Lachsalven der Zuschauer, immer wieder kräftiger Szenenapplaus und durchgehendes, anregendes Vergnügen mit einem „Geist-reichen“ Theater: Eine äußerst gelungene Premiere feierte die Loisachtaler Bauernbühne mit ihrer diesjährigen Herbstaufführung „Da Himme wart net“
Theaterkost vom Feinsten - Spannend und kurzweilig zugleich
Von Claudia Koestler
Geretsried, 19.10.2013 - Der Erfolg der Laiendarsteller war nach intensiver Probenarbeit der verdiente Lohn. Denn ihnen war die Freude am Theater in jedem Moment anzusehen: „Wiggerl“ Gollwitzer stimmte das Publikum zu Beginn noch mit einer launigen Ansprache ein, die Schützenrieder Musikanten spielten schwungvoll auf, ehe sich der Vorhang in den Geretsrieder Ratsstuben hob für ein witzig-spritziges und kurzweiliges Bühnen-Remmidemmi rund um das Leben an sich und im Besonderen.
Als eine „Geist-reiche Komödie“ in drei Akten hatten die Autoren Markus Scheble und Sebastian Kolb ihr Stück untertitelt: Zu Recht, wie sich herausstellte, und das im doppelten Wortsinn. Denn es handelt sich dabei um keine gewöhnliche Liebes- oder Bauernkomödie. Der Inhalt des Stückes dreht sich dabei um den Polizeibeamten Stelzl (Wiggerl Gollwitzer). Ihn rafft es ausgerechnet beim Anziehen dahin. Mit Uniformjacke, einer Socke und rutschender langer Unterhose sitzt er nun im Wartezimmer vor der himmlischen Pforte und ist schon gespannt darauf, was ihn dahinter wohl erwartet. Doch zu früh gefreut: Stelzl muss sich durch einen Spezialauftrag seine göttlichen Flügel erst verdienen. Er soll Schreinermeister Bömmerl (Girgl Steinbichler) innerhalb 24 Stunden abholen und nach oben geleiten. Das allerdings erweist sich als verzwickter als gedacht. Denn zum einen ist der im Schlaf verstorben und hat das noch gar nicht gemerkt. Und zum anderen beobachten die beiden, wie sich kurze Zeit darauf schon die scheinheilige Verwandtschaft (Franz Foitzik und Christine Brauner als Froschmeiers) über sein Hab und Gut hermachen will, während die grundgute Tochter Anna (Christina Just) schauen muss, wie es mit ihr und der Firma weitergeht.
Durchtriebene Raffzähne, turbulentes Tohowabohu und geistreiche Himbeer-Resi
Während Froschmeiers alles heimlich durchwühlen, stoßen sie auf einen Brief, dass Bömmerls Lottoschein gewonnen hat. Klar, dass die beiden durchtriebenen Raffzähne das Geld in die eigene Tasche stecken wollen. Doch wo ist der Schein? Und wie können Bömmerl und Stelzl eingreifen, wenn sie als Geister doch keiner hört und sieht? Mitverstrickt in das ganze turbulente Tohowabohu sind zudem noch Haushälterin Finni (Melanie Tobian), die für Romane schwärmt, die nicht von dieser Welt sind, und für Schreinergeselle Emmeran (Florian Roth), der dafür mit beiden Beinen auf der Erde steht. Und dann gibt es ja noch die Schellnberger Resi (Monika Schwenger), auch "Himbeer-Resi" genannt. Denn sie hat ein ganz besonderes Verhältnis zum Himbeer-Geist, dem sie gerne zuspricht und umgekehrt.
Erfrischende Komödie über ein ernstes Thema
Oder waren es doch die Geister? Bis zum turbulenten Finale blieb die Geschichte spannend und kurzweilig zugleich. In der Inszenierung gab es keine Stolperkanten oder Längen, die Aufführung ist aus einem Guss. Eine erfrischende Komödie über ein ernstes Thema also, das aus der Schwere Leichtigkeit schafft und immer wieder herzhaft auflachen lässt, trotzdem aber auch trotzdem Momente für ein bisschen Seelenbalsam zulässt und so Tiefe schafft in leichter Unterhaltung.
Die Bauernbühne zeigt Mut zur eigenen Handschrift
Mindestens ebenso wesentlich wie dieser geglückte Start ist aber auch, dass die Bauernbühne Mut zur eigenen Handschrift zeigt. Das gilt für die Auswahl des Stückes ebenso wie für die Führung der Schauspieler durch Regisseur Herbert Penzel, assistiert von Susanne Vorderwülbecke. Das Ensemble lief zu Höchstformen auf, wobei sich alle Darsteller als eine komödiantische Bank erwiesen. Die dankbarsten Rollen hatten dabei sicherlich Gollwitzer, Tobian, Foitzik, Brauner und Schwenger, die allesamt sprühend komische Szenen zauberten, ohne ins Lächerliche abzudriften. Zudem aber beherrschten sie auch immer wieder Momente des zurückgenommenen, berührenden Spiels, wobei besonders nachhaltig die Szene zwischen Steinbichler und Just als Vater/Tochter in Erinnerung bleibt. Technisch unterstützt wird die Truppe in diesem Jahr durch Tobias Schellakowsky, Timo Schöntag und Bernhard Bock. Max Prestel, Michael Brauner und Thomas Schmidt kümmern sich um das perfekte Bühnenbild und die Ausstattung. Theaterkost vom Feinsten also. Der rauschende Applaus des Publikums war folglich redlich verdient.




















Termine
Die Loisachtaler Bauernbühne spielt ihr diesjähriges Herbststück "Da Himme wart net" an folgenden Tagen:
In den Geretsrieder Ratsstuben (mit Bewirtung):
Freitag, den 25. Oktober 2013, 20.00 Uhr
Samstag, den 26. Oktober 2013, 20.00 Uhr
Samstag, den 02. November 2013, 20.00 Uhr
Sonntag, den 03. November 2013, 18.00 Uhr
Samstag, den 16. November 2013, 20.00 Uhr
Sonntag, den 17. November 2013, 18.00 Uhr
In der Loisachhalle Wolfratshausen (mit Bewirtung):
Samstag, den 23. November 2013, 20.00 Uhr
Einlass stets eine Stunde vorher.
Vorverkauf
- Geretsrieder Ratsstuben
- Wolfratshauser Gummibärchenladen, Marienplatz 3, Tel. +49 8171 40 87 16
- Abendkasse
Eintritt
10,- Euro






