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Immaterielles Kulturerbe Bayern

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Flöße fahren wieder auf Isar und Loisach

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 4.5.2022 –  Als Josef Seitner am 10. September 2019 die letzte Passagierfloßfahrt der damaligen Saison veranstaltete, ahnte er noch nicht, dass der Betrieb bis 2022 ruhen wird. Umso größer war seine Freude, am Samstag an der Weidacher Floßlände wieder eine internationale Touristengruppe begrüßen zu dürfen.

Niedrige Wasserstände verlängern Fahrzeit

Dabei bereiteten den Flößern am 30. April vor allem die niedrigen Wasserstände der Loisach und Isar Kopfzerbrechen. „Seit März hat es kaum noch geregnet. Hoffentlich kommen wir gut durch“, wünschte sich Josef Seitner vor dem Start. Auf dem aus 16 massiven Holzstämmen bestehenden Floß waren 60 Personen zugelassen – darunter drei Flößer und eine vierköpfige Musikgruppe. Während sich die Kapelle schon rund eine Stunde vor dem um 10 Uhr angesetzten Starttermin am Weidacher Imbisstand einfindet, lässt der mit internationalen Teilnehmern gefüllte Reisebus aus Schliersee lange auf sich warten. Als die Reiseleiterin telefonisch eine kurze Verspätung ankündigte, mahnte Seitner zur Eile. Denn aufgrund des niedrigen Wasserstands sei inklusive einer Pause im Mühltal mit einer etwa sechs bis siebenstündigen Floßfahrt zu rechnen.

Musik und zünftige Brotzeit

Steuermann Jason Seitner befestigte derweil die Ruder. Und auch die niederbayerischen Musiker der Landshuter FlossCombo nahmen vorzeitig ihre Plätze ein. „Wir haben uns riesig auf diesen Tag gefreut“, erklärte Tubist Gottfried Empl. Eine Floßfahrt mit Maske und großen Hygieneabständen sei für ihn undenkbar. Leben kann er dagegen mit der Vorschrift, „unplugged“ – das heißt ohne Verstärker – zu spielen. Nachdem auch der umfangreiche Brotzeitvorrat an Spareribs, Flößerbrot, Almkäse, Rollbraten und Fassbier auf dem Floß platziert wurde, bog der Reisebus von den Serpentinen des Wolfratshauser Bergwaldes mit achtminütiger Verspätung ein. „Endlich“, atmete Seitner auf.

Doch gerade als er die deutschen, niederländischen und portugiesischen Touristen zum Treppenabgang am Loisachufer geleiten will, kommt es zu einer erneuten Verzögerung: Denn fast jeder der Teilnehmer wollte vor dem Einstieg noch mal eines der beiden Dixi-Klos an der oberen Floßlände nutzen, sodass sich lange Schlangen davor bildeten. So konnte „Captain Jason“ erst eine halbe Stunde später als geplant ablegen. Zuvor erklärte der aus der Karibik stammende Flößer den internationalen Gästen noch in englischer Sprache die Verhaltensregeln. „Voll schön“, lobte der Freilassinger Teilnehmer Florian März. Josef Seitner sowie die vier Damen vom Imbisstand winkten ihnen zu und hoffen nun darauf, dass in den nächsten Monaten noch möglichst viele Flöße von Weidach bis München-Thalkirchen fahren können.

Fotos: Peter Herrmann


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