Stadt Wolfratshausen
Die die Vorfreude schürt – Ein Porträt der Wolfratshauser Kulturamtsleiterin Marlene Schretzenmaier
Wolfratshausen, 23.11.2020, red. – Mögen andere Kommunen mit dem Image von Schlafdörfern kämpfen, in Wolfratshausen hingegen brummt`s, vor allem kulturell. Das hat sich weit herumgesprochen, weshalb Wolfratshauser Veranstaltungen wie das Flussfestival, die Theater- oder Jazzreihen, Konzerte und Kabarett längst ein überregionales Publikum begeistern. Die Loisachstadt ist zwar genauso wenig von der Pandemie verschont wie der Rest der Welt. Trotzdem wird im städtischen Kulturamt fleißig gewerkelt – an der Verschiebung von Veranstaltungen, die heuer durch Covid-19 nicht stattfinden konnten und können, an neuen Terminen und an neuen Veranstaltungen und Erlebnissen im kommenden Jahr. Kurzum: Wolfratshausen nutzt die Zeit, um Vorfreude zu schüren.
Verantwortlich für diese Mammutaufgabe ist seit Oktober 2019 Marlene Schretzenmaier. Keine Unbekannte in der Loisachstadt, denn Schretzenmaier war bereits seit 2017 Assistentin innerhalb der Stabsstelle Veranstaltungsmanagement unter Marion Klement. Als Klement im Herbst vergangenen Jahres eine neue Stelle antrat, bewarb sich Schretzenmaier um die Nachfolge und überzeugte den Stadtrat.
Dabei wusste die heute 31-Jährige nicht viel über die Stadt, „außer Hubert und Staller und Edmund Stoiber“, als sie 2017 nach Wolfratshausen kam. Aufgewachsen in Burgau im schwäbischen Landkreis Günzburg, absolvierte sie nach der Realschule zunächst eine Ausbildung als Bürokauffrau. „Aber ich habe schnell gemerkt, das ist nicht meins“, sagt sie. Also holte sie ihr Abitur nach, um in Karlsruhe Medien- und Sportveranstaltungsmanagement zu studieren. Eine naheliegende Wahl, denn Schretzenmaier ist absolut sportbegeistert: „Ob Klettern, Mountainbikefahren oder Wandern, alles was mit Bergen zu tun hat, begeistert mich“, sagt sie.
Im Rahmen ihres Studiums absolvierte sie ein Praktikum bei einem Nürnberger Radiosender. Auch wenn ihr die Arbeit gut gefiel, beim Radio war es ihr letztlich zu schnelllebig und auch zu unsicher, sagt Schretzenmaier. 2014 schloss sie ihr Studium mit dem Bachelor ab und erfüllte sich einen Traum: Rund ein Jahr lang reiste sie quer durch Mittel- und Südamerika. „Einmal im Leben haue ich ab“, habe sie sich noch während des Studiums geschworen. Eine junge Frau alleine unterwegs in Südamerika – diese Ansage erzeuge oft ein ängstlich zweifelndes Zucken der Augenbrauen beim Gegenüber, weiß sie inzwischen. Doch sie habe auf ihrer Reise ausschließlich gute Erfahrungen gesammelt. Zwei Fünftausender bestieg sie während dieser Reise, den Andengipfel des Pisco und den aktiven ecuadorianischen Vulkan Cotopaxi. Und nur einmal habe sie tatsächlich ein bisschen Angst verspürt, nämlich als sie in Caracas auf dem Schwarzmarkt Devisen tauschen musste. „Aber auch das ging letztlich gut“, sagt sie.
Die Reise habe ihren Blick verändert, vor allem auf die Landsleute. „Wir Deutsche sind immer unter Druck“, sagt sie. 2015 kam sie zurück, nahm erst einmal verschiedene Jobs an. 2016 bewarb sie sich verschiedentlich als Veranstaltungsmanagerin, doch sie musste merken, dass der Arbeitsmarkt hart umkämpft ist. In einer Zeitung entdeckte sie schließlich die Stellenanzeige der Stadt Wolfratshausen. Eine Woche später meisterte sie das Bewerbungsgespräch, noch am selben Abend teilte ihr Klement mit: Sie haben den Job. Zunächst übernahm sie vor allem das Backoffice übernehmen, also Briefe und Einladungen schreiben, Abrechnungen und Gema-Anmeldungen erledigen.
Was man ihr durch ihre freundlich-souveräne Art bei ihren offiziellen Terminen überhaupt nicht anmerkt: In die Chefrolle musste sie sich einfinden, so empfand sie es zumindest selbst. „Ich bin zwar eine offene und kommunikative Person, aber nicht besonders wild auf Öffentlichkeit. Ich bin eigentlich lieber im Hintergrund und packe gerne mit an“, sagt sie. Doch schnell wuchs sie in ihre neue Position, und ein lange geplanter Urlaub half dabei, neue Perspektiven zu gewinnen. Schretzenmaier reiste Anfang 2020 nach Nepal. „Wenn Urlaub, dann so weit weg, dass, wenn was ist, man nicht zurückkommen kann“, verrät sie ihre Devise für Abstand und Krafttanken. Was das Ziel anbelangt, sei Nepal schon lange auf ihrer Bucketliste gestanden. „Ich kann halt ned normal“, lacht sie. Doch es sei eben genau das gelungen, was nötig gewesen sei: „Ich habe kein einziges Mal an die Arbeit gedacht in dreieinhalb Wochen. Ich habe neue Energie getankt, und dann kommt man voll motiviert wieder zurück.“
Diese Motivation kann sie ganz genau definieren: „Ich möchte in erster Linie meinen Job gut machen, das ist der größte Anspruch an mich selber. Ich will auf dem Bestehenden aufbauen. Aber ich werde auch selektieren“, sagt Schretzenmaier. Für 2020 – das coronabedingt ausgefallene Kulturjahr – hatte noch ihre Vorgängerin Marion Klement viel vorbereitet. Es hätte ein ereignisreiches Jahr werden sollen, mit zahlreichen Veranstaltungen, von der Iloga über die Johannifloßprozession bis zum Bürgerfest. Vieles wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, und so bleibt Zeit, viele Ideen neu zu entwickeln, wovon die Kulturszene später profitieren wird. Zum Beispiel, was die Wolfratshauser „Eiszeit“ an der Loisach betrifft. „Die Lage, die ist bei uns natürlich einmalig“, sagt Schretzenmaier. Aber: „Ich habe da ein paar Optimierungsideen, was die Gestaltung betrifft“. Wenn es nach ihr geht, erhält die Eisfläche nahe der Loisach in Zukunft eine größere Fläche und einen neuen Eingangsbereich. „Zwei Meter mehr in der Breite wären machbar“, ist Schretzenmaier überzeugt. Sie hat auch bereits Alternativlösungen zur künstlichen Eisfläche ausgelotet. Erding etwa verwendet Kunststoffplatten. Doch die Erfahrungen zeigten: „Man kann es nicht vergleichen mit normalem Eislaufen.“ Zum einen mache es die Kufen unscharf, zum anderen reibe es Mikroplastik ab. „Da macht das Wasserwirtschaftsamt wegen unserer Nähe zum Fluss nicht mit.“ Erding habe seit der Umstellung auf Kunststoffplatten auch mit Umsatzeinbußen zu kämpfen – weshalb es für Wolfratshausen beim bewährten Konzept bleiben wird, das vor allem Familien mit Kindern anlockt. Geliebäugelt habe sie auch schon mit einem Eisschnitzer, der vielleicht – passend zum Namen – einen Wolf herausarbeiten könnte. Das aber sei letztlich immer eine Frage der Kosten. An der zeitlichen Länge von sechs Wochen für das Freizeitvergnügen solle sich hingegen nichts ändern.
Doch die Wolfratshauser Eiszeit ist beileibe nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal, was Veranstaltungen in der Loisachstadt angeht. Was stand 2020 nicht alles auf dem Plan: Die Ausrichtung der Iloga, das Bürgerfest oder die Vorbereitungen des Fluss Festivals 2021. „Es ist schon eine große Herausforderung, das Fluss Festival zu organisieren“, weiß sie. Denn man müsse die richtige Mischung finden zwischen Kabarett Comedy und Musik, „und regional soll es ja auch sein.“ Auch hier gehen Schretzenmaier bereits viele Ideen durch den Kopf. Doch schon jetzt steht fest: „Es ist und bleibt ein Festival von Wolfratshausern für Wolfratshausen, davon lebt es“, ist sie überzeugt. Und auch für die weiteren kulturellen Alleinstellungsmerkmale der Stadt soll es eine Zukunft geben. Für die Bergwaldbühne etwa mit kleineren Veranstaltungen und einem Picknick im Grünen. Oder für das Wirtefest, zu dem sich schon die Anfragen mehren, es doch zweimal im Jahr zu veranstalten.
Und dann gibt es ja noch die Besonderheiten eines Jahres: Eigentlich hätte heuer zudem ein Bürgerfest im Herbst stattfinden sollen, wie auch eine große Feier zum 50-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen Wolfratshausen und Barbezieux. Wem also heuer schmerzlich bewusst wird, was alles fehlt in diesem Jahr der Pandemie, der kann sich zumindest damit trösten: Die Veranstaltungen der Zukunft werden ein Feuerwerk der Kultur werden, die umso brillanter leuchten, weil es jeder umso mehr zu schätzen wissen wird.



