge aus seinem neuen Roman „Der Schnitter“ vor. Als ein Kölner Geschäftsmann in seinem Wirtshaus in Wolfratshausen erschossen wird, macht sich Privatermittler Max zusammen mit seinem Freund Kaspar auf die Suche nach dem Täter. Verdächtig machen sich unter anderem die schöne Kellnerin Erica und ihr Sohn, ein Punk mit grünen Haaren. Den meisten Besuchern gefiel das so gut, dass sie nach der Veranstaltung von Unterholzner signierte Bücher erwarben. Für musikalische Glanzpunkte sorgte die Landratsamt-Band, die auch gelungene Instrumentalversionen von Shirley Basseys „Goldfinger“ und des Evergreens „Je t‘aime“ von Serge Gainsbourg und Jane Birkin vortrugen.











