Loisachhalle Wolfratshausen
Aus dem Stegreif
Von Andrea Weber
Wolfratshausen, 2.11.2020 – Was diese Jungs aus Waldram musikalisch bieten ist unvergleichbar. Obwohl, Jungs sind sie eigentlich schon lange nicht mehr. Die Mayrhofer-Brüder Gregor und Raphael sind ausgewachsene Spitzenmusiker. Was sie dem Publikum in der Loisachhalle präsentierten, dazu kann man nur den Hut ziehen. Ein rein improvisiertes Konzert mit Einbindung des Publikums unter dem Titel „Imbrothersation ist Trumpf“. „Wir haben nichts vorbereitet, dann kann auch nichts schiefgehen“, versprach Raphael Mayrhofer, der Schlagzeuger mit den langen Dreadlocks.
Das Konzert war ausverkauft und vermutlich das vorerst letzte vor dem Lockdown Light. Das wars dann mit Live-Musik auf höchstem Niveau. Obwohl man sich in der Loisachhalle sehr sicher fühlen konnte, hat doch die Stadt akribisch die „AHA – L“ regeln eingehalten.
Am besten beschreibt man das, was dann geschah als Stegreif-Konzert in farbigster Klangsprache mit vielfältigsten Rhythmus-Elementen. „Schnick, schnack, schnuck -. wer fängt an?“ Auch das blieb bei jedem Stück zu Beginn offen. Und es war ein Gemeinschaftswerk zwischen den Musikern und dem Publikum. Trotz Masken wurde gesummt und gesungen, geklatscht und mitgemacht. Die Zuschauer durften den Abend mitgestalteten, wie zum Beispiel das Thema einer Stegreif-Oper und das Leitmotiv der Ouvertüre aus zugerufenen Namen und Begriffen. Es gab eine musikalische Urlaubsreise von Mailand über Martinique bis nach Brasilien – ein energiegeladener Latin, der sich energetisch hochschraubte.
Zischlaute, Plobs und Zungenschnipser
Dann wieder ein ganz anderes Klangbild, als Raphael Mayrhofer per Beatboxing (mundgeformte Zischlaute, Plobs und Zungenschnipser) einen sphärischen Klang erzeugte, auf den sein Bruder Gregor am Flügel eine Melodie legte, die an die Komposition von Gershwin und Co. erinnerte. Dabei muss man erwähnen, dass der international agierende Dirigent, Pianist und Komponist nicht einfach nur die Tasten seines Klaviers bediente, sondern gleichzeitig im Inneren des Flügels herum hantierte, so dass aus dem ehrwürdigen Instrument mitunter Töne entstanden, die an die karibischen Stealdrums erinnerten. Die beiden Hochkaräter der Improvisation spielten alle ihre Trümpfe aus. Nicht kopierbar, nicht vergleichbar und unwiederbringlich. Ein Spontankonzert, dass es so nie wiedergeben wird.
Fotos: Andrea Weber









