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Handwerkliches Können, kreative Modulationen und fulminanter Esprit: Mit einem Ausrufezeichen ging am Freitag die Reihe „Loisach Jazz“ zu Ende.

Mitreissendes Grenzgängertum im Modern Jazz

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 23.4.2013 - Eigentlich ist es ja jeder Anfang, dem angeblich ein Zauber inne wohnt. Manchmal aber ist es auch ein Ende, das nachhaltig beeindruckt: Denn das Abschlusskonzert der neuen Reihe "Loisach Jazz" am Freitag nahm das Publikum mit, neue Wege in Sachen Faszination Jazz zu entdecken.

Gut möglich, dass sie ihn vielleicht nicht erfunden haben, den Jazz in Australien oder Deutschland. Aber was die Jazz-Formation „Affiliation“ unter ihrem australischen Bandleader und Gitarristen Peter O´Mara da im Foyer der Wolfratshauser Loisachhalle ablieferte, klang durchaus neu. Denn O´Mara bot zusammen mit den deutschen Musikern Michael Hornek (Keyboard) und Christian Lettner (Schlagzeug) nicht nur ein vorzügliches, mitreissendes Beispiel für internationales Grenzgängertum im Modern Jazz. Zusammen mit dem New Yorker Vibraphonisten Tim Collins wurde ihr Konzert schlichtweg ganz großes Kino für die Ohren und den Kopf.

Sphärisch, Sinnlich und Rational

Voller Spielfreude und mit großem Gefühl für ständige Wechsel und glänzende Arrangements, garniert mit sehr überzeugenden solistischen Abenteuern, präsentierten die vier Musiker eigenkomponierte, melodietrunkene Kleinode, die sich durch klangschöpferische Intelligenz und Originalität auszeichneten. Collins´ Kompositionen zeugten von großen Bögen: Zum Teil auskomponierte Movements aus Grundelementen, die kombiniert und rekombiniert wurden, mischten sich mit Improvisation, liedhaften Elementen, lyrischen und rhythmischen Passagen. War der Beginn des Konzertes noch sphärisch angehaucht, wurde dem zarten Ton des Vibraphons im Laufe des Abends von den musikalischen Mitstreitern mehr Strukturelles entgegengesetzt, dem Sinnlichen also etwas Rationales.

Breites Spektrum der Dynamik

In Werken wie „Deception“ war das Publikum mitgerissen von der dynamischen Geschlossenheit, in „Stunt Double“, „Tiptoe“, „Frenchmen Street“ oder „Crossroads“ von der brodelnden Leidenschaft hinter den entspannt-jazzigen Kompositionen. Dank der agilen Dynamik riss der Spannungsbogen nie ab, sondern wurde immer wieder neu aufgebaut und ausgeweitet und das Publikum mitgenommen auf eine spannende Reise kreuz und quer über fabelhaftes Interplay. Dabei erkundeten die vier Musiker ein breites Spektrum der Dynamik, drifteten ab und spielten dann doch wieder jene willkommene Mischung aus schlüssig-durchdachtem Konzept und sinnlicher Wirkung, die über den durchschnittlichen Mainstream-Standard im modernen Jazz hinausging.

Aufregende musikalische Aufbrüche im Jazz

Und während all dieser Masse an Spannung und Hörvergnügen, die da auf´s verzauberte Publikum niederging, erzählten die vier wundervolle, witzige und abgründige Geschichten - ganz ohne Worte. Zusammen mit der Nonchalance des Schlagzeugers und dem geschmackssicher zurückhaltenden, aber beseelten Spiel des Keyboarders gelangen Collins und O´Mara nicht nur spannende Dialoge, sondern faszinierende Vexier-Klangbilder. Vielleicht einer der aufregendsten musikalischen Aufbrüche im Jazz, die einem jüngst in Wolfratshausen und Umgebung zu Ohren kommen konnten. Das Publikum spendete großen Applaus, die Musiker bedankten sich mit einer fabulösen Zugabe.