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Ausstellung „Schutzraum“ im Bunker Kerschlacher Forst

von Teresa Pieschacón Raphael

Kerschlacher Forst bei Pähl. Im dritten Untergeschoss eines ABC-Bunkers. Es ist dunkel und kalt. Der einzige Lichtpunkt im Raum 316 ist die Video-Projektion auf dem Boden, auf der man ein Herz sieht. Es liegt offen da, klopft ruhig, klar und regelmäßig im Sekundentakt dahin. Bald kommt ein weiteres Geräusch dazu, es ist das schwer stapfender Militärstiefel, die nicht nur klangliche, sondern auch visuelle Abdrücke hinterlassen. Allmählich gewinnen sie die Oberhand, verdichtet sich das Bild, bis es ganz schwarz wird. Beklemmung macht sich breit, wenn man auf die Video-Installation „Step by Step“ von Roman Woerndl blickt.

Ein „denkbar ungeeigneter“ und dennoch faszinierender Ort

Doch nicht nur hier. Wo man hin blickt: enge kleine Räume ohne Tageslicht, verwirrend, ein unterirdisches Labyrinth und ein denkbar „ungeeigneter Ort“ für eine Ausstellung, wie Woerndels Ehefrau, die Künstlerin, Malerin und Organisatorin der Ausstellung, Juschi Bannaski, denn auch einräumt. Und dennoch ist Bannaski fasziniert von dem Ort, den sie wählte, um darin die Werke von vierzig Künstlern zu präsentieren, und der wohl auch der Ausstellung ihren Namen gab: „Schutzraum“. Im Vorfeld gab es unter den Künstlern heftige Diskussionen. „Einige konnten und wollten nicht hier bleiben und schon gar nicht ihre Werke hier präsentieren“; schließlich sei es „der Wunsch eines malenden Menschen, seine Bilder an einem schönen Ort auszustellen“.

Kunst im ehemaligen Warnamt des Kalten Krieges

Die Mehrheit aber beschloss, auf die besonderen räumlichen und atmosphärischen Bedingungen eines dreigeschossigen ABC Bunkers zu reagieren, im übrigen eines von zehn Warnämtern für den zivilen Bevölkerungsschutz, wie sie in den Zeiten des Kalten Krieges, in den 60er Jahren, in ganz Deutschland in dichten Wäldern versteckt errichtet wurden. Einst für eine Belegschaft von 196 Personen ausgelegt, die hier Schutz gefunden hätten gegen Bomben aller Art und Feuerstürmen, finden nun Bilder, Videos, Installationen und Skulpturen von Künstlern unterschiedlichster Generationen ein vorübergehendes Zuhause. Sie hängen an Wänden neben Leitungen, die einst den Klima- und Lüftungsanlagen dienten, stehen in Kühl- und Vorratskammern, Aufenthalts- und Schlafräumen oder nebst der Schaltzentrale; doch alle sie finden ihren „Schutzraum“ in der vertrackten Innenarchitektur des Gebäudes, mit seinen drei Meter dicken Mauern und Wänden.

„Schutzraum“ psychologisch gedeutet

„Schutzraum“ wird hier vorwiegend psychologisch gedeutet, weniger politisch: Sei es bei der in einem Rahmen gefassten eingeschweißten Gebärmutter einer Kuh von Daniela Antonacci (Raum 319), den esoterisch angehauchten Nacht-Lichtpunkten von Petra Schäfer (Raum 308), den echten Straußeneiern von Andrea Hildenbrand (Raum 304), der religiös inspirierten Kunst von Katharina Bocksberger (Raum 322) oder den abstrakten Bilder von Petra Wanders (Raum 205) sowie den Drahtmenschen von Waldemar Winckel (Raum 330).

Plakativ explizit die Politik anprangernde Kunst oder „Betroffenheitskunst“ findet sich hier nicht, sagt Roman Woerndl. „Auch ich will mich nicht vor einem politischen Karren spannen lassen“, betont er. Amüsiert hätte allerdings schon ein ironisch künstlerischer Seitenblick auf den Umstand, dass im Bunker, der in den Neunzigern in Privatbesitz ging, im Jahre 2001 kurzfristig die neuen Euros gelagert wurden.

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Roman Woerndl: Step by Step (Video-Bodenprojektion)

Fotos: Fenny Rosemann