Das Magazin für das Bayerische Oberland

München in Indien

Walter Steffen dreht in Koproduktion mit dem Bayerischen Fernsehen sein neues Filmprojekt „München in Indien“. Die Uraufführung wird voraussichtlich im Juli 2012 zu sehen sein.

Der Dokumentarfilm „München in Indien“ erzählt die Geschichte des Kunstmalers Hannes Fritz (1896-1981), der als Künstler Fritz München zeichnet. München bereist den indischen Subkontinent und wird dabei zum gefragten Hofmaler der Maharajas.

Konstantin Fritz ist der Enkelsohn des Malers und Protagonist des Films. Fritz hat Momentaufnahmen des aktuellen Indienaufenthaltes geschickt:

„Gestern interviewten wir für Walter Steffens Filmprojekt „München in Indien“ Preneet Kaur, die indische Staatministerin für Auswärtige Angelegenheiten und gleichzeitig Maharani von Patiala. Dass wir diesen Interviewtermin bekommen haben, grenzt an ein Wunder: Preneet Kaur ..., befindet sich bis Ende Januar im Wahlkampf für ihren Mann. Der Maharaja von Patiala kämpft wieder um den Posten des Ministerpräsidenten von Punjab. So gesehen ist er in der direkten Folge seines Vaters, des letzten Maharajas von Patiala, den mein Großvater Hannes Fritz-München im Jahr 1934 malte (siehe Foto) und der [als] der mächtigste Mann im ganzen Punjab [galt] – bis zu Unabhängigkeit Indiens 1947. Die Maharani gewährte uns Zugang zum alten Palast, den seit Jahrzehnten kein Mensch mehr betreten durfte. Wir konnten spektakuläre Aufnahmen schießen.

In Koproduktion mit dem Bayerischen Fernsehen filmen wir jetzt schon seit einer Woche auf dem Subkontinent „München in Indien“. Der Dreh entwickelt sich besser, als wir je zu hoffen wagten. Nach dem Besuch der Buddhistischen Höhlen in Karla sowie dem Goldenen Tempel in Amritsar war die „München in Indien“-Crew u.a. zwei Tage Gast des Maharajas von Kapurthala. Dieser wahrhaft königliche Maharaja hat uns weiterempfohlen an die Maharani von Patiala Preneet Kaur. Auch in Faridkot, einem weiteren ehemaligen indischen Fürstenstaat, bekamen wir durch Empfehlung des  Maharajas von Burdwan exklusiven Zugang zum Palast. In einigen Tagen empfängt uns der Maharana von Udaipur, der höchste  der indischen Maharajas, zu einem exklusiven Interview.“

München in Indien – Inhalt

Der 90-minütige Dokumentarfilm „MÜNCHEN IN INDIEN“ erzählt die Geschichte des Kunstmalers Hannes Fritz (1896-1981), der mit 28 Jahren sein bürgerliches Leben als Bankbeamter aufgibt, um an der Münchner Akademie der Künste Malerei zu studieren. Er findet Zugang zum Künstlerkreis der „Münchner Schule“ mit ihrer postromantischen Prägung und signiert mit Fritz München. Zwischen 1932 und 1937 bereist Fritz München den indischen Subkontinent, wird dabei zum gefragten Hofmaler der Maharajas und gelangt zu Ruhm und Wohlstand.

Zu gleicher Zeit errichten die Nationalsozialisten ihr Terrorregime, verfolgen, inhaftieren und ermorden Tausende politisch Andersdenkender und „entartete“ Künstler. In 22 deutschen Universitätsstädten erheben Bücherverbrennungen die Intoleranz und die Diskriminierung zu geistigen Heldentaten. Überall im Land entstehen Konzentrationslager. 1935 werden die Nürnberger Rassengesetze verabschiedet und Hitler bereitet den zweiten Weltkrieg vor.

Aufgrund der zunehmenden Spannungen zwischen Nazi-Deutschland und England kann Fritz München ab Ende 1937 nicht mehr in Indien arbeiten. Er bleibt in Bayern und tritt in die NSDAP ein, in der Hoffnung so an Aufträge zu gelangen – ohne Erfolg. Der Maler fällt in kleinbürgerliche Bedeutungslosigkeit und kämpft um das Überleben seiner Familie. Dabei zieht er sich zunehmend in seine indische Fantasiewelt zurück. Dieser innere Rückzug dauert bis zum Tod des Künstlers im Jahr 1981.

Der Film „München in Indien“ erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen und doch exemplarischen Künstlerschicksals des 20. Jahrhunderts. Dabei geht er der elementaren Frage nach, die sich der Enkelsohn des Künstlers, Konstantin Fritz, zu Beginn des Filmes stellt: „Warum verbrachte mein Großvater mehr als die Hälfte seines Lebens in einer Traumwelt?“ Eine Frage, die keine einfache Antwort zulässt. Deshalb begibt sich das Filmteam zusammen mit dem Enkel auf eine filmische Suche nach den Spuren von Fritz München – von der Pfalz über München und den Starnberger See nach Indien, von 1896 bis in das Jahr 2011.

Eine Suche nach den Wurzeln des Künstlers und nach seinen verschollenen Bildern. Dabei geben die historischen Tagebücher und Briefe von Fritz München die Ziele vor, kommentieren die Reisewege und führen zu den heutigen Interviewpartnern: Nachfahren des Malers und denen der indischen Maharajas, Menschen auf der Straße, Kunsthistorikern und anderen. Fragen zur Deutsch-Indischen Geschichte und der besonderen Beziehung der Nazis zu den Geheimlehren und Symbolen der indischen Religionen. Reflektionen über Zivilcourage und Opportunismus. Grundlegende Fragen zur menschlichen Identität und zur künstlerischen Integrität angesichts tief greifender politischer und sozialer Umbrüche.

Fotos: Karam und privat (Konstantin Fritz)

München in Indien ist eine Produktion der Konzept+Dialog.Medienproduktion mit dem Bayerischen Fernsehen, Redaktion „Film und Teleclub“, Hubert von Spreti

Weitere Infos unter www.muenchen-in-indien.de, unter www.facebook.com/munichinindia, unter www.fritz-muenchen.de