
Interkultureller Theater-Workshop für Kinder und Jugendliche
Berührungsängste nachhaltig abbauen
Von Peter Herrmann
Wolfratshausen, 28.4.2015 – Am 31. August beginnt im Waldramer Schulgebäude ein zweiwöchiges Theaterprojekt, das die Stadt Wolfratshausen in Zusammenarbeit mit dem theaterpädagogischen Zentrum Kultion veranstaltet. Mitmachen können Kinder ab acht Jahren – mit oder ohne Migrationshintergrund.
Beitrag für Toleranz und Vielfalt
„Die Stadt Wolfratshausen will mit dem Projekt einen Beitrag zur Integration der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft leisten und die Akzeptanz der Einheimischen fördern“, erklärt Kulturmanagerin Marion Klement. Mithilfe von Sprache, Bewegung und Tanz sollen unter dem Arbeitstitel „Andere sind anders“ gegenseitige Vorurteile abgebaut werden.
Die Theaterpädagoginnen Eileen Schäfer, der Choreograph Josef Eder, die Schauspielerin Judith Gorgass sowie der Choreograph Dominik Halamek werden am Ende der Sommerferien zwei Wochen lang mit den Kindern und Jugendlichen eine Aufführung erarbeiten. Freiraum für den Aufbau von Freundschaften „Es wird zwei Gruppen mit jeweils sechs bis 15 Kindern geben“, verrät Eileen Schäfer. Ideal wäre ein in etwa ausgewogenes Verhältnis zwischen deutschen und ausländischen Kindern bzw. Jugendlichen. Die Aufführung, die pro Gruppe zwischen 20 und 30 Minuten lang sein soll, hängt natürlich auch vom Engagement der Teilnehmer ab. „Wir haben einen hohen künstlerischen Anspruch, weil wir ein publikumswirksames Ergebnis zeigen wollen“, betont Schäfer.
Gleichwohl sollen den Teilnehmern auch Freiräume erlaubt werden, in denen sie Kontakte knüpfen und Freundschaften aufbauen können. „Uns ist es auch wichtig, dass die Kinder selbst Ideen entwickeln und nicht zu sehr eingeengt werden“, ergänzt Schäfer. Dieser Ansatz gefällt auch Kulturmanagerin Marion Klement. „Wir können von den Kindern keine Wunderdinge erwarten. Wichtig ist, dass sie mit Eifer und Stolz dabei sind“, so Klement.
Die Idee ein interkulturelles Theaterprojekt auf die Beine zu stellen, spukte ihr „schon lange im Kopf herum“. Als Vorbild diente das von dem Engländer Mike Kenny verfasste Theaterstück „Der Junge mit dem Koffer“, in dem ein typisches Flüchtlingsschicksal beschrieben wird. Ines Lobenstein, Leiterin des Wolfratshauser Helferkreises für Asylbewerber, lobte den interkulturellen Ansatz des Projekts. „Wenn die Flüchtlingskinder deutschen Schülern ihre tragischen Geschichten erzählen, wird ihnen leider oft nicht geglaubt. Ein gemeinsam geprobtes Theaterstück kann viel zum Verständnis beitragen“, glaubt Lobenstein.
Zeitplan
Der Workshop beginnt am Montag, den 31. August, und endet mit der Aufführung am 14. September. Die Kinder proben jeden Werktag zwischen 10 und 16 Uhr. Der letzte Tag dauert bis etwa 21 Uhr. Die Abschluss-Aufführung findet wahrscheinlich in der Loisachhalle statt. Im Preis von 200 Euro pro Teilnehmer ist auch ein tägliches Mittagessen inbegriffen, das von einem Caterer durch die Stadt Wolfratshausen bereitgestellt wird. Die Teilnahme der Migrantenkinder wird unter anderem vom Lions Club Isartal finanziell unterstützt. Bei der Logistik steht der Kinder- und Jugendförderverein beratend zur Seite. Die Teilnahme kann wahrscheinlich über das Ferienpassprogramm gebucht werden. Sollte die Resonanz den Erwartungen gerecht werden, könnte laut Klement auch über eine Fortführung in den kommenden Jahren nachgedacht werden. Das wäre auch im Sinne von Bürgermeister Klaus Heilinglechner: „Das ist ein tolles Projekt, das nicht einschlafen darf“.







