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Sabine Sauer und das Grassauer Blechbläser Quintett vertrieben mit einer musikalischen Lesung die Zeit „zwischen den Jahren“

Zwischen Erinnerung und Erwartung

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 31.12.2013 - Die längsten Nächte des Jahres haben die Phantasie der Menschen schon immer beschäftigt: Zwischen der Thomasnacht am 21. Dezember bis zu Dreikönig kämpft nach altem Volksglauben das Licht mit der Finsternis, das Gute mit dem Bösen. Kein Wunder also, dass in und um die Raunächte herum, der mystischen Zeit zwischen den Jahren, auch viel geschrieben wurde: Nachdenkliches, Melancholisches, Witziges, Freudiges. Und wann könnte die Zeit besser passen als jetzt, solche Geschichten zu hören? Folglich war es an Sabine Sauer, der bekannten BR-Moderatorin und Sprecherin, in der Loisachhalle witzige und nachdenkliche Lyrik und Prosa zu lesen und so dem Publikum „die Zeit zwischen den Jahren zu vertreiben“, wie sie sagte. Mal klang es noch Weihnachtlich nach in ihren Texten, mal wurde der Blick in die nahe Zukunft eines neuen Jahres geworfen. Und musikalisch begleitet wurde sie dabei vom Grassauer Blechbläser-Ensemble.

„Allerdings sind wir heute ein erlesener kleiner Kreis“, stellte Sabine Sauer beim Blick von der Bühne der Loisachhalle fest. Dass die Loisachhalle nicht voll besetzt war, war für Sauer jedoch kein Manko: „Bei den exquisiten Dingen ist es immer so, dass sie nur Einigen vorbehalten sind“, schlussfolgerte sie augenzwinkernd. In der Tat, Publikum und Protagonisten ließen sich davon nicht beeindrucken. Auch wenn die erste Amtshandlung eines der Musiker kurz verblüffte: Er nahm das große Alphorn, das auf der Bühne lagerte, einfach unter den Arm und ging. Allerdings nicht, um es wieder ins Auto zu packen, wie man kurz hätte befürchten können. Vielmehr nutzte der Musiker den ganzen Raum der Loisachhalle: Er stellte das Alphorn kurzerhand hinter dem Publikum auf, um dort dem Instrument die ersten Töne zu entlocken. Seine Kollegen auf der Bühne nahmen die Melodien auf, während der Alphorn-Bläser weiter den Raum auslotete. Durch den Hall im Raum erinnerte das tatsächlich ein bisschen an Täler, die von Gipfel zu Gipfel tonal überwunden wurden. Ein passender Auftakt also, stand doch der ganze Abend ganz in der Verbindung von Wort und Klang.

Erzählungen von der Lebensfreude, der Zeit und der Liebe

In ihren Lesepassagen hüllte Sauer die Anwesenden in eine sanfte Sprache, innig, klar akzentuiert und voller Ausdruck. Sie erzählte dabei dem Publikum unter anderem von drei weiteren Gästen, die neben den Heiligen Drei Königen dem Jesuskind im Stall von Bethlehem die Aufwartung machten: Die Lebensfreude, die Zeit und die Liebe. Zum Schmunzeln brachte sie die Zuhörer mit einer Geschichte über einen Mann, der beim Einkaufen eine „Krise namens Weihnachten“ durchmacht. Dazwischen las sie Gedichte und Essays wie die von Hermann Hesse über das Glück oder von Erich Kästner, wie es wäre, wenn das Jahr einen 13. Monat hätte. Zudem schürte Sauer die Empathie im Raum, als sie die Geschichte des erkältetsten Menschen der Welt vorlas – und prompt im Anschluss selbst einen Hustenanfall bekam, was zwar passte, aber trotzdem kein Regieeinfall war. Abgesehen davon verlieh ihre angenehme Lesart den Momenten der Erinnerung einen melancholischen Zauber, der Erwartung eine freudige Spannung. Und für den passenden, festlich-funkelnden Rahmen sorgte das Blechbläser-Quintett aus Grassau.

Musikalische Traditionspflege und neue Interpretation

Mit großer Dynamik balancierten sie geschickt auf dem schmalen Grat zwischen musikalischer Traditionspflege und neuer Interpretation. Werke wie das Rondo „Rundumadum“, Mozarts Variationen zu „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, Beethovens Variationen über „Tochter Zion“ oder „The Battle of Jericho“ leuchteten in ihrer Interpretation. Kurz: Ein erhellender und unterhaltsamer Abend, in dem Humorvolles wie Nachdenkliches, Volkstümliches wie Intellektuelles mit den Mitteln der leichten und berührenden Unterhaltung dargeboten wurde. Dafür gab es vom Publikum reichlich Applaus.

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