Meisterhafter Unsinn:
Kongeniales Jazz-Duo in der Loisachhalle
Von Thekla Krausseneck
Die perfekte Symbiose aus Comedy und Jazz ist den Besuchern der Loisachhalle am Freitag geboten worden: Drei kurzweilige Stunden lang unterhielt das Duo Georg Breinschmid (Bass) und Thomas Gansch (Trompete) sein Publikum, das selbst gegen 23 Uhr noch nicht genug von den kongenialen Wienern hatte und nach der ersten und zweiten sogar noch eine dritte Zugabe forderte.
Meisterhafter Jazz gepaart mit wohldosiertem Unsinn: Selten war ein Jazz-Konzert so von Witz geprägt. Die beiden Niederösterreicher standen noch nicht einmal zehn Minuten auf der Bühne, da hatten sie sich schon in die Herzen ihrer Zuhörer geschlichen. Zum einen mit Stücken, die kaum fassen ließen, dass man es mit nur zwei Instrumenten zu tun hatte: Die Trompete – Gansch spielte sie mal einhändig, mal nahm er noch eine zweite hinzu – trippelte, schrie, floss und swingte; der Bass wurde gezupft, gestrichen, diente als Trommel, konnte sogar knarren wie ein Holzboden, wie Breinschmid unter Beweis stellte. Bestechend: dieser unwiderstehliche Charme. „Und wenn Sie gehen wollen, kein Problem, einfach a CD mitnehmen“, sagte Gansch zu Beginn mit ernster Miene. Das Publikum lachte – und blieb natürlich sitzen.
Die Zeit vergeht wie im Flug
Er dürfte selbst überrascht gewesen sein, als er am Ende des Abends mit einem Blick auf die Uhr feststellte, dass es bereits 23 Uhr war. Die drei Stunden waren im Flug gegangen, dank Geschichten wie dieser: Einmal seien sie mit der Big Band auf Reisen gewesen, „von zwei Uhr nachts bis vier Uhr nachmittags“, sagte Gansch. Wie man so eine Fahrt am besten überstehe? „Nur mit viel Alkoholkonsum.“ Der Busfahrer, ein „junger, kleiner, bayerisch-serbisch-stämmiger Wiener“, habe sich zu Beginn der Fahrt vor die Gruppe gestellt, ein bisschen breitbeinig, wie Gansch dem Publikum vormachte, und mit pendelnden Armen gesagt: „Speit mir bitte nicht in den Bus hinein, wir wissen alle, wer das dann wegputzen muss. Ihr seid sicher alles klasse Burschen, aber speit mir bitte nicht in den Bus hinein.“ Aus diesem Satz machte das Duo einen zum Brüllen komischen Song, zu dem das Publikum unter Gelächter mitklatschte.
„Wienerzysten – ein super Name für unser Duo“
Bevor es zu einem weiteren Stück aus dem niederösterreichischen Repertoire kam, philosophierten die Wiener über das Wort Austriazismen – als österreichisches Pendant zu den Anglizismen. Dabei entwickelte sich durch einen Versprecher das Wort Austriazysten, worauf eine Frau aus dem Publikum einwarf: „Wienerzismen!“, was als „Wienerzysten“ bei Breinscheid und Gansch ankam. Ein kurzer Blicktausch: „Eigentlich a super Name für unser Duo.“ Ein ums andere Mal erzählten sie anstelle einer Anekdote einen handfesten Witz: „Ein Mann geht zu einem Arzt und sagt, er denkt, er sei eine Motte. Der Arzt antwortet, er solle lieber zum Psychologen gehen. Der Mann sagt: Ich weiß, aber hier drinnen war Licht.“
Eine jazzige Version des Wiener Donauwalzers zum Abschluss
Dass bei so viel Komik die Musik nicht auf der Strecke blieb, war eine Kunst für sich. Mal langsam, mal flott, mal skurril, mal zum Lachen: Breinschmid und Gansch sprengten die Grenzen des Jazz, kreierten einen völlig neuen Stil, nahmen sich dabei selbst nicht zu ernst und brachten doch einen Auftritt auf die Bühne, der einen ernsten Vergleich mit anderen Jazz-Größen nicht scheuen musste. Immer wieder nahmen sich die beiden selbst auf die Schippe, indem sie ihre Stücke als klassische Meisterwerke ankündigten – bis sie zum Schluss tatsächlich eine jazzige Version des Wiener Donauwalzers spielten.
Nachvollziehbar, dass das Publikum noch drei Zugaben verlangte. Zwar bekam es nur zwei, die Absage der dritten Zugabe verzieh es Breinschmid und Gansch jedoch sofort. Denn als die ein letztes Mal auf die Bühne traten, sagten sie: „Wir werden nichts mehr spielen – versprochen“, und verbeugten sich dafür. „Aber jeder nur ein einziges Mal!“












