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Ein Tangofestival für alle Sinne

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 30.5.2014 – Zum Tangoabend mit der spanischen Tango-Gruppe Ayahuasca Tango waren am vergangenen Mittwoch in der Loisachhalle besondere Publikumsgäste erschienen. Viele der Damen trugen luftige Tanzkleider mit Tellerröckchen, die Herren waren in klassischem Schwarz gekleidet. Schließlich solltes es nach dem Konzert noch eine Milonga geben, ein traditionelles Tangotanzfest für alle.

Doch ehe das Konzert beginnen konnte, mussten die tanzbegeisterten Publikumsgäste, viele davon aus den Tangoschulen des Oberlands, erst einmal an hunderten von eleganten Tanzschuhen, die wie im Schuhsalon im Foyer zur Schau gestellt waren, vorbei. Wie man sich gut vorstellen kann, war das besonders für die Damen kein leichtes Unterfangen. Alles handgemachte Riemchen-Sandaletten mit gefährlich dünnen Pfennigabsätzen - kleine Kostbarkeiten aus teurem Nichts. Diese speziellen Schuhe sind so konzipiert, dass man darin leichtfüßig, sicher und bequem  Rückwärtsschritte und -drehungen meistern kann. Doch zum Schwärmen und Anprobieren war erst in der Pause Zeit.

Zuerst galt die Aufmerksamkeit Ayahuasca Tango aus Madrid, die ein Konzert voller Gefühl präsentierten, vorwiegend Stücke des bekannten argentinischen Komponisten Astor Biazzolla. Eine Musik, die Tradition mit moderner Improvisation verbindet und das feurige Temperament der spanischen und lateinamerikanischen Mentalität in sich vereint. Ayahuasca Tango waren zum ersten Mal zu Gast in Wolfratshausen mit Ezekiel Lezama (Beandleader und erstes Bondoneon), Fernando Giardini (Bandoneon) und Pianist Guglielmo Foffani. Als Gastmusiker unterstützten die beiden Münchner, Bernhard Seidl (Kontrabass) und Katja Duffek (zweite Violine), und eine junge Virtuosin an der Geige aus China vollendete die Tangomusik zu einem wahren Klassik-Kunstwerk. Eine emotionale Musik, die in Gefühlsebenen führte, von trauriger Melancholie, sprühender Lebenslust zu purer Leidenschaft. Diesem Hörgenuss verliehen abwechselnd die beiden Profitanzpaare Mendieta und Natalia Hassan aus Buenos Aires (wohnhaft in München) und Gabi und Gustavo Gómez aus Geretsried sichtbaren Ausdruck.

Tango Argentino ist der „Vater des Tangos“

Für den Argentinier Gustavo Gómez ist der Tango kein Standardtanz, sondern ein Gefühl, das in jedem steckt. Es müsse nur geweckt werden, sagt der ausgebildete Tänzer. Der Tango Argentino gilt als der „Vater des Tangos“. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand er als Volkstanz in Argentinien. In den 1920igern wurde er des Landes verwiesen, weil der anmutig, erotische Tanz als zu sexistisch galt. Dafür verbreitete er sich weltweit als Standardtanz. Heute ist er auch in Argentinien wieder weit verbreitet und gehört inzwischen zum Weltkulturerbe.

Die Idee zu diesem wunderbaren Tangofest in Wolfratshausen hatte die Münchnerin  Sandra Egnolff, die seit Jahren in Almeria lebt und hier wie dort viele Freunde in der Szene hat. Gabi und Gustavo Gómez aus Geretsried erweiterte die ursprünglich rein konzertante Idee von Egnolff mit einer traditionellen Milonga und das Publikum lies sich nach ihrem anerkennenden Beifall für die Bühnenshow nicht lange bitten, um selbst das Tanzbein zu schwingen. Sie bewiesen, dass es auch im Oberland exzellente Tangotänzer gibt. 

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