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Loisachhalle Wolfratshausen - Bruno Jonas

Loisachhalle Wolfratshausen – Bruno Jonas

"Ich will geliebt werden"

Von Peter Herrmann

Wolfratshausen, 2.11.2022 – Mehrere Male musste der Auftritt des Kabarettisten Bruno Jonas in den Jahren 2020 und 2021 coronabedingt verschoben werden. Umso mehr freute sich der gebürtige Niederbayer nun, sein Programm „Meine Rede“ dem Wolfratshauser Publikum in der nahezu vollbesetzten Loisachhalle präsentieren zu könnnen.

Satirische Reminiszenz an Dr. Edmund Stoiber

Das Bühnenbild wirkte auf den ersten Blick dominant. Neben großen Buchstaben stand ein Pult mit den Initialen JB. Bruno Jonas gestand, günstig bei dem schwedischen Möbelriesen Ikea eingekauft zu haben. „Pult Edmund hat viele Vorteile“, verwies er auf den in Wolfratshausen lebenden Ex-Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber. Schließlich sei das Modell „wahrheitsabweisend“ und auf verschiedene Höhen einstellbar. Es folgte ein satirischer Rundumschlag gegen Politiker aller Parteien und moderne Errungenschaften wie beispielsweise die Genderisierung der Sprache. So bezeichnete Jonas das Publikum als „Meine sehr verehrten Körper“, um nicht zwischen Damen und Herren differenzieren zu müssen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt von ihm das fragwürdige Prädikat „Meister der rhetorischen Mehlschwitze", weil er seine Reden mit salbungsvollen Worten aufbläht. Das Betrachten der
Nachrichtensendungen in den öffentlichen Medien bereitet dem Kabarettisten schon lange keinen Spaß mehr. „Da möchte ich einfach nur in den Fernseher reinschreien“, gab Jonas zu.

Gefangen in der Warteschleife

Nach einer knapp halbstündigen Pause, in der Bruno Jonas seine Bücher signierte, forcierte er im zweiten Programmteil die Kommunikation mit den Besuchern. „Ich will geliebt werden“, gestand Jonas. Gelungene Passagen sollten vom Publikum mit lauten „Yeah“-Rufen gewürdigt werden. Das klappte ganz gut, weil der ehemalige Nockherberg-Prediger neben anspruchsvollen Gedichten und Wortspielen auch komödiantische Alltagsszenen und witzige Gesangseinlagen präsentierte. Bei langwierigen Gesprächen mit den sächsisch sprechenden Mitarbeitern der Telekom übernahm er sogar gekonnt deren Dialekt. Am Ende des nahezu dreistündigen Programms wünschte sich Bruno Jonas einen humorvollen Umgang mit den derzeit schwierigen Zeiten. Dabei seien Kritik und Aufbegehren immer erlaubt. „Der Trotz ist die Grundlage des Humors“, erklärte Jonas.

Foto: Peter Herrmann


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