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KulturPur in Wolfratshausen

KulturPur in Wolfratshausen

Ein abstraktes Kunstwerk in Klang und Farbe

Von Andrea Weber

Wolfratshausen, 21.11.2022 – Es war das letzte Jazzkonzert aus der Reihe KulturPur in diesem Jahr, begrüßte der gerade ins Amt berufene neue Kulturmanager Andreas Kutter die Gäste im Saal der Wolfratshauser Musikschule. Das Trio Henning Sieverts Symmethree präsentierte Stücke aus seinem Album „Triple B“, eine Hommage an Johann Sebastian Bach. Eigentlich. Dann kam es aber anders. Die Gewinner des deutschen Musikpreises ECHO-Jazz mischten brandneue Bluesstücke unters Programm, aus der aktuellen Studioproduktion. Es war ein Abend, der einmal mehr verdeutlichte, dass Jazz die moderne Klassik ist, hochanspruchsvoll, sehr komplex, keine leichte Kost.

Und dabei kam die Frage auf, ob der Jazz etwas mit höherer Mathematik zu tun haben könnte? Henning Sieverts Bandleader des Trios „Symmethree“ erklärte das Prinzip seiner Musik dem Publikum folgendermaßen: „Wir spielen eine Reihe von eins bis sechs aufsteigend, dann absteigend von sechs bis eins. Das sind sechs Takte, die in vier Viertel geteilt werden, und dann nehmen wir das Ganze mal zwei.“ Das sei dann Blues. So oder ähnlich verstand es der Laie unter den Zuschauern. Das Jazz-Trio „Henning Sieverts Symmethree“ mit Namensgeber am Kontrabass, Nils Wogram (Posaune) und Ronny Graupe (7-saitige Gitarre) spielte höchst anspruchsvolle Jazzstücke, die, wie Sieverts dem Publikum zwischendurch erläuterte „eine Spiegelung in Rhythmus, Melodie und Klangformen“ darstellte.

Ein Klang wie gemalt

Bei den Triple B-Stücken, sprich einer musikalischen Anlehnung an Johann Sebastian Bach, ging es aber nicht darum, die Werke des Meisters zu modernisieren und interpretieren, sondern Henning Sieverts geht einen eigenen Weg. So wird in seiner Musik das viertönige „B-A-C-H“-Motiv in verschiedenen Gestaltungsformen gesplittet, als Melodie, in Bass-Linien und verschiedenen Akkordfarben. Aus drei Vierton-Motiven entstehnen spannende Zwölf-Ton-Reihen, so beschreibt es die Jazzformation selbst. Für den Nichtmusiker unter den Liebhabern von Jazz klingt das sehr abstrakt. Und, zugegeben, war dieser Konzertabend keine leichte Kost. Es war vielmehr ein Klang wie gemalt, ein Kunstwerk der zeitgenössischen Moderne in vollendeter Abstraktion.

Fotos: Andrea Weber


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