FILM
„München in Indien“ von Walter Steffen ab 3.1. im Kino
„München in Indien“ von Walter Steffen erzählt die Geschichte des deutschen Kunstmalers Fritz-München. Als die Nazis in Deutschland die Macht übernehmen, bereist er zwischen 1932 und 1937 den indischen Subkontinent und wird zum einzigen deutschen Hofmaler der Maharajas.
Konstantin Fritz, sein Enkelsohn, sucht nach den Spuren von Fritz-Münchens märchenhaften Abenteuern und seinen vergessenen Bildern im heutigen Indien. Dabei lässt er sich von den Tagebucheinträgen und den einzigartigen, historischen 16mm-Filmaufnahmen seines Großvaters führen.
„München in Indien“ ist die Geschichte eines außergewöhnlichen Künstlers und seinem abenteuerlichen Leben. Dabei verwebt der Film die deutsche und indische Geschichte von 1932 bis 1948, vermittelt einen direkten Einblick in das vielfältige, pulsierende, faszinierende Indien von heute und wird damit zu einem spannenden Vergleich zweier Kulturen im historischen und gegenwärtigen Kontext.
Vorbemerkung des Regisseurs Walter Steffen
Vor einigen Jahren erzählte mir Wolfdieter Fritz die Geschichte seines Vaters, dem Kunstmaler Hannes Fritz-München. Es war die Geschichte eines Menschen, der während der Inflation der 1920er Jahre seine sichere Stellung bei einer großen deutschen Bank aufgab, um dem inneren Ruf zum Künstler zu folgen. Als Porträtmaler fand er Zugang zu den indischen Fürstenhöfen, avancierte zum einzigen deutschen Hofmaler der Maharajas und kam zu Ruhm und Wohlstand. Um als Künstler seine Familie in Deutschland zu ernähren, versuchte er sich mit dem Nazi-Regime zu arrangieren – vergebens, weshalb er in Ungnade fiel. Die Folge: Künstlerische Bedeutungslosigkeit und Armut. Nach dem Krieg suchte Fritz-München neue Auftraggeber in seiner ursprünglichen Heimat und fand sie bei den pfälzischen Winzern.
Die Geschichte Fritz-Münchens ist die Geschichte eines klassischen Helden, sie erzählt von seinem schnellen Aufstieg, von seinem tragischen Fall und findet schließlich ihr Happy End. Das Leben Fritz-Münchens und vor allem seine Entscheidung, der inneren Stimme zu folgen, sind für mich beispielgebend. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der eigentlichen Bestimmung des Menschen im Sinne eines erfüllten Daseins. Kann es tatsächlich die wichtigste Lebensaufgabe sein, den herrschenden gesellschaftlichen Anforderungen zu entsprechen oder ist es sinnvoller, seine individuelle Berufung zu finden, ihr zu folgen und seinen eigenen Weg zu gehen – trotz aller Unsicherheit, so wie es Fritz-München tat?
Die Filmaufnahmen und Fotografien, mit denen Fritz-München seine Schaffensreisen durch Indien dokumentierte, sind einzigartige, bisher unentdeckte historische Dokumente. Zwischen 1932 und 1937 fing Fritz-München mit einer 16mm-Kamera sowohl das Leben an den feudalen Fürstenhöfen wie auch das Leben der einfachen, indischen Bevölkerung ein. Er begleitete mit seiner Kamera Mahatma Gandhi und filmte die britischen Kolonialherren bei ihren Pferderennen und Galadiners. Neben all dem dokumentierte Fritz-München auch seine Arbeit als Portraitmaler, inszenierte sich selbst und die Maharajas vor der Kamera – immer mit einer guten Portion Humor und Selbstironie.
Diese filmische Arbeit Fritz-Münchens musste der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden! Ich wollte, koste es was es wolle, seine einmaligen historischen Filmdokumente den Bildern des heutigen Lebens auf dem indischen Subkontinent in einem Dokumentarfilm gegenüberstellen. Gemeinsam mit Konstantin Fritz, dem Enkelsohn des Malers, begab ich mich auf filmische Spuren- und Bildersuche: Vom Geburtsort Fritz-Mü nchens in der Pfalz über Heidelberg und München – bis nach Indien.
In der Vorbereitung des Films schrieben wir unzählige Mails und führten endlose Telefonate, bis wir schließlich die ersten Kontakte zu den Nachfahren der Maharajas herstellen konnten, die Fritz-München portraitiert hatte. Ein alter Reisekoffer, gefüllt mit hunderten von S/W-Fotos, vor allem aber mit den Briefen und Tagebüchern Fritz-Münchens gab uns die Reiseroute vor, der wir während unserer Dreharbeiten im heutigen Indien folgten. So entstand – 80 Jahre nachdem Fritz-München zum ersten Mal den indischen Subkontinent bereiste – ein Film, den ich selbst als “Dokumentarischen Roman” bezeichne. Ein Film, bei dem es mein Anliegen war, das abenteuerliche Leben des Künstlers Fritz-München möglichst authentisch nachzuzeichnen – ein Leben zwischen 1001 Nacht und dem Dritten Reich – und es gleichzeitig mit der Wirklichkeit des heutigen Indien zu verbinden.
Ich möchte Fritz-München aus der Vergangenheit in die Gegenwart holen, damit er mit seinem Mut und seinem festen Glauben an sich uns heute ein Beispiel sein kann.
Inhalt und Intention
Der Film „München in Indien“ erzählt die Geschichte des abenteuerlichen Lebens und Wirkens des Portraitmalers Hannes Fritz-München. Als Johannes Adam Fritz wird er 1896 in der Pfalz geboren und absolviert als junger Mann eine Banklehre.
Im Jahr 1925 gibt er sein gesichertes, bürgerliches Leben als Bankangestellter auf, verlässt Heidelberg, beginnt an der Akademie der Bildenden Künste in München zu studieren und signiert seine Bilder von nun an mit „Fritz-München“. Nach seinem Studium reist er ab 1928 mit Palette und Staffelei durch Europa, Nordafrika und nach Südamerika. Nach seiner Rückkehr verliebt sich Fritz-München in die Tänzerin Editha Wölfl und verspricht ihr eine Hochzeitsreise durch den indischen Subkontinent. Im Januar 1932, nur wenige Tage nach ihrer Vermählung, setzt das junge Paar von Marseille nach Bombay über. Auf der Überfahrt portraitiert Fritz-München den Maharaja von Baroda, der ihm ein Empfehlungsschreiben ausstellt - dieses öffnet dem Künstler die Türen zu den Palästen der indischen Fürsten. Fritz-München avanciert zum gefragten Hofmaler der Maharajas und der englischen Kolonialherren. Es folgen fünf weitere Schaffensreisen durch Indien zwischen 1933 und 1937, die Fritz-München in Tagebüchern und Briefen, vor allem aber mit einzigartigen 16mm-Filmaufnahmen sowie hunderten Fotografien dokumentiert. Zur gleichen Zeit übernehmen Hitler und die Nationalsozialisten innerhalb weniger Monate die Macht in Deutschland. Im ganzen Land finden Bücherverbrennungen statt, „entartete“ Künstler werden verfolgt und verhaftet oder flüchten ins Exil. Die ersten Konzentrationslager entstehen, die Nürnberger Rassengesetze werden verabschiedet und Hitler plant den Zweiten Weltkrieg. Als Fritz-München im April 1937 von seiner letzten Indienreise zurückkehrt, hat sich Deutschland dramatisch verändert. Der Maler arrangiert sich mit dem Regime, wird Parteimitglied in der NSDAP, in der Hoffnung so an Aufträge zu gelangen und für die wirtschaftliche Sicherheit seiner Familie sorgen zu können. Doch der Erfolg bleibt aus. Bei einem Künstlertreffen in München sagt der Maler seine Meinung über das Terror-Regime der Nazis, wird denunziert und schließlich als unbewaffneter Hilfssoldat an die Ostfront geschickt. Es ist ein Todeskommando der Nazis, das der Künstler wie durch ein Wunder überlebt.
Nach dem Krieg konserviert der Künstler seine indische Traumwelt in seinem Künstlerhaus am Starnberger See. Neben dem Atelier richtet er einen „Indischen Salon“ ein, in dem er Freunde empfängt und indische Feste in Originalkostümen feiert. Als Porträtmaler des neu aufstrebenden Bürgertums hält sich Fritz-München über Wasser. Seine Auftraggeber findet er vor allem in der Pfalz, seiner ursprünglichen Heimat. Dort gibt es kaum einen Winzer, der sich nicht von ihm malen lässt. Nach einem abenteuerlichen und schaffensreichen Leben stirbt Fritz-München im Jahr 1981.
Mehr als 50 Jahre später wächst Konstantin Fritz, der Enkelsohn des Malers, im Künstlerhaus am Starnberger See auf. Als Kind lauscht Konstantin andächtig den fantastischen Geschichten aus den indischen Palästen, von den Begegnungen mit den Maharajas, den Prinzen und Prinzessinnen. Fasziniert schaut er sich die historischen Filmaufnahmen von Indien an, die sein Großvater in den 1930er Jahren gedreht hat. Doch was steckte wirklich hinter den märchenhaften Geschichten? Welche Haltung hatte sein Großvater? Was hielt er von dem Begriff der „Entarteten Kunst“ und vom Terror des Nazi-Regimes? Und wie konnte er Indien zu dieser Zeit nur durch eine rosarote Brille sehen? Um diese Fragen zu beantworten, begleitet der Dokumentarfilm MÜNCHEN IN INDIEN Konstantin Fritz bei der Suche nach den Spuren seines Großvaters und nach dessen vergessenen Gemälden durch das heutige Indien. Konstantin Fritz lässt sich dabei von den Tagebuchaufzeichnungen, vor allem aber von den einzigartigen historischen 16mm-Aufnahmen und Fotografien seines Großvaters leiten und kontaktiert die Nachfahren der früheren Maharajas.
In Interviews mit den Söhnen des Malers sowie mit dem renommierten Kunsthistoriker Dr. Walter Grasskamp erkundet der Film gleichzeitig die Haltung Fritz-Münchens zu den politischen Umbrüchen seiner Zeit und zu seinem Leben als Künstler im Dritten Reich.
So folgt MÜNCHEN IN INDIEN den Spuren Fritz-Münchens von der Pfalz über Oberbayern ins koloniale und heutige Indien, diesen vielfältigen, faszinierenden Subkontinent voller Gegensätze, und wird damit zu einem spannenden Vergleich zweier Kulturen im historischen und gegenwärtigen Kontext. Zugleich dokumentiert der Film eine außergewöhnliche Familiengeschichte und zeichnet das Porträt eines abenteuerlichen Künstlers im Spannungsfeld zwischen „Entarteter Kunst“ und Romantik.
Mitwirkende
Hannes Fritz-Munich
Editha Fritz-Wölfl
Konstantin Fritz
Hansreiner Fritz
Wolfdieter Fritz
Hajo Fritz
Dr. Walter Grasskamp
Maharana Shriji Arvind Singh Mewar of Udaipur
Maharaja Sukhjit Singh of Kapurthala
Dr. Subhash Parihar
Maharani Preneet Kaur of Patiala
Amrut Modi
Manharsinh Jadeja
„München in Indien“ ist eine Produktion der Konzept+Dialog.Medienproduktion mit dem Bayerischen Fernsehen, Redaktion „Film und Teleclub“, Hubert von Spreti
Weitere Infos unter www.muenchen-in-indien.de, unter www.facebook.com/munichinindia, unter www.muenchen-in-indien.de









