Musiker Franz Mayrhofer im Porträt
„Die Volksmusik ist wie ein musikalischer Biotop"
Von Andrea Weber
Wolfratshausen/Waldram, 13.4.2023 – Sein ganzes Leben widmet Franz Mayrhofer der Musik. „Die Volksmusik ist ein Lebensmittel. Sie nährt uns fürs ganze Leben.“ Schöner hätte der Waldramer Musiker und pensionierte Pädagoge es nicht beschreiben können. Im Februar feierte er seinen 80. Geburtstag. Der richtige Zeitpunkt für einen Rückblick auf sein erlebnisreiches und rühriges Musikerleben.
„Haben Sie Zeit mitgebracht?“, warnt Mayrhofer, lacht so sympathisch, wie er das immer tut, und bietet Platz am runden Esstisch in seiner Küche. Seine Frau Sissy Mayrhofer holt inzwischen eine Box mit vergilbten schwarz-weiß Fotos. Darauf zu sehen, der junge Franz mit den Brustmann-Kindern aus der Waldramer Nachbarschaft bei einem ihrer ersten Auftritte. Mit ihnen zusammen begann eine lange und erfolgreiche Karriere in der klassischen Musik und der bairischen Volksmusik.
Franz Mayrhofer wurde am 27. Februar 1943 in München geboren und wuchs die ersten Jahre im Münchner Stadtteil Bogenhausen auf. Er war einer von drei Söhnen. Der Vater ein Malermeister, der maßgeblich dafür sorgte, dass der Sohn Geige lernte. „Ich war brav, g‘scheit und fromm“.
„Ich wollte Menschen die Musik vermitteln.“
Nach vielen Umzügen zwischen der oberösterreichischen Heimat des Vaters und Bayern konnten 1957 die Mayrhofers als kinderreiche Familie ein Haus im ehemaligen Ortsteil Föhrenwald, dem heutigen Waldram erwerben. Franz Mayrhofer machte 1964 das Abitur am Domgymnasium in Freising, studierte zunächst Physik an der Münchner TU und sattelte dann auf die Münchner Musikhochschule mit Schwerpunkt Geige um. „Ich wollte pädagogisch arbeiten. Anderen Menschen die Musik vermitteln.“ 1979 wurde Franz Mayrhofer Schulleiter an der „Münchner Schule für Bairische Musik“ führte die Schule dreißig bewegte und erfolgreiche Jahre lang bis zu seinem Renteneintritt 2009. Mayrhofer erinnert sich gerne daran, als sich „Fräulein Kagerer“ bei ihm als „Aushilfs-Lehrkraft“ bewarb, eine studierte Germanistin, die Blockflöte spielte.
Die beiden heirateten 1982 in Dietramszell und neun Monate später kam Johannes auf die Welt. Johannes Mayrhofer, verheiratet, zwei Kinder, ist Videotechniker an der bayerischen Staatsoper. 1987 wurde Gregor geboren. Inzwischen international renommierter Musiker (Klavier), Komponist und Dirigent und schließlich kam 1990 Raphael auf die Welt. „Unser Beamter in Dreadlocks“, sagt Sissy Mayrhofer augenzwinkernd. Raphael Mayrhofer ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist ein begnadeter Schlagzeuger und Musiklehrer am Münchner Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Die Mayrhofers sind allesamt begeisterte Pädagogen und Vollblutmusiker. Sissy Mayrhofer stand stets an der Seite ihres Mannes, auch als Musikerin. „Dass ich sie traf, war ein Geschenk für mich“, sagt der Gatte.
Franz Mayrhofer war der Initialzünder vieler bayrischer Volksmusikgruppen, initiierte Musikwochen in Österreich und Südtirol und brachte jungen Leuten neben der klassischen auch die überlieferte bairische Musik nahe ohne dabei den Blick auf die Moderne zu verlieren. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass diese traditionelle Musikkultur weiterlebt. Rückblickend sagt er: „Die Volksmusik ist wie ein musikalischer Biotop, in dem Wunderbares wachsen kann.“
Die wichtigsten Stationen seiner musikalischen Laufbahn:
Mitglied 1960 -1992 Mitglied im Freisinger und Münchner Domorchester.
1964 Gründung Brauchtumsgruppe der DJK Waldram, später daraus „Waldramer Sänger und Musikanten“ zusammen mit den Familien Brustmann und Korntheuer.
Produktion der Benefiz-Schallplatte „Waldramer Hoagart“ zugunsten des Waldramer Pfarrheim-Neubaus.
Anfang der 70er Jahre Leitung des Jugendorchesters in Geretsried, daraus entstanden die Musikfreunde Isartal, heute Konzertverein Isartal.
Ab 1982 Kammermusikwochen in Oberösterreich und Singwochen in Südtirol.
Seit 1980 Bayerischer Geigentag auf Kloster Reutberg, später Berg.
Seit 1984 Leitung Münchner Adventssingen
1983/84 Gründung von ‚I Musicanti Bavaresi‘ Ballorchester
Seit 1984 Wiederbelebung der Münchner Redouten - jahrhundertealte Form des Ballfestes.
Fotos: Andrea Weber







