„Wir wollen doch nur spielen“
Das Liedermacher-Duo „Spieltrieb“ in Geretsried
von Fenny Rosemann
„Spieltrieb“ nennt sich das Oldenburger Liedermacher-Duo Philipp Kasburg und Lennart Quiring. Und so heisst es auch in einem ihrer Songs „Wir wollen doch nur spielen“. Und das tun sie mit Leidenschaft. Am vergangenen Freitag spielte das Duo auf Einladung der Stadt Geretsried im Toyota Autohaus Pennig in Geretsried vor mehr als 100 Zuhörern. „Spieltrieb“ sind die Gewinner des Geretsrieder Liedermacherwettbewerbes 2010.
Beeindruckende Nachwuchskünstler als Vorgruppe
Als Vorgruppe traten die beiden Nachwuchskünstler Marius Hammerschmied, 11 Jahre (Schlagzeug) und Elias Vollmer, 11 Jahre (Klavier und Gesang) auf und ernteten vom begeisterten Publikum stürmischen Applaus. Kein Wunder, die beiden boten ganz unaufgeregt und souverän ein tolles Programm.
So peppig spielten sie die Blues-Songs, dass nicht nur die Geretsrieder Bürgermeisterin Cornelia Irmer mit den Füßen wippte. Mit einem Schlagzeugsolo überzeugte der junge Marius Hammerschmied und auch Elias Vollmer gab vollen Einsatz am Klavier.
„Hätten die beiden mitgemacht, hätten wir vielleicht nicht gewonnen“, kommentiert Lennart und meint den Liedermacherwettbewerb. „Jungs hört bitte nicht auf, Musik zu machen in den nächsten 60 Jahren, wir sind sehr beeindruckt“.
Gelungenes Liedermacherkonzert
Beeindruckt zeigte sich dann das Publikum auch von den beiden Liedermachern. Die Lieder von „Spieltrieb“ handeln von Situationen aus dem täglichen Leben. Es sind wortgewandte und witzige Liedtexte verbunden mit leichtem, gekonntem Gitarrenspiel und eingängigen Melodien.
Es sind Songs über Menschen, die zu gut sind für diese Welt und sich immer zurückstellen und dann irgendwann einmal implodieren „Wir müssen auch mal wollen dürfen“. Ein fröhliches, flottes Lied ist „Ich habe einen Sonnenbrand, und das in Norddeutschland“. Auch Balladen gehören zum Repertoire „Vom Leben hab ich keine Ahnung“ und „Gute Nacht, alter Mann“. Von der Emanzipation und Verweigerung gegen Konsum, Kommerz und Beziehungsabhängigkeiten handelt „Nicht mit mir“. Und das „Ausschlafen ist eines der wunderschönsten Sachen, die man so tun kann in diesem Leben“, so Philipp. „Alles ist friedlich, so kuschelig gemütlich, so muggelig, so warm und so weich. Keine Sorgen, kein Kummer, verstört meinen Schlummer, nö, alles im grünen Bereich.“ Vor der Pause klingt die Raucherballade „Marlborough Hair“ nach der Melodie „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel. Das witzige und originelle Lied verwendet nur einen Reim „Gib mal bitte ne Marlboro her, Ich hab Schmacht und ich hab keine mehr“. Mit „In den Süden“ wurde 2010 der Geretsrieder Liedermacherwettbewerb gewonnen.
Lennart ist Germanist und setzt sich kritisch mit Sprache auseinander. Sprache verändert sich, das ist selbstverständlich. Was Lennart ärgert ist die „Feminisierung“ der deutschen Sprache. Er hat deshalb im Lied „Vom Suffix ~innen“ über Dinge geschrieben, die ihn als Sprachwissenschaftler nerven. Aus politischen Korrektheitsgründen wird das Suffix „Innen“ angehängt und damit das Lesen und Schreiben komplizierter. Der Trend ist klar erkennbar „Und was für BlütInnen und Blüten das zu guter letzt noch treibt, wenn die Wochenzeitung heut von weiblichen Soldatinnen schreibt.“
Sympathisch, intelligent und sprachgewandt, in Kombination mit ihren lebhaften und humorvollen Liedern ziehen die beiden Liedermacher die Zuhörer in ihren Bann. „Jedes Lied das entsteht, hat einen eigenen Drang“ sagt Lennart und das glaubt man ihm auch, es zieht sich ein Faden durch jeden Song, stimmig ist der Rhythmus, schlüssig sind die Texte und harmonisch ist der Gesang und das kommt beim Publikum an.
Das Publikum ist begeistert und die Geretsrieder Bürgermeisterin Irmer schliesst mit den Worten „Es war ein super Abend mit den beiden! Vielen Dank an Familie Pennig für das 3. Liedermacherkonzert in diesem schönen Raum mit dieser tollen Akustik. Dieses Liedermachen, die selbstgemachten Texte und Melodien, das ist etwas, das unser Herz erwärmt und öffnet, und uns fröhlich nach Hause gehen lässt!“
Die CDs von Spieltrieb kann man hier bestellen.
Fotos: Andrea Weber, Hartmut Pöstges



