Krimilesung mit Georg Unterholzner im Bergwald-Theater in Wolfratshausen
Mördergeschichten im finsteren Wald
von Andrea Weber
So richtig gruselig wurde es nicht, dafür umso humorvoller und heimatverbunden. Georg Unterholzners Mördergeschichten sind auch keine Thriller zum Fürchten, sondern erinnern eher an die Lausbubengeschichten eines Ludwig Thoma, nur moderner und regional auf Wolfratshausen und dessen Umgebung bezogen.
Gut einhundert Krimifans waren am Freitagabend gekommen und hatten sich mit Decken und heißem Tee gegen das aufsteigende Wald-Frösteln gewappnet. Das Bayerische Fernsehen zeichnete die Lesung mit musikalischer Begleitung der „Killercombo“ für ein Porträt über den gebürtigen Deininger Autor auf, das demnächst unter der Reihe „Vom Spessart bis zum Karwendel“ gesendet werden soll.
Vom Dasticka, Dahänga bis zum Dawürgn
Dreihundert Krimis habe der Max als 14-jähriger Bub gelesen, darunter Klassiker wie den „Mord im Orientexpress“ und fünf Exemplare von Agatha Christi. Das habe ihn zum Ermittlungsexperten gemacht, stellte Autor Unterholzner seinen Hauptprotagonisten Max vor. „Er kenne alle Methoden, vom Dasticka, Dahänga bis zum Dawürgn“. Wo es eine Leiche zwischen Wolfratshausen und München gebe, da seien Max und sein Spezi Kaspar die ersten vor Ort. Es sind keine spektakulären Mordfälle, eher solche mysteriösen Unglücksfälle, wo sich schnell herausstellt, dass jemand die Finger im Spiel haben musste. Zum Beispiel liegt der tote Zivi im Wohnzimmer der Elli, die im Rollstuhl sitzt. Zwei Tote, die keiner vermisst, werden oben am Jochberg im Bachgraben gefunden. Und schließlich lauschen Max und Kasper zufällig dem intriganten Erbschaftsstreit um den alten Hof vom „Kandlbinder“. Doch die Auflösung der Fälle bekam das Publikum bei der Lesung natürlich nicht zu hören. Georg Unterholzner präsentierte verständlicherweise nur Auszüge aus seinen bisher veröffentlichten vier Büchern „Die dritte Leich, „Schlachttage“, „Mörderlatein“ und „Die Gezeichneten“. Er führte mit bildhaften Beschreibungen sein Publikum ins ländliche Mörder-Milieu und amüsierte mit witzigen und urbayerischen Dialogen.
Georg Unterholzner ist ein fabelhafter Erzähler und Schauspieler
Georg Unterholzner, der normalerweise als Amtsveterinär beim Tölzer Landratsamt arbeitet, ist ein fabelhafter Erzähler und Schauspieler. Er wechselte flink die Rollen und erweckte die Charaktere mit Betonung und Temperament zum Leben. Zwischen den einzelnen Handlungen spielte die eigens für den Abend arrangierte „Killercombo“ – aus Sohn Georg Unterholzner jun. (Gesang und Horn), Musiker und Chorleiter Roland Hammerschmied (Gesang und Trompete) aus Geretsried und sein Sohn Marius am Schlagzeug. Immer mit der richtigen Melodie leiteten sie die Textpassagen ein.
„Wir müssen die kleinen Kulturveranstaltungen schätzen.“
Nirgendwo anders hätte diese Krimi-Nacht besser gewirkt, als in der schön-schaurigen Umgebung der Wolfratshauser Bergwaldbühne. Für ihren Erhalt plädierte Kulturreferent Wiggerl Gollwitzer. Landrat Josef Niedermaier ist der Meinung, dass in Wolfratshausen, entgegen der öffentlichen Meinung, doch viel kulturell geboten sei. „Wir sind nur leider oft vom extremen Überangebot übersättigt, umso mehr müssen wir die kleinen Kulturveranstaltungen schätzen.“
Fotos: Andrea Weber, Fenny Rosemann
Bilderserie – Krimilesung mit Georg Unterholzner im Bergwald-Theater in Wolfratshausen













