Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald
Als dynamischen Begegnungsort nutzen
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen, 9.4.2015 – Ein umfassendes Nutzungskonzept und Kostenschätzungen für den Bau einer Begegnungsstätte präsentierten die „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ am Mittwochabend im evangelischen Pfarrsaal in Waldram. Bürgermeister Klaus Heilinglechner und zahlreiche Stadträte waren vor Ort und lobten das Engagement des fast 300 Mitglieder zählenden Vereins. Noch im April sollen im Rathaus die Weichen für die Verwirklichung des rund 1,63 Millionen Euro teuren Projekts gestellt werden.
Moderne Erinnerungsstätte für Jung und Alt
„Das soll kein starres Museum, sondern ein lebendiger Begegnungsort werden“, schickte Sybille Krafft voraus. Die Vorsitzende des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ hat zusammen mit dem Geretsrieder Architekten Martin Bruckner und Franziska Forster ein umfassendes Nutzungskonzept erarbeitet, das sie Stadträten und Vereinsmitgliedern im evangelischen Gemeindesaal von Waldram präsentierte. Demnach soll das historische Badehaus im Wolfratshauser Ortsteil Waldram zu einem modernen Erinnerungsort für die jüngere Geschichte der Region werden. In den Ausstellungsräumen des Erdgeschosses stehen vier Zeitschichten im Mittelpunkt: Beginnend von der Nutzung des Badehauses als nationalsozialistisches Arbeitslager für die nahegelegenen Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst in den Jahren 1939/40 über den KZ-Todesmarsch 1945 und das Camp für jüdische Displaced Persons (DPs) bis hin zur Siedlung für Heimatvertriebene in den 1950er und 1960er Jahren soll ein umfassendes Bild zur Geschichte des einstigen Lager Föhrenwalds entstehen. Geplant ist zudem ein zentraler Begegnungsraum, der für Vorträge, Zeitzeugengespräche, Filmvorführungen, Schüler- und Projektarbeiten vorgesehen ist.
Im Zuge der Dachsanierung soll das Gebälk freigelegt werden, sodass ein einziger großer Raum entsteht. „Hier können neben einer Dauerausstellung auch Wechselausstellungen stattfinden“, erklärt Krafft. Zentrale Gestaltungsidee ist ein stilisierter Föhrenwald, der die „Stammbäume“ einzelner Lagerbewohner mit Fotos und Dokumenten sowie einer Audio- bzw. Videostation darstellt.
Um die Bürger mehrmals ins Badehaus zu locken, soll mit einem Schülerprojekt jedes Jahr eine neue Biografie erarbeitet und damit ein neuer Baum der Erinnerung gepflanzt werden. „Auf diese Weise wächst der mit Spenden einzelner Baumpaten finanzierte Föhrenwald kontinuierlich weiter“, erklärt Vize-Vorsitzender Wolfgang Saal. Über eine Treppe im zentralen Veranstaltungsraum erreichen die Besucher das Gartengeschoss, in dem einst ein jüdische Ritualbad – die sogenannte Mikwe – untergebracht gewesen sein soll. Hier wäre Platz für die Dokumentation von filmischen und akustischen Zeitzeugenaussagen.
Badehaus-Verein hofft auf Städtebaufördermittel
Die vier notwendigen Bauabschnitte werden nach Einschätzung des Badehausvereins mindestens zwei Jahre beanspruchen. Die Gesamtkosten – inklusive Innenausstattung – werden auf rund 1,63 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt Wolfratshausen willigte bereits Ende 2013 ein, das Projekt mit einem Zuschuss von 500.000 Euro zu unterstützen. Zudem könnte die Städtebauförderung 60 Prozent der Baukosten (ohne Innenausstattung übernehmen) – das wären im günstigsten Fall 805.000 Euro. Weitere Fördertöpfe wären die Bayerische Landesstiftung, die Kulturstiftung Oberbayern, die Bayerische Gedenkstättenstiftung und die Landesstelle nichtstaatlicher Museen, sodass die Eigenleistung des Vereins sich auf überschaubare 60.000 Euro reduzieren würde.
Zweiter Bürgermeister Fritz Schnaller forderte deshalb die versammelten Stadträte auf, bei der nächsten Stadtratssitzung am 21. April eine wegweisende Entscheidung für die Übereignung des Badehauses an den Verein und die Beantragung von Fördermitteln zu treffen. Denn im nächsten Jahr seien die Gelder der einzelnen Stiftungen vielleicht nicht mehr in vollem Umfang vorhanden. Das Objekt selbst soll sich in der Nutzungsphase durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Eintritte und Mieteinahmen für den Veranstaltungsraum und die beiden Räume im Gartengeschoss tragen.
Vorstandsmitglieder in Ämtern bestätigt
Am Ende der dreistündigen Versammlung wurde Sybille Krafft als Vorsitzende des Badehaus-Vereins per Akklamation in ihrem Amt bestätigt. Ihr zur Seite stehen Vize-Vorsitzender Wolfgang Saal, Schriftführerin Eva Greif, Schatzmeister Harald Stebner, die Kassenprüfer Bernhard Reisner und Wolfgang Weichlein sowie die Beiräte Paul Brauner, Martin Bruckner, Thomas Heider und Werner Henschelchen.
Fotos: Peter Herrmann









