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„Walk of Fame“ in Wolfratshausen

Glänzende Anerkennung für Flößerfamilien

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 19. 10. 2020 – Zum fünften Mal vergaben der Verein „Lebendige Altstadt Wolfratshausen“ (LAW) und die Stadt Wolfratshausen eine Plakette, die auf dem „Walk of Fame“ vor der Loisachhalle installiert wurde. Nach der Künstlerin Katherina Lüthi, Musikschul-Chorleiter Yoshihisa Kinoshita, dem früheren bayerischen Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber und dem Kabarettisten Josef Brustmann wurden nun die Flößerfamilienbetriebe Franz Seitner, Josef Seitner und Michael Angermeier mit dieser Auszeichnung geehrt.

Jahrhundertelange Tradition

„Die Flößerei ist in Wolfratshausen jahrhundertelang zu Hause und als touristische Attraktion mittlerweile in ganz Europa bekannt“, erklärte Hans-Werner Kuhlmann in seiner Grußansprache. Damit hätten die Flößereifamilien für die Stadt etwas Außergewöhnliches geleistet und somit das Hauptkriterium für die Verleihung des Messingschildes erfüllt. Angefertigt hat es Marc-Andreas Hofmeister in seiner Höhenrainer Kunstgießerei.

Zum Festakt kamen neben Bürgermeister Klaus Heilinglechner und zahlreichen Stadträten auch ehemalige Preisträger wie der frühere bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber, der Kabarettist Josef Brustmann und der Musikschul-Chorleiter Yoshihisa Kinoshita ins Foyer der Loisachhalle, Aufgrund der Corona-Vorgaben war die Anzahl der geladenen Gäste überschaubar. Die von Birgit Oblasser geleitete Blasmusikgruppe der Musikschule spielte mit großem Sicherheitsabstand im ersten Geschoß des Foyers. 

Bevor Kulturreferent Alfred Fraas zu seiner Laudatio ansetzte, erinnerte Rathauschef Klaus Heilinglechner noch einmal daran, dass die deutsche Unesco-Kommission die Flößerei 2014 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen hat. Dass die drei Familienbetriebe in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie keine einzige Fahrt veranstalten konnten, bedauerte er zutiefst. „Die Flößerei wird aber auch diese Krise überstehen“, ist sich Heilinglechner sicher. 

Laudatio des Kulturreferenten

Danach ließ Alfred Fraas die Geschichte der Flößerei im Isar- und Loisachtal Revue passieren. So entwickelte sich schon im Mittelalter durch die Gründung der Städte München und Landshut ein reger Floßverkehr auf der Isar. Über die weiterführende Donau gelangten einige Flöße sogar bis ans Schwarze Meer. In Wolfratshausen sorgte Matthias Seitner 1850 für Aufsehen, indem er seinen Betrieb als Gewerbe angemeldete und vom damaligen Königreich Bayern die staatliche Konzession erhielt. Seine Söhne und Enkel setzten das 

Handwerk fort. Heute führen Franz Seitner mit seinen Kindern Monika und Andreas sowie Josef mit den Martina und Petra die Flößereibetriebe. 

Auf eine lange Tradition kann auch Floßmeister Michael Angermeier zurückblicken. Sein Großvater Sebastian ließ sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Arzbach nieder, um von dort eine Fähre nach Obergries zu betreiben. Da das Flussbett der Isar dort austrocknete, weil ihr das Walchenseekraftwerk seit 1924 Wasser zur Stromgewinnung entzog, übernahm die Angermeiers 1971 den Floßbetrieb von Nikolaus Willibald und ließen sich an der zwischen der Pupplinger Au und Wolfratshausen gelegenen Floßlände neben der 

Marienbrücke nieder. Am Ende seiner Laudatio blickte Fraas auf die für 2023 angesetzte Johannifloßprozession voraus. Das im Drei-Jahres-Takt stattfindende Schauspiel wurde 1994 wiederbelebt und soll in drei Jahren zusammen mit dem Internationalen Flößertag in Wolfratshausen stattfinden. Franz Seitner sprach am Ende des Festakts die Hoffnung aus, dass die Flöße im nächsten Jahr wieder ablegen können. Abschließend stießen die Ehrengäste im Wirtshaus Flößerei auf das Wohl der Familien Seitner und Angermeier an. 

Im Rahmen dieses geselligen Beisammenseins gab Hermann Paetzmann vom Verein Flößerstraße noch einige amüsante Anekdoten aus dem Alltag der Flößer zum Besten.

Foto: Peter Herrmann


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