Liedermacher-Preisträger-Konzert in Geretsried
Wirthensohn-Brüder begeistern mit Gitarre, Klavier und Akkordeon
Von Peter Herrmann
Geretsried, 21.3.2015 – Vor genau einem Jahr gewannen Simon und Tobias Wirthensohn das Finale des fünften Geretsrieder Liedermacherfestivals. Damals genügten der Jury ein paar Lieder der Brüder aus Sulzberg-Thal bei Bregenz. Ein Jahr später kehren die Österreicher nach Geretsried zurück und spielten im Ingrid-Obser-Saal der Musikschule ein vollständiges Konzert.
Cedric Ian Johanson eröffnet den Abend
Bevor das Liedermacherduo die Bühne betrat, präsentierte der junge Pianist Cedric Ian Johanson einige seiner Eigenkompositionen. Darin verarbeitet der Musikschüler persönliche Eindrücke zu mitunter stimmungsvollen Klavierstücken wie beispielsweise „Friedensengel Surrounded By Cars“. Wie der Name des berühmten Münchner Denkmals verrät, kam der Impuls hier vom Verkehrslärm der bayerischen Landeshauptstadt. Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner zeigte sich nach dem 15-minütigen Konzert beeindruckt und überreichte dem jungen Künstler im Auftrag der Stadt Geretsried ein Buchgeschenk.
Dialektsongs, Blues und russisches Liedgut
Fast schüchtern betraten Simon und Tobias Wirtensohn am Freitagabend die Bühne im gut gefüllten Ingrid-Obser-Saal. Die anfängliche Scheu verfliegt aber schon nach den ersten Akkorden des Eröffnungsliedes „Die Leinen los“, dem das im Vorarlberger Dialekt vorgetragene „Bi scho lang num dahui gsi“ folgt. „Eine Geretsriederin hat mich nach unserem Konzert vor einem Jahr gebeten, doch einmal in unserem Dialekt zu singen“, erklärte Tobias Wirtensohn.
Tobias, der derzeit an der Universität Innsbruck Russisch studiert, überzeugte mit rauchigem Bluesgesang („Nicht dein Lover“) oder einem russischen Volksliedmedley. Sein ebenfalls an der Innsbrucker Universität studierender Bruder Simon begleitete ihn kongenial am Piano, am Akkordeon und an der Gitarre, und sang auch eigene Stücke. Die beiden Österreicher lehnen sich gegen den von Konstantin Wecker verfassten Klassiker „Genug ist nicht genug“ auf. „Genug ist eben schon genug“, hielt der 25-jährige Tobias dagegen. Denn das Profitstreben vieler Unternehmen in einer von Globalisierungswettkämpfen geprägten Welt, ärgert die Wirthensohns gewaltig. „Wir sind Huren der Ökonomie. Der Stress bringt uns ins Krankenhaus und nicht ans Ziel“ heißt es zum Beispiel in „Wir sind satt“. Da erscheint es fast verständlich, dass sich das Duo in einem anderen Liedtext wünscht, „ein Schwein im Weinhain“ zu sein, das sich von grübelnden Gedanken befreien möchte.
Dem Geretsrieder Publikum gefiel diese abwechslungsreiche Mischung so gut, dass es das Duo nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen ließ. Der tosende Applaus überraschte Tobias und Simon Wirthensohn, denn in ihrer österreichischen Heimat sei die Publikumsresonanz noch deutlich geringer. „Wir kommen aus einem Land, in dem sich jeder für Mozart hält. Das sind wir nicht gewohnt“, kokettierte Simon abschließend.








