Öffentliche Probe „Kälberbrüten“ in der Kulturbühne Hinterhalt in Geretsried-Gelting
Das bisschen Haushalt
Von Andrea Weber
Geretsried-Gelting, 25.5.2015 – Seit drei Monaten probt Theatermacher Wolfgang Ramadan und sein Ensemble in der Kulturbühne Hinterhalt das neue Stück „Wer ko, der ko – Kälberbrüten“. Einen der Probenabende haben sie nun öffentlich gemacht und 40 Asylbewerber aus Geretsried dazu eingeladen. Wenn Menschen, die in ihrem Alltag nicht viel Fröhlichkeit erfahren, einen Abend lang ausgelassen lachen können, dann hat man wohl nichts falsch gemacht. Gemeinsam mit einheimischen Gästen haben sie den herrlich komischen Slapstick-Klamauk um den häuslichen Rollentausch von Mann und Frau sichtlich genossen.
Das turbulente Bühnenstück, in dem Leitern kippen, Geschirr fliegt, Blut fließt, basiert auf der gleichnamigen Geschichte des Nürnberger Schuhmachers und Dichters Hans Sachs aus dem 16. Jahrhundert. Wolfgang Ramadan hat daraus ein Bühnenspektakel in bester Buster Keaton-Manier gezaubert und mit bayerischer Mundart versehen. Es ist so spektakulär und ausdrucksstark gespielt (in den Hauptrollen mit Mane Abholzer, Hermann Paetzmann und Sabine Maiß), dass man beim Zusehen schon ins Schwitzen kommt und wie einst in der guten alten Stummfilmzeit, auch ohne Worte respektive in diesem Fall auch ohne deutsche Sprachkenntnisse versteht, was gespielt wird.
Es gibt auch noch Gutes
Deshalb hatten sich Wolfgang Ramadan, die Wolfratshauser Künstlerin Gabriele Hüttl und der KIL-Kulturverein Isar-Loisach überlegt, an einem der Probenabende Asylbewerber aus Geretsried einzuladen, um sie für ein paar Stunden aus der Tristesse ihres Wohnheims zu holen. „Bei aller Not und Dramatik der gegenwärtigen Flüchtling-Situation, möchten wir zeigen, dass es auch noch Gutes gibt“, sagt Ramadan. Und sie kamen gerne, einige aus Kamerun, aus dem Kosovo, aus Syrien, Albanien, dem Kongo und Pakistan, und amüsierten sich sichtbar über den absurden Klamauk, der von Minute zu Minute zu einem rasanten Bühnen-Desaster führte.
Spaß, Spannung und Spontanität
Zum Inhalt: Bauer Mane muss Kind hüten, kochen und Haushalt führen. Ein Kinderspiel, seiner Meinung nach. Doch dann kommt eines zum anderen oder besser gesagt alles auf einmal – und Mane und sein Knecht Herrmann verlieren zusehends die Kontrolle über Haus und Hof. Am Ende ertrinkt ein Kalb im Gülleloch und eine geniale Idee muss her, um das fatale Missgeschick vor der Holden zu verbergen. Hina Afzal aus Pakistan habe das abgedrehte Bühnenstück sehr gefallen, sagt sie nach der Vorstellung. „Die Zwistigkeiten zwischen Mann und Frau sind bei uns doch die gleichen.“ Spaß, Spannung und Spontanität machten diesen öffentlichen Probenabend zu einem echten Gaudi-Spektakel, dazu sorgte die Münchner X-Press Brass Band mit rasantem Funk für den passenden Start ins Stück, die mit Instrumenten unterm Arm geklemmt spontan gekommen waren. Und am Ende wollten die ausländischen Gäste dann doch mal genauer wissen, wie so ein echter Bayer zu dem Namen Ramadan kommt. „Ich war ein Waisenkind und wurde von einem Pakistani adoptiert“, verriet der Impresario mit den langen Haaren.
Premiere findet am 7. Juni im Kurpark Bad Tölz statt, danach finden Aufführung an allen Sonntagen im Juni, Juli und August statt, ebenfalls im Kurpark Bad Tölz, bei Regen im Kurhaus.
Fotos: Andrea Weber












