Bad Tölz
Lustwandeln inmitten von Kunst im Grünen
Von Claudia Koestler
Bad Tölz, 7.9.2014 - Kunst braucht Können, aber auch gutes Timing und einen Funken Gnade von ganz oben. Diesen Eindruck konnte man am Sonntag beim Besuch des Tölzer Kunstmarktes „tölzkunst 1“ an der Isar-Promenade gewinnen, den der örtliche Kunstverein zum ersten Mal initiierte. Denn ursprünglich hätte das erste „Art-Gardening“, wie „tölzkunst 1“ auch betitelt war, bereits eine Woche früher seine Premiere feiern sollen. Doch da scheiterte es zwar nicht am Können, wohl aber am schlechten Wetter. Nun aber war das genaue Gegenteil der Fall: Über 20 Kunstschaffende aus Bad Tölz, München und dem Oberland waren angereist, um ihre Werke bei strahlendem Sonnenschein unter freiem Himmel und mit direktem Blick auf die Tölzer Marktstraße und das Grün der Isar-Promenade zu zeigen.
Teils auf Tischen, teils auch einfach auf der Wiese liegend, boten die Künstler eine breite Palette an Werken an, die mit dem Begriff kreative Kunst mal im engeren, mal im weiteren Sinne Verbindung gebracht werden konnten. Die Präsentationen reichten von Öl- und Acrylmalereien über Polaroid-Fotografien und Keramiken bis hin zu Plastiken und Installationen.
Licht spielt immer eine zentrale Rolle in der Kunst. Licht kann Blicke führen, kann einfach nur Farbe sein oder aber symbolisch auf Inhalte verweisen. In der Ausstellung unter freiem Himmel wurden so Facetten des Lichts unter freiem Himmel gleichsam mit eingebunden in die unterschiedlichsten Werke. Doch selbstreferentielle Wendungen, die einen Grundzug der Kunst der Moderne ausmachen, waren keine Grundbedingung.
Manche nutzten ganz einfach die Möglichkeit, ihre Werke einmal auf dem Markt und am Kunden auszuprobieren. So wie Isabell Ringen, mit 28 Jahren sicher eine der jüngsten Teilnehmer. „Ich bin erst seit rund sechs Monaten in Bad Tölz und komme ursprünglich aus Norddeutschland", sagte sie. Eigentlich sei sie beruflich im Büro tätig, doch die Malerei fasziniere sie schon seit Jahren. „Ich würde deshalb gerne mehr in dem Bereich machen“, erklärte sie. Das „Art-Gardening“ sei eine Möglichkeit, sich erstmals einem Publikum zu stellen, „bisher habe ich noch keine Ausstellung gehabt“, sagte Ringen.
Oliver Kugel hingegen setzte auf die besondere Atmosphäre des „Art-Gardenings“: „Meine Werke sind sehr speziell„, sagte er. Der Penzberger schafft Holzobjekte und auch Möbel aus knorrigen Stämmen. Der hauptberufliche Rettungssanitäter habe Forstwirtschaft gelernt und dabei den Umgang mit Werkzeugen geübt. „Immer schon“ habe er „abgefahrene Möbel gebaut“, inzwischen fertige er nebenberuflich solche Auftragsarbeiten. „Deshalb ist es gut, wenn die Leute hier einen Flyer mitnehmen und in zwei Monaten kriege ich vielleicht einen Anruf mit einem speziellen Wunsch“, hoffte er.
Die Münchner Bildhauerin Andrea Matheisen will mit ihren Bronzefiguren Meditatives und Bodenständiges vermitteln. „Bronze ist ein passendes Material dafür, weil es so schwer und unvergänglich ist, man kann es über Generationen vererben.“ Sie merke, dass das Meditative gut ankomme. „Manchmal erhalte ich Rückmeldung von den Menschen, die meine Plastiken gekauft haben. Manche unterhalten sich mit den Figuren und finden dadurch eine innere Ruhe. Dann habe ich erreicht was ich wollte: Die Ruhe zu finden, zu reden. Wenn man die Ruhe findet, sich Gedanken zu machen, kann man auch ein bisschen klüger werden. Wenn man durch meine Figuren klüger wird, ist das doch wunderbar.“ freut sich die Künstlerin.
Claudia Schneider aus Lenggries hingegen ist Mitglied im Tölzer Kunstverein. Der hauptberuflichen Steinbildnerin ging es mit ihrer Teilnahme um die Präsentation und das Feedback der Besucher. „Ich verarbeite Natursteine, da ist der Kontext und der Bezug zur Natur natürlich gleich klar“, wusste Schneider. Trotzdem: Statt in einer Ausstellungshalle würden die Steine unter freiem Himmel „an Ausstrahlung gewinnen, es ist wie ein energetischer Prozess“, beschrieb sie. „Ich spüre, dass sie sich hier wohl fühlen“, fügte Schneider an. Sie freute sich über die große Resonanz, die Leute seien offen und neugierig. Ihr sei es gerade wichtig, dass der Tölzer Kunstmarkt „kein Mischmarkt ist, so á la Bangladesch lässt grüßen und Afrika sowieso“. Aus ihrer Sicht sollte auch in Zukunft streng darauf geachtet werden, dass keine kommerzielle Ware feilgeboten werden wie es viele andere Märkte tun: „Das muss ein Unterscheidungsmerkmal werden“, sagte Schneider.
Das „Künstlerfestival im Grünen“ ist durchweg gelungen
Dass im Laufe des Sonntags hunderte von Besuchern und Neugierigen den Weg an die Isar-Promenade fanden, brachte Patrizia Zewe, Vorsitzende des Tölzer Kunstvereins und federführende Initiatorin, ganz aus dem Häuschen vor Glück: „Ach, ist das schön, ich freu´ mich so!" Das Art-Gardening, also das „Künstlerfestival im Grünen“ sei damit durchweg gelungen: „Ich wollte, dass die Leute flanieren können, ganz ungezwungen, anders als in einer Galerie. Lustwandeln inmitten von Kunst im Grünen quasi“, sagte Zewe. Das war mit der „Tölz Kunst 1“ durchweg gelungen. Dass es eine Fortsetzung geben wird, steht somit außer Zweifel.



