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Senta Berger und der Wolfratshauser Kinderchor in der Loisachhalle.

Entschleunigter, zauberhafter Abend wider jede Weihnachtstümelei

Von Claudia Koestler

Wolfratshausen, 9.12.2013 - Ganz klar, es ist eine besondere Zeit, der Advent. Doch was Kindern erwartungsfrohen Glanz in die Augen zaubert, verursacht den Erwachsenen oft Stress. Dabei ist alles so einfach. Denn das Zauberwort heißt: Entschleunigung. Raus aus der Hektik, rein in die Besinnung. Genau ein solcher Ruhepol inmitten des Alltagstrubels war die Weihnachtslesung mit Senta Berger und musikalischer Begleitung durch den Wolfratshauser Kinderchor in der Loisachhalle.

Engagierte Liebe zum gemeinschaftlichen Gesang

Gemeinsam präsentierten sie dem Publikum ein Programm voll leise jubelnder Vorfreude, spürten aber auch den melancholischen Momenten dieser Zeit nach. Selten gehörte Weisen waren da aus den Kehlen der jungen Wolfratshauser Sängerinnen und Sänger zu hören, aber natürlich durfte auch das weihnachtliche Standard-Repertoire nicht fehlen. Und doch klangen die altbekannten Lieder hier ganz anders als in der Kaufhausbeschallung, etwa „Lasst uns froh und munter sein“, „Felice Navidad“ oder „Morgen, Kinder, wird’s was geben“. Dazu Preziosen wie „Benedikamus“ aus dem Kölner Gesangsbuch, „Da drobn auf dem Berge“ aus der Steiermark, Franz Graf von Poccis „Von Osten strahlt ein Stern herein“ oder William Byrds „Memento Salutis Auctor“. Äußerst präzise, pointiert und dynamisch gelang es den jungen Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Joshihisa Kinoshita auch mit weiteren chorischen Tugend zu punkten: Mit dem emphatischen Ausdruck und der engagierten Liebe zum gemeinschaftlichen Gesang, was für das Publikum hör- und spürbar wurde. Von besonderem Reiz war auch das feinsinnig-virtuose Spiel der Harfinistin Monika Schmidt dazu.

Weihnachtsgeschichten brachten das Auditorium zum Schmunzeln und zum Nachdenken

Doch natürlich lag der Fokus vor allem auf der Lesung der Schauspielerin und Rezitatorin Senta Berger. Vor fast vollem Haus trat Berger ganz umprätentiös auf die Bühne, nahm an einem kleinen Tischlein Platz und begann zu lesen. Und wie sie las: Sofort zog sie die Zuschauer mit ihrer Ausstrahlung, ihrem Charme in ihren Bann. Aus den Prosatexten machte Berger zudem fast kleine Theaterstücke. Manchmal mit verschmitzter, erzählender Distanz, mal in empathischem oder kraftvollem Duktus ließ die Schauspielerin mit der markant-angenehmen Stimme die Geschichten und Personen lebendig werden. Die von ihr so einfühlsam vorgetragenen Weihnachtsgeschichten brachten das Auditorium dabei ebenso zum Schmunzeln wie zum Nachdenken. Und sie berührten, die Geschichten wie „Noch einmal ein Weihnachtsfest“ von Theodor Fontane, „Maria schreibt Elisabeth“ von Rudolf Hagelstange oder „Der eigensüchtige Riese“ von Oscar Wilde.

Senta Bergers Kindheitserinnerungen zum Fest

Ein ganz besonderer Höhepunkt, als Berger das Publikum mitnahm hin zu ihren eigenen Kindheitserinnerungen zum Fest. Die von ihr verfasste Geschichte „Die Feder am Fenster“ zeugte von jener Zeit, da die kleine Senta noch an Wunder glaubte und an das Christkind. Immer an Heiligabend schien das Christkind schnell zum Fenster herausgeschlüpft zu sein, just bevor Senta es entdecken konnte. Aber eine weiße Feder von seinen weißen Flügeln hatte es in der Eile auf der Fensterbank hinterlassen. Auch wenn es letztlich die Mutter war, die eine Taubenfeder auf das Fensterbrett gelegt hatte: Bis heute liegt diese weiße Feder am Heiligen Abend auf der Fensterbank der Familie und erinnert daran, dass es vielleicht doch das Christkind gewesen sein könnte. Zu atmosphärisch dichten Momenten wurden aber auch die weiteren Texte, die Berger las, etwa Janoschs „Der Bär und der Vogel“ oder Hanns Christian Andersens „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Nicht immer mit klassischem Happy End schufen sie dennoch Raum für Besinnung und Nachdenklichkeit, ehe Berger wieder mit liebenswürdigen Erzählungen und Erinnerungen ein Lächeln in die Gesichter des Publikums zauberte. Mit Astrid Lindgrens „Pelle zieht aus“ etwa , das voll charmanter Kinderlogik sprühte, oder letztlich die seelentröstende Geschichte von den „Spuren im Sand“. Kurz: Ein erhellender Abend mit bewegenden Geschichten. Draußen vor der Tür der Loisachhalle mochte die Zeit inzwischen weiter rennen, drinnen aber blieb sie für den Abend der Lesung stehen. Die so gewonnene Zeit nutzt das entschleunigte Publikum zum Applaudieren: Kein hektisch lauter Beifall, sondern dankbarer, langer.

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