Von Huftieren und blauen Bergen
Ausstellung der Künstlerin Silke Lühr im Schlossgut Oberambach bis 21. Oktober
Von Andrea Weber
Die Künstlerin Silke Lühr will sich nicht stilistisch festlegen lassen, doch Cathrin Klingsöhr-Leroy, künstlerische Direktorin des Franz Marc Museums in Kochel am See, muss ihr Widersprechen, sie findet schon, dass ein Stil erkennbar ist: „Ich sehe durchaus starke Konstanten zum Expressionismus, denn die Bilder der Künstlerin sind emotionale Reflexe, die aus ihrem Inneren zu kommen scheinen, keine Bilder, die die Welt widerspiegeln wie sie ist.“
Man kann der Kunstexpertin Klingsöhr-Leroy durchaus recht geben, wenn sie sagt, dass bei der Malerei sowie bei den tönernen Skulpturen, die in kleiner Auswahl auch auf der Ausstellung zu sehen sind, zuerst einmal ein leichtes Schwingen im Vordergrund steht, bevor sich dem Betrachter die Motive auftun, die darin verborgen sind. Tatsächlich tauchen, je länger man den Blick auf ein Bild richtet, Figuren auf – es sind stilistische Silhouetten, die aus der warmen Farbgebung hervor treten – manchmal ist es nur eine Figur, manchmal sind es mehrere, aber immer sind es weibliche. Auf anderen Bildern der Künstlerin, die sie entweder großformatig oder sehr kleinformatig in Acryl ausführt, sind Huftiere zu sehen. Sie hat sie mitten aus der Bewegung per Pinsel auf die Leinwand gebracht. „Ich liebe Pferde, weil sie für mich Lebensfreude transportieren und ich mag Rinder, weil sie so kraftstrotzend sind.“ Auf einem Teil ihrer Bilder hat sie diese Vierbeiner in Sandfarben, in gelbe Sonnentöne und orangene Abendfarben gebettet, als wäre es das Licht der afrikanischen Steppe.
Und diese Interpretation ist gar nicht weit hergeholt, denn fragt man nach bei Silke Lühr, verrät sie, dass sie als Kind in Nigeria aufwuchs uns später zwölf Jahr in Australien lebte und Kunst an der Hochschule in Sydney studierte. Seit 1994 lebt die gebürtige Kölnerin in Murnau und seit einem Jahr ist sie Museumspädagogin im Franz Marc Museum in Kochel. Silke Lühr arbeitet im Museumsatelier und versucht Kindern und Jugendlichen die Kunst näher zu bringen. Cathrin Klingsöhr-Leroy: „So emotional ihre Malerei ist, so leicht bekommt sie den Zugang zu unseren Besuchern.“
In den Bildern und Skulpturen von Silke Lühr sind die Erinnerungen an jene Zeit in Afrika und Australien festgehalten, auch ihre Liebe zum Meer, zur Sonne und den warmen Regionen der Erde finden sich darin. Doch kann man auch ganz deutlich sehen, dass sich die Künstlerin heute mit der Murnauer Region identifiziert, mit dem blauen Land, in dem einst die berühmten Expressionisten lebten und malten. Die Ausstellung von Silke Lührs Bildern ist noch bis zum 21. Oktober im Schlossgut Oberambach zu besichtigen.
Fotos mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin


