Starkbierfest in Wolfratshausen
Schrankenlos durch die Nacht
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen, 15.3.2015 – Mit drei Schlägen zapfte Bürgermeister Klaus Heilinglechner am Freitagabend in der ausverkauften Loisachhalle das Starkbierfaß an. Danach wurden er und viele weitere Kommunalpolitiker im Singspiel der Loisachtaler Bauernbühne derbleckt.
Anzapfen des Fastenbocks
Bevor Klaus Heilinglechner sich die Lederschürze umband und zum Hammer griff, verriet Hofbräuhaus-Traunstein-Mitinhaber Maximilian Sailer, dass der Fastenbock in einer Vollmondnacht im November 2014 eingebraut wurde. „In den Brauereikellern ist er dann bis zur kräftigen Vollendung gereift“, erklärte Sailer. Heilinglechner war sich also seiner Verantwortung bewusst und zapfte das Fass mit drei Schlägen so präzise an, dass kaum ein Spritzer daneben ging. Dafür gab’s ebenso viel Applaus wie anschließend für die Musik von Bergluft, die unter anderem mit nachgespielten Liedern von STS, Rainhard Fendrich und der Steve Miller Band zu gefallen wussten.
Bissiges Singspiel über zerplatzte Träume …
Schon im von Stefan Goller gesungenen Eröffnungslied „Am Brunnen vor dem Rathaus“ stand der seit Mai amtierende Wolfratshauser Bürgermeister Heilinglechner im Mittelpunkt. Dessen Idee, den Grünen Markt vom Loisachhallenparkplatz in die Marktstraße zu verlegen, käme vor allem bei motorisierten Bürgern nicht gut an. Das unter Regie von Monika Schwenger und Günter Wagner entstandene Singspiel - es handelt von jungem Gemüse, alten Platzhirschen und beleidigten Leberwürsten - ließ kaum einen der 24 Wolfratshauser Stadträte ungeschoren davonkommen.
So versucht sich der von Girgl Steinbichler gespielte Grünen-Stadtrat Hans Schmidt mit einem „albernen Alu-Bio-Schirm“ aus Australien vor Elektrosmog zu schützen und kauft einem Bauchhändler garantiert ungespritzte Golfbälle vom Bergkramer Hof ab. Bunte Marktszenen auf dem „Grünen Markt“ entstanden durch das gelungene und schöne Bühnenbild. Die Darstellung der Stadt Wolfratshausen als Kürbis: „groß, innen hohl, aber mit viel Samen für potenzielles Wachstum“. Das Geschehen in der Nachbarstadt Geretsried wird persifliert: Die bereits in den vergangenen Singspielen überzeugende Rosa Bunker (Monika Schwenger) verkauft mit rumänischem Akzent die Träume der Geretsrieder Stadträte in Form von Luftballons, die schließlich allesamt zerplatzen. Da stört es sie auch nicht, dass ab und zu ein orientierungsloser Surfer nach der Wolfratshauser Welle sucht.
… und Hoffnungen der UWGida
Mehr Gefahr droht da schon von der geplanten UWGida – „Untergrundkämpfer Wolfratshausen, Geretsried in den Anfängen“ – aus. Denn Ex-Stadtrat Wiggerl Gollwitzer und die gescheiterten Bürgermeisterkandidaten Robert Lug (Christian Foitzik) und Fritz Meixner (Andreas Wastian) scheinen als Desperados vom Mittelzentrum zu allem entschlossen und wollen „die Städte Geretsried und Wolfratshausen aus dem Untergrund heraus sabotieren“, damit die Bürger ihre vermeintlich falschen Wahlentscheidungen bereuen.
Ohnehin machen sich die Standlfrauen schon über gescheiterte Projekte wie die Stadtarchiverweiterung am Loisachufer und Bürgerentscheide lustig. „Drum soll auch das Loisachufer begrünt werden, damit des Geld, des zum Fenster naus gschmissen wird, ned so klimpert“. Mit einer neu getexteten Version des Helene-Fischer-Hits „Atemlos“ klingt das Singspiel bissig aus. „Schrankenlos durch die Stadt – man hab ich das Warten satt … Fahr ich durch den Tunnel, hab ich Glücksgefühle. Alles, was ich will sind keine Staus“.
















