Das Magazin für das Bayerische Oberland
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Rede von Bürgermeister René Vignerie aus Barbezieux am 1.5.2012

George Brassens, der Weise unter den Weisen, sang :

Ich lebte glücklich neben meinem Baum,
ich hätte mich nie von meinem Baum entfernen dürfen.
Ich lebte glücklich neben meinem Baum,
ich hätte ihn nie aus den Augen verlieren sollen.

Sein Baum war nicht so gerade, er war nicht mit den bayrischen Farben geschmückt, sein Baum war nicht im Wald gefällt und dann über mehr als 1000 km hierher gefahren worden, sein Baum hatte keine Landesgrenze überquert um dann hier auf einem Platz inmitten von Häusern aufgestellt zu werden.

So wie ich George Brassens kenne war sein Baum ohne Zweifel sehr kräftig aber mit vielen Ästen, mit einer rauen Rinde, in die Herzen und Pfeile geschnitzt waren, und mit dichtem tiefgrünem Laub.

Aber unser Baum, liebe Freunde aus Wolfratshausen, den ihr uns geschenkt habt, den ihr hierher gebracht habt, den wir gerade aufgestellt haben oder genauer, den ihr gerade aufgestellt habt (denn wir müssen zugeben, dass wir aus Barbezieux bislang nicht viel beigetragen haben), der Baum, der uns während der Feier einen wird (und da werden wir, das können Sie mir glauben, sehr effizient sein). Unser Maibaum ist ein Symbol der Fruchtbarkeit und seine Errichtung ein Ritus, der mit der Rückkehr des Sommers und der Blätter verbunden ist. Der Kreis schließt sich. Da ist er wieder der Baum, in dessen Nähe wir glücklich leben wollen mit seiner rauhen Rinde, seinen eingeritzten Herzen  und seinem tiefgrünen Blattwerk.

Ich will nicht lange verweilen bei den Ursprüngen dieser Tradition des Maibaums und will vor allem nicht den Eindruck erwecken, euch eine Lektion in Geschichte erteilen zu wollen, bei der ich zweifellos von Religion sprechen müsste, von Aberglaube, von sexuellen Riten. Dazu fühle ich mich nicht in der Lage. Zusätzlich, selbst wenn ich mich anstrengen würde, könnte ich nicht ernst bleiben.

Was ich weiß ist, dass schon seit langer Zeit der Maibaum das Symbol der Städte und Dörfer Oberbayerns geworden ist und dass er die Ehre der Gemeinden und seiner Bewohner repräsentiert. Liebe Einwohner von Barbezieux, können Sie ermessen, welchen Wert dieses Geschenk darstellt, welche Ehre uns unsere Freunde aus Wolfratshausen zuteilwerden lassen, indem sie hierher fahren, um in unserer Gemeinde einen Maibaum zu errichten? In den Augen unserer Freunde wird Barbezieux trotz der großen Entfernung als bayrische Stadt angesehen.

Vielen herzlichen Dank Herr Bürgermeister, vielen herzlichen Dank, liebe Freunde. Ich glaube, dass diese Auszeichnung einen warmherzigen Applaus verdient.

Wir hatten schon die Rue de Wolfratshausen, und hier in der Nähe die Rue de Bavière. Wir haben hier und heute das Symbol, das Wolfratshausen und Bayern noch sichtbarer für die die Bewohner dieses Stadtviertels und für alle Bewohner von Barbezieux macht. Die Verbindungen unserer beider Städte waren schon sehr stark, heute sind noch enger geworden, sichtbar für alle.

Und er ist schön!

Stellen wir uns die Arbeit vor, die von einer Gruppe von Freiwilligen verrichtet wurde vom Fällen des Baumes an bis zum jetzigen Zeitpunkt, den wir gemeinsam erleben. Aussuchen des Baumes im Wald, Fällung und das Entfernen der Äste, das Verbringen an einen sicheren Ort, Entfernung der Rinde, Hobeln, Schleifen, Trocknen, Streichen, nochmals Schleifen und nochmals Streichen!

Nicht zu vergessen das Begießen all dieser Etappen mit Bier, Bier und nochmals Bier. Und ich habe noch nicht die Aspekte von Kunst, Zeichnung, Schnitt, Bemalen und die dekorativen Einzelheiten, die zum Schmuck des Baumes dienen, angesprochen.

Wir stehen hier voller Bewunderung, Anerkennung und Entzücken gegenüber all denjenigen, die ihre Freizeit und ihren Schweiß geopfert haben, um uns dieses geschichtsbeladene und mit bayrischen Traditionen behaftete Geschenk zu machen.

Danke an alle, die die Idee hatten: an den Herrn Bürgermeister, lieber Helmut, an den Stadtrat, der die Idee bewertet hat und an die Mitglieder des Partnerschaftskomitees, die sich zu unseren Gunsten ins Zeug gelegt haben.

Und vor allem vielen Dank an die Mannschaft der jungen Leute, die die Tradition des Maibaums fortbestehen lässt und die nicht zögert, Grenzen auszulöschen. Danke an alle, die im Hintergrund die Fäden zogen, Dank an die Pferdekutscher, Musiker, Tänzer, Begleiter und Bierausschenker. Danke für die viele Arbeit und für die Freundschaft die ihr uns damit beweist.

Dieser Tag wird eingraviert in die Annalen unserer Partnerschaft und wird für lange Zeit ein starkes Zeugnis der Freundschaft sein, das unsere beiden Städte verbindet.

Es mögen leben Bayern, die Charente, Barbezieux, Wolfratshausen. Lasst uns unsere Freundschaft feiern.

René Vignerie

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