Flößerei Bayerisches Immaterielles Kulturerbe
Flößerei an Isar und Loisach ist aufgenommen
Wolfratshausen, 15.4.2020 - Das bayerische Finanz- und Heimatministerium hat 13 Kulturformen neu in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. „In Bayern genießen die Pflege und der Erhalt des immateriellen Kulturerbes einen sehr hohen Stellenwert. Das Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt der Traditionen im Freistaat stärkt das Wir-Gefühl und trägt entscheidend zum sozialen Zusammenhalt bei, auf den es gerade in dieser schwierigen Zeit besonders ankommt.", teilt Finanz- und Heimatminister Albert Füracker dazu mit. Unter den neu aufgenommenen Kulturformen ist auch die Flößerei an Isar und Loisach. Gelungen ist dies Helga Lauterbach vom Flößer-Kulturverein München-Thalkirchen zusammen mit den drei Flößereibetrieben Franz Seitner, Sepp Seitner und Michael Angermeier nach zweijähriger hoch intensiver Arbeit.
Die Begründung aus dem bayerischen Finanz- und Heimatministerium vom April 2020 lautete: „Die heutigen Passagierfloßfahrten auf der Isar und Loisach gehen auf den seit dem Mittelalter regelmäßigen Transport von Personen im südbayerischen Oberland über Wasserwege auf Flößen zurück. Sie stehen sowohl in einer Handwerkstradition als auch im Kontext historischer Formen der Mobilität.“
Darüber freut sich auch der gemeinnützige Verein Flößerstraße e.V. mit Sitz in der „Internationalen Flößerstadt“ Wolfratshausen, der sich der Erforschung, Bewahrung und kulturellen Pflege der spannenden Geschichte der Flößerei widmet. „Das ist wirklich super, dass nun auch Bayern die Bedeutung der Flößerei anerkannt hat mit seiner Auszeichnung als Bayerisches Immaterielles Kulturerbe“, so Gabriele Rüth, Vorsitzende des Vereins, „denn sie ist ja bereits Deutsches Immaterielles Kulturerbe seit dem Jahr 2014.“
Immaterielle kulturelle Ausdrucksformen wie Bräuche, Feste, Musik, Theater und Tanz sowie überliefertes Naturwissen und traditionelle Handwerkstechniken zählen ebenso wie Kunstwerke und Denkmäler zu den bedeutenden Kulturschätzen in Bayern. Viele Menschen engagieren sich - oft ehrenamtlich - in der Gemeinschaft für die Bewahrung dieses kulturellen Erbes und teilen dabei ihr Wissen und Können. „Das immaterielle Kulturerbe wird von Generation zu Generation weitergegeben und dabei immer wieder neu interpretiert“, erklärt Füracker.
Der Verein überlegt jetzt, wann und wie er das gebührend feiern kann. Denn schon bei der deutschen Aufnahme als immaterielles Kulturerbe gab’s ja damals durch ihn eine Flößer-Ausstellung im Sparkassen-Beratungscenter in der Sauerlacher Straße. Weitere Informationen zum Verein Flößerstraße auf www.floesserstrasse.eu und auf Facebook/Flößerstraße.
Flößerei bald auch Internationales Immaterielles Kulturerbe?
Die Internationale Flößereivereinigung ist mit ihrem Antrag, dass die Flößerei auch weltweites immaterielles Kulturerbe wird, auf einem guten Weg. Eine multinationale Arbeitsgruppe mit Flößerei-Vereinen aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Polen, Lettland und Spanien arbeitet seit fast zwei Jahren am entsprechenden Antrag. Eine Entscheidung über die Aufnahme erfolgt dann frühestens 2022.
Über die UNESCO-Kommission
Seit dem Jahr 2003 stellt die UNESCO kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Im Zentrum stehen lebendige Traditionen und Riten, die einer Gemeinschaft ein Gefühl der Identität und der Kontinuität vermitteln. Dementsprechend zeichnet sich das immaterielle Kulturerbe durch seine Vielfalt. So sind darunter der spanische Flamenco, die japanische Puppentheatertradition oder die iranische Teppich-Knüpfkunst. Überall auf der Welt sollen überliefertes Wissen und Können sowie Alltagskulturen als sogenanntes immaterielles Kulturerbe erhalten und gefördert werden.
Fotos: Archiv Flößerstraße e.V.






