Vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart
Um die coronabedingten Sicherheitsabstände einhalten zu können, stellte der Historische Verein im Innenhof des Rathauses Stühle auf. Entlang der Außenwand des Bürgerbüros hingen unzählige Schwarz-Weiß-Fotos, die an die bewegte Geschichte des vor acht Jahren geschlossenen Isar-Kaufhauses am Untermarkt erinnerten. Zusammengestellt haben sie Gründer Otto-Ernst Holthaus und sein Sohn Frederik, der die Geretsrieder Filiale führt. Beide waren Gast von drei Veranstaltungen, zu denen der Historische Verein anlässlich des Tages des offenen Denkmals eingeladen hatte. „Der heutige Spatenstich fällt aus, wir rufen jetzt das Jahr des offenen Denkmals aus“, gab sich Ludwig Gollwitzer trotzig.
Der ehemalige Wolfratshauser Kulturrerefent und Mitbegründer der Loisachtaler Bauernbühne war zusammen mit Annekatrin Schulz in Bauarbeiterkluft erschienen. Die beiden Vorstandsmitglieder des Historischen Vereins kamen jedoch nicht, um Steine umzudrehen. In amüsanten Redebeiträgen blickten sie beispielsweise auf das Jahr 1633 zurück. Zu dieser Zeit wurde am Untermarkt 7 das Gebäude, in dem 333 Jahre später das Isar-Kaufhaus seine Pforten öffnete, erstmals urkundlich als Haus eines Lebkuchenbäckers erwähnt. Fortan diente der Bau als Getreidestadel, Schlachthaus und Landgerichtsapotheke. Nebenan am Untermarkt 9 waren unter anderem eine Brauerei und eine Knabenschule untergebracht. Schulz und Gollwitzer erinnerten zudem an die Geschichte des Seifensiederhauses am Untermarkt 11. Bevor das Isar-Kaufhaus dort 1983 seine erweiterten Räumlichkeiten eröffnete stand dort während des Zweiten Weltkrieges ein Lazarett, 1948 eröffnete im Rückgebäude ein beliebtes Café.
Interviews und Filmausschnitte
Nach dieser geschichtlichen Einführung interviewte Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins, Otto-Ernst Holthaus und seinen Sohn Frederik. Letzterer bedauerte erneut seine Entscheidung, den Standort Wolfratshausen aufgegeben haben. „Wir mussten schließen, weil wir uns die hohe Miete nicht mehr leisten konnten“, gab der Isar-Kaufhaus-Geschäftsführer zu bedenken. Nun hofft Holthaus, dass das neue Gebäude mit modernen Geschäfts- und Wohneinheiten in spätestens zehn Jahren steht. „Die Ruine ist ein trauriger Anblick, der hoffentlich bald verschwindet“, erklärte Holthaus. In einer Vorführung des von dem Ickinger Regisseur Rüdiger Lorenz gedrehten Dokumentarfilms „50 Jahre Isar-Kaufhaus“ kamen dann auch ehemalige Mitarbeiterinnen wie Elfriede Rupp zu Wort. Die 89-Jährige war schon 1966 bei der Eröffnung dabei und ließ es sich nicht nehmen, auch beim jetzigen Denkmaltag dabei zu sein. „Als ich das Isar-Kaufhaus zum ersten Mal gesehen habe, war es eine Ruine und jetzt ist es wieder eine“, sagte sie am Sonntag. Der gleichaltrige Otto Ernst-Holthaus, der 1966 einen Kredit in Höhe von einer Million Euro aufnehmen musste, blickte wehmütig auf die Blütezeit des Kaufhauses
zurück. So kamen in den 1970er und 1980er Jahren rund 800 Kunden am Tag. „Das war eine glückliche Zeit, die wir alle vermissen“, gab sich Otto-Ernst Holthaus wehmütig.
Dr. Sybille Krafft zeigte sich nach den drei Veranstaltungsblöcken, die insgesamt 100 Menschen besuchten, sehr zufrieden. So waren die Exemplare des für 10 Euro erhältlichen Films „50 Jahre Isar-Kaufhaus“ rasch ausverkauft. Zudem leisteten viele Besucher einen freiwilligen finanziellen Beitrag, um die Arbeit des Historischen Vereins zu unterstützen.







