Das Magazin für das Bayerische Oberland

Die Jahreszeiten des Jazz

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 11.6.2014 – So also kann sich unverbrauchter und frischer Jazz anhören: Die britische Sängerin Jenny Evans und ihre spielfreudige Band verzauberten am Ende der diesjährigen Reihe „Loisach Jazz“ in Wolfratshausen ein sichtlich hingerissenes Publikum mit ihrem abwechslungsreichen und innovativen Programm. Denn das war durchaus ein Appell an die Ohren und das Herz: Betitelt als „The Four Seasons Of Love“ trafen während des Konzerts Jazz-Standards auf Kompositionen aus der Klassik und eigene Werke von Paulo Morello und Evans.

Obendrein präsentierten die vier Lyrik wie etwa ein Sonett von Shakespeare oder ein Gedicht von Christian Morgenstern in zeitgenössischer Vertonung.Was dabei allen Darbietungen und Songs gemein war: Es ging darum, der Liebe im Wechsel der Jahreszeiten nachzuspüren. Mit dem Effekt, dass man eine Musikreihe nicht besser ausklingen lassen und gleichzeitig Lust auf mehr schüren kann wie hier.

Lyrisch-verträumt und leidenschaftlich

Natürlich braucht eine Sängerin wie Evans dazu eine Band im Rücken, auf die sie sich verlassen kann und die sie beflügelt. Die Jazz-Vokalistin hatte dabei mit Paulo Morello, Sven Faller und Felix Sapotnik drei Musiker hinter sich, mit denen es ein Vergnügen war, vom klassischen Jazz zu neuen Klangufern aufzubrechen. Evans selbst besitzt eine äußerst angenehme und enorm intonationssichere Stimme, die sowohl das Lyrisch-verträumte als auch das leidenschaftliche bestens beherrscht. Dank der außergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten der Instrumentalisten trugen sie zudem nicht nur Evans´ bewegenden Gesang, sondern setzten ihre Stimme auch perfekt in Szene. Folglich war das Konzert also eine virtuose, aber völlig unaufgeregte und entspannte Gesamtleistung, bei dem Ausnahmekönner einen Klangkosmos schufen, in dem Elemente der Klassik und lässig-moderner Jazz zu einer organischen Einheit fusionierten, der wie flüssiger Honig ins Gehör ging. Und das, mit wunderbaren Spannungsbögen, etwa bei Songs wie „Early Autumn“, „Summer Wind“ oder auch „April is in My Mistress´ Face“.

Virtuose Songs, die lange im Gedächtnis blieben

Zu absoluten Höhepunkten aber gerieten Lieder, die man so nicht erwartet hätte: Zum einen die nachhaltig berührende Vertonung von William Shakespeares wohl bekanntestem Sonett „Shall I Campare Thee to a Summer´s Day“. Auch eine weitere Vertonung von  Shakespeares Versen, nämlich aus „As You Like It“ ließ das Publikum verzückt lauschen und hatte in seiner unaufgeregten Bedeutsamkeit ein erstaunlich nachhaltiges Gewicht. Nicht minder hörenswert auch Christian Morgensterns Gedicht „Novembertag“, das die vier Musiker mit Klängen von Eric Satie kombinierten, oder die Eigenkomposition von Morello mit einem Text von Evans namens „Like a Breath of Spring“. Spätestens hier war sie dann gelöst, die Eintrittskarte für´s Kopfkino, samt gefühlvoll-intuitiver Schwelgereien, die genauso die dunklen Seiten ausloten durften wie die frühlingsfrischen. Kurzum, hier entstanden virtuose, stimmungsvolle Songs, die lange im Gedächtnis blieben. Am Ende gab es großen Applaus vom begeisterten Publikum, und die Musiker dankten ihrerseits mit Zugaben.