LoisachJazz Wolfratshausen
„Subtone“: Magisches Jazz-Quintett
Von Thekla Kraußeneck
Wolfratshausen, 23.4.2015 - Kraftvoll, souverän, lässig: Das Jazz-Quintett „Subtone“ hat seinem Publikum am Freitagabend einen in vielerlei Hinsicht beeindruckenden Auftritt geliefert. Komplexe Kompositionen wechselten sich ab mit einer angenehmen, aufs Wichtigste reduzierten Moderation. Die preisgekrönten Musiker entpuppten sich als Magier ihres Fachs, ließen keine Zweifel daran, dass sie ihr Handwerk beherrschten, und wurden von den rund 50 Zuhörern im Foyer der Loisachhalle erst nach einer Zugabe endgültig von der Bühne gelassen.
Dass sich das Quintett den Namen „Subtone“ gegeben hat, kommt nicht von ungefähr, bezeichnet doch ein Subtone in der Fachsprache einen speziellen, rauchigen Ton, der einem Saxophon nur durch das Spielen in der richtigen Technik entlockt werden kann. Wie viel sie von Technik verstehen, wussten die fünf Musiker glänzend unter Beweis zu stellen. Das Saxophon indes war nur eines von sieben Instrumenten, die insgesamt zum Einsatz kamen.
Ihre Vielseitigkeit spiegelt sich auch in der Art und Weise, auf die „Subtone“ ihre Stücke produziert: Jedes Mitglied der Band ist zugleich Komponist, dessen Werke von allen anderen mit dem angemessenen Ernst einstudiert werden – völlig egal, wie lang sie auch sind. Wie um das zu beweisen breitete Pianist Florian Höfner den Notenbogen von „Roswitha’s Revenge“ vor den Augen des Publikums aus: Er passte in voller Länge nicht aufs Klavier, die Enden hingen über. „Zusammengefaltet passt er aber auf den kleinen Notenständer“, sagte Höfner, „dafür haben wir lange geübt.“
Höfner, Magnus Schriefl (Trompete), Malte Dürrschnabel (Saxophon), Matthias Pichler (Kontrabass) und Peter Gall (Schlagzeug) sind weit herumgekommen, ihre früheren und jetzigen Wohnsitze verteilen sich über zwei Kontinente. Eine Auflistung der Preise, die jeder von ihnen in den vergangenen Jahren mit nach Hause genommen hat, würde einen eigenen Artikel füllen, Festival um Festival haben die fünf Männer besucht, zahlreiche Konzerte gegeben, in Europa, in den USA, in Kanada und in vielen weiteren Ländern.
Außergewöhnlich und hingebungsvoll, und doch sympathisch normal: Als nach dem ersten Set die Pause angekündigt wurde, glitten sie von der Bühne und verschmolzen mit dem Publikum, dank ihrer charmant ungezwungenen Kleidung, die aussah, als hätten sie zu Beginn selbst unter den Zuschauern gesessen und spontan entschieden, ein Konzert zu geben. Das Spontane traf Struktur, und so nahm das Konzert immer wieder die Züge einer Jam Session an: War der ein oder andere erst einmal richtig im Flow, folgte ein brillantes Solo; die anderen Vier warteten ab, suchten irgendwann einen harmonischen Anschluss und stiegen ein, und das Publikum lauschte und beobachtete fasziniert.
Das Quintett betrat die Bühne und legte ohne Vorrede direkt mit „Transatlantic“ los, einer solch formvollendeten Darbietung, dass eine Steigerung kaum noch möglich schien. Weit über das Meer hinaus trug „Subtone“ seine Zuhörer auch mit afrikanisch klingenden Titeln wie „Ologolo“, geschrieben von Band-Leader Schriefl selbst, oder Galls „Brazilian Blizzard“. Durch die spontanen Variationen wurden die Stücke teilweise doppelt so lang wie in den Studioversionen, wodurch in jedes der beiden Sets zwar nur vier Stücke passten. Die aber entfalteten gerade durch ihre Länge eine hypnotische Wirkung. Kraftvoll war der Auftritt von „Subtone“ also, souverän auch und lässig-spontan – vor allem aber: magisch.










